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01.04.2011

11:59 Uhr

Salon du Dessin

Die Alten Meister machen sich rar

VonOlga Grimm-Weissert

Die Pariser Messe für Zeichnungen und Kunst auf Papier wird in ihrem 20. Jahr immer moderner. Der Grund ist schlichtweg Materialmangel. Nur wenige Blätter stammen von bekannten Künstlern.

Sonia Delaunays Deckfarbenarbeit "Rythme coloré n°636 " aus dem Jahr 1958  bietet die Galerie Patrick Derom auf dem "Salon du Dessin" an. Quelle: Galerie P. Derom

Sonia Delaunays Deckfarbenarbeit "Rythme coloré n°636 " aus dem Jahr 1958  bietet die Galerie Patrick Derom auf dem "Salon du Dessin" an.

ParisNoch bis zum 4. April breiten in der Pariser Börse 39 Galerien (21 aus Frankreich und 18 aus dem Ausland) ihre Schätze an Zeichnungen und Arbeiten auf Papier aus. Das Angebot des 20. „Salon du dessin“, der Spezialmesse für Zeichnungen und Kunst auf Papier, reicht vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Bereits seit einigen Jahren konstatiert man die zunehmende Verlagerung des Angebots ins 19. und 20. Jahrhundert. Die Ursache ist die Materialknappheit. Und wenn es auch ansprechende Altmeister-Blätter gibt, so stammen nur wenige von allseits bekannten Künstlern. Stephen Ongpin (London), Pandora (New York), W.M. Brady (New York), Jean-Luc Baroni (London) oder Agnew’s (London) bedienen diesen Sektor mit Namen wie Guido Reni, Giovanni Domenico Tiepolo (der weniger präsent ist als in den letzten Jahren), Fra Bartolomeo, Biagio Pupini, Paolo Francesco Michetti.

Beachtenswert ist die Federzeichnung eines nackten Kriegers von Toussaint Dubreuil für 220.000 Euro bei Didier Aaron. Bei Agnew’s findet man seit Jahren die beiden hübschen Blätter von Paul Brill aus der Serie der Monate, „Januar“ und „Oktober“ für je 225.000 Euro.

Rötel-Porträts von Jean-Baptiste Greuze (1725-1805) findet man bei Agnew’s (Porträt eines Mädchens für 220.000 Euro), bei W. M. Brady (Knaben-Bildnis) und bei Eric Coatalem (Männerporträt).

Colnaghi-Bellinger und Coatalem haben je ein Damenporträt von Jean-Auguste-Dominique Ingres, dem Hauptmeister des Klassizismus: Das erste von Angéline Raoul-Rochette von 1834 ist für 170.000 Euro zu haben, das zweite, die 1822 in Florenz so minutiös wie liebevoll gezeichnete Amedéé de Pastoret, für 800.000 Euro.

Ein Porträt eines Mannes von Edgar Degas (um 1856) setzt Arturo Cuéllar mit dem gleichen Preis an. Yvonne Tan-Bunzl (London) hat eine große Skizze zur Reiterthematik von Henri de Toulouse-Lautrec für 52 000 Euro am Stand und Thomas Le Claire (Hamburg) einen eifrigen Graphik-Sammler von Honoré Daumier für 200.000 Euro.

Farblich gefällig ist das aquarellierte Knabenporträt „Die Apfelsine“ von Conrad Felixmüller von 1929, auf dessen Rückseite eine „Zirkusszene“ gemalt ist. Dafür erwartet Stephen Ongpin 70.000 Euro. In besonders kräftigen Farben, auf handgeschöpftem Papier schuf Sonia Delaunay ein großes Aquarell, das Patrick Derom (Brüssel) für 95.000 Euro offeriert. Zlotowski (Paris) wartet mit einem beachtlichen 20. Jahrhundert-Angebot auf, darunter eine postkubistische Gouache Sophie Taeuber-Arps von 1927 für 65.000 Euro.

Als Ergänzung zur derzeitigen Odilon-Redon-Ausstellung im Grand Palais können Arnoldi-Livie aus München mit einem großen Ölbild auf Karton dienen. Für ein „Mädchen im Profil mit einem Paradiesvogel und Schmetterlingen“ von 1905 muss der Liebhaber 485.000 Euro einsetzen.

Nur selten findet der Messeflaneur auf dem Salon eine Arbeit auf Papier im vierstelligen Bereich: So kostet ein abstraktes Aquarell von Olivier Debré aus den 1970er-Jahren bei Prouté (Paris) 4.200 Euro.

Sehr viel häufiger als auf dem Salon wurde die Preiskategorie unter 3.000 Euro auf der Konkurrenzmesse „Drawing now. Salon du dessin contemporain“ bedient. Sie fand diesmal mit 81 Ausstellern nicht zeitgleich, sondern vor dem Salon statt. Sehr zufrieden mit den Verkäufen zeigte sich der Pariser Eric Dupont. Er setzte 17 Blätter von Clément Bagot im Preisbereich von 1.000 bis 20.000 Euro ab.

Als Verbindungsglied zwischen den beiden Zeichnungs-Messen könnte man die in Düsseldorf lebende Chilenin Sandra Vasquez de la Horra nennen. Die Preisträgerin des Guerlain-Preises 2009 breitet auf der „Drawing now“ bei der Düsseldorfer Galerie Rupert Pfab und am „Salon du Dessin“ beim Newcomer David Nolan ihre satirischen, feministischen Märchen aus. Mit Katrin Ströbel bei Frühsorge (Berlin), Françoise Pétrovitch bei Antoine Laurentin (Paris) und einigen anderen gut verkauften Künstlerinnen lautet die Devise: Die Frauen sind – auch im Markt für Handzeichnungen – angekommen.


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