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12.01.2010

09:35 Uhr

Sammlerporträt

"Verhandeln ist meine Kunst bei den Geschäften"

VonOlga Grimm-Weissert

Unter den Wirtschaftsbossen war der Alcatel-Lenker Georges Pébereau ein ganz großer. Unter Sammlern ist er weniger bekannt. Das liegt vielleicht daran, dass sich der strategisch denkende Mann vor allem auf den Rat von Experten verlässt und erst jetzt seine Sammlung im Louvre zeigt. Interessant ist, dass er mit Zeichnungen Angelika Kaufmann, Adolph Menzel und Käthe Kollwitz einen Akzent bei deutscher Kunst setzt.

Ob italienische Barockmaler, französische Klassizisten oder deutsche Künstler, der Sammler Georges Pébereau verlässt sich auf die Kennerschaft angesehener Experten. Louvre / Suzanne Nagy

Ob italienische Barockmaler, französische Klassizisten oder deutsche Künstler, der Sammler Georges Pébereau verlässt sich auf die Kennerschaft angesehener Experten.

PARIS. "Ich bin Frankreichs größter Sammler von Zeichnungen", stellt sich der weißhaarige, schlanke Herr ohne ersichtliche Selbstironie vor. Georges Pébereau wirkt eher irritiert, denn der 78-Jährige ist daran gewöhnt, dass alle Welt ihn kennt: als den Großindustriellen, der 1984 Alsthom und Alcatel fusionierte und zur weltweit größten Telekommunikationsgruppe Alcatel machte.

"Ich habe befohlen", ist einer seiner Leitsätze. 1987 gründete er Marceau Investment, ein Finanzberatungsunternehmen, das er mit Marceau Finance, Marceau Immobilier und Scorimar vernetzte. Er ist noch immer Präsident der vier Aufsichtsräte. Die Marceau-Gruppe sei "ganz klein", meint er, im Vergleich mit dem Ausmaß des früheren Industrie-Imperiums Alsthom. Sie war immerhin finanzstark genug, dass Pébereau 1988 mit anderen Finanziers ein feindliches Übernahmeangebot gegen die größte Privatbank Frankreichs, die Société Générale, lancierte. Der Angriff scheiterte, die Finanzaufsichtsbehörde (COB) klagte die Financiers wegen Insider-Geschäften an. Georges Pébereau wurde schließlich begnadigt, "da es sich um ein geringes Vergehen handelte", wie der Angesprochene das Thema kurz angebunden beendet.

Vor rund 20 Jahren entdeckte Georges Pébereau seine Vorliebe für Handzeichnungen. Anfangs kaufte er für geringe Summen, entwickelte aber rasch Sinn für Qualität und investierte im Laufe der Jahre immer bedeutendere Beträge. Er kauft jedoch nie ein Blatt, ohne vorher fachkundigen Rat einzuholen: bei den inzwischen mit ihm befreundeten Kuratoren des Louvre, dem Louvre-Beauftragten Louis-Antoine Prat oder bei seinem Lieblings-Händler Arturo Cuellar aus Zürich. "Wir machen jedes Jahr im 'Salon du Dessin' einen Rundgang und ich sage ihm, was ich für interessant halte", erzählt Cuellar. "Georges Pébereau ist total passioniert. Sammeln ist auch ein Spiel für ihn: die Auktionen, die Verhandlungen mit Händlern, die Beziehung zum Louvre sind ein sehr wichtiger Teil seines Lebens geworden, die ihm viel Befriedigung bringen", fährt der Galerist fort.

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