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08.07.2011

00:00 Uhr

Salvator Mundi

Ein Leonardo für 200 Millionen Dollar?

VonMatthias Thibaut

Der Handel schätzt das Christus-Gemälde auf 200 Millionen Dollar. Im Herbst soll es in der Leonardo-Ausstellung in Londons Nationalgalerie gezeigt werden. Das Museum wertet das Werk damit kommerziell noch weiter auf.

Das Gemälde "Salvator Mundi" im restaurierten Zustand. Es soll im November auf der Leonardo-Ausstellung der National Gallery in London gezeigt werden. Quelle: Privatkollektion New York

Das Gemälde "Salvator Mundi" im restaurierten Zustand. Es soll im November auf der Leonardo-Ausstellung der National Gallery in London gezeigt werden.

LondonKunsthistoriker und Händler wollen in den USA die Urfassung von Leonardos "Salvator Mundi" (Christus als Erlöser) entdeckt haben. Bisher war das Bild nur aus Kopien bekannt. Es zeigt einen leicht bärtigen Christus, der in der linken Hand eine Weltkugel hält und die Rechte zum Segen erhoben hat. Nach jahrhundertelangen Wirren soll das bisher als Kopie gehandelte Bild in einer amerikanischen Privatsammlung identifiziert worden sein.

Für Kontroversen wird es sorgen, wenn es im November in der Leonardo-Ausstellung der Londoner Nationalgalerie gezeigt wird.

Leonardo, Inbegriff des Universalgenies, ist der große Rätselhafte der Kunstgeschichte. Man weiß von nur rund 20 Gemälden, aber nur eine Hand voll ist als eigenhändige Originale unumstritten. Das gibt diesen Werken einen mythischen Status. Der letzte Verkauf eines Leonardo-Gemäldes war der des Porträts der Ginevra di Benci, das Prinz Liechtenstein 1967 für fünf Millionen Dollar an die Washingtoner Nationalgalerie verkaufte. Auch dieses wird angezweifelt.

Diese Kopie wird dem Maler Giovanni Antonio Boltraffio zugeschrieben. Quelle: x

Diese Kopie wird dem Maler Giovanni Antonio Boltraffio zugeschrieben.

Das neu entdeckte Erlöserbild befindet sich der Londoner Nationalgalerie zufolge in "Privatbesitz", aber ein Kunsthändlerkonsortium scheint den Zugriff zu haben und will es Berichten zufolge nach der Ausstellung verkaufen. Schon wurde eine 200-Millionen-Dollar-Schätzung ausgestreut. Damit setzt sich die Nationalgalerie dem Vorwurf aus, ein kommerziell "heißes" Gemälde durch die Ausstellung aufzuwerten.

Das Bild war früher im Besitz des französischen Königs

Erst gestern nahm das Museum in einer knappen Erklärung Stellung und vermied jede Aussage über die Authentizität des Bildes. Die Version sei nach der Reinigung dem Direktor der Nationalgalerie, dem Ausstellungskurator und Fachgelehrten gezeigt worden. "Wir waren der Meinung, dass es von großem Interesse wäre, das Werk als eine neue Entdeckung in der Ausstellung zu zeigen." Weitere Erklärungen überlässt man den Besitzern.

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