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29.08.2011

14:05 Uhr

Sammlung Clark

Hingerissen vom Impressionismus

VonOlga Grimm-Weissert

Wer lichtflirrende Gemälde von Renoir, Degas und Monet sehen will, die üblicherweise in den USA hängen, muss Giverny ansteuern. Dort gastieren Teile der exquisiten Impressionistensammlung von Stanley Clark, dem Erben der Singer Nahmaschinenfabrik.

huGO-BildID: 23126681 Pierre-Auguste Renoir, Marie-Thérèse Ruel-Durant nähend, 1882 Michael Agee

huGO-BildID: 23126681 Pierre-Auguste Renoir, Marie-Thérèse Ruel-Durant nähend, 1882

GivernyEin roter Hut zieht den Betrachter unmittelbar in das Porträts eines jungen Mädchens im Profil, das konzentriert auf seine Näharbeit blickt. „Marie-Thérèse Durand-Ruel nähend“ ist eines der Bildnisse, die Pierre-Auguste Renoir im Sommer 1882 im Auftrag seines Kunsthändlers Paul Durand-Ruel von dessen fünf Kindern malte. Das farbenfreudige Gemälde zählt zu den exzeptionellen Renoir-Bildern der amerikanischen Sammlung Sterling und Francine Clark. Diese außerordentliche Privatsammlung gastiert derzeit mit einer Auswahl von 72 Werken in Giverny, wo sich das „Museum der Impressionisten“ neben dem mythischen Garten von Claude Monet befindet. 

Der Galerist Paul Durand-Ruel war der Hauptlieferant des amerikanischen Multimillionärs Sterling Clark (1877 - 1956), eines Erben der Singer Nähmaschinenfabrik. Clark erwarb das Porträt der jungen Galeristentochter im Jahre 1935. Dank seines immensen Vermögens führte Clark die Existenz eines eleganten Dandys. Nach Aufenthalten in China lebte er ab 1910 in Paris, wo er sein Stadtpalais zunächst mit Altmeistern ausstattete. 1919 heiratete Clark die in der Comédie Française auftretende Schauspielerin Francine Clary (1876 -1960). 

Entscheidung für die Provinz

Sterling Clark, der Autodidakt mit sicherem Gefühl für Qualität, vertiefte seine Kenntnisse durch Lektüre und Gespräche mit Händlern wie Roland Knoedler und Durand-Ruel. Seine konservative Wahl beschränkte sich auf Ankäufe von Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zur Erhaltung der Sammlung gründeten die Clarks das 1955 eröffnete „Sterling and Francine Clark Art Institute“ in Williamstown, Massachusetts. Das „Clark“ verfügt über ein Museum, eine Bibliothek und enge Beziehungen zur Hochschule von Williamstown und deren Abteilung Kunstgeschichte.

Begeistert von Renoirs Kolorit

Clarks Vorliebe galt den Gemälden von Renoir. Er bevorzugte Porträts und Landschaften aus den 1870er-Jahren bis 1882. Renoirs Gestalten der Spätperiode bezeichnete Clark als „hässliche Würste“, die er  weniger wählerischen Sammlerkollegen, wie Dr. Albert Barnes überließ, der 181 Renoir-Gemälde besaß. Die von Clark ausgewählten 39 Renoirs überzeugen selbst  Renoir-Kritiker. 1939 schwärmte Sterling Clark über Renoir: „Welch ein großer Meister! Als Kolorist, hatte niemand ein so sensibles Auge für die Harmonie der Farben! Seine Grautöne entsprechen denen von Velasquez, seine Rottöne denen von Rubens.“  

huGO-BildID: 23126694 Claude Monet, Die Felsen von Etretat, 1885 Michael Agee

huGO-BildID: 23126694 Claude Monet, Die Felsen von Etretat, 1885

Schwerpunkt: Impressionisten

Weitere Schwerpunkte der Sammlung sind die Maler der Schule von Barbizon, etwa Camille Corot, Jean-François Millet und Théodore Rousseau. Sowie der sehr akademische  Jean-Léon Gérôme. Den Kern der Sammlung aber bilden die  Impressionisten: Camille Pissarro, Alfred Sisley, Claude Monet, Berthe Morisot, Edgar Degas, Edouard Manet. Amerikanische Maler wie John Singer Sargent, den Clark 1914 bei Knoedler in Paris fand, runden die Kollektion ab. Knoedler ersteigerte 1919 in Paris anlässlich der Nachlass-Auktionen von Edgar Degas für Clark insgesamt vierzehn Zeichnungen und ein Gemälde.

Die aktuelle Ausstellung im „Museum der Impressionisten“ in Giverny ist vorwiegend mit französischer Malerei bestückt. Diese tritt zum großen Teil das erste Mal die Rückreise über den Ozean an, nachdem Sterling Clark sie mit Hilfe der Galerie Knoedler aus seinem Pariser Stadtpalais 1938 nach Montréal verschiffen ließ, wo die Gemälde zehn Jahre lang lagerten. Die antiquarischen Bücher, Graphiken und Zeichnungen deponierten die Clarks während des Zweiten Weltkriegs im New Yorker Geschäft von Durand-Ruel. 

Kriegsankäufe

Die wirtschaftliche Depression und die zusehende Bedrohung durch die Nationalsozialisten zwang viele Sammler, weit unter dem Preis zu verkaufen. Clark erwarb 1933 zwölf Gemälde bei Durand-Ruel in New York, wo er seit 1920 vorwiegend lebte, sowie fünf Bilder bei Knoedler in New York und Paris. Darunter befanden sich Meisterwerke von Claude Monet wie die ins rosa Abendlicht getauchten „Felsen von Etretat“, oder die poetische Sommer-Landschaft „Saint-Charles, Eragny“, die Camille Pissarro 1891 in der Technik des Pointillismus malte.

huGO-BildID: 23126711 Pierre-Auguste Renoir, Dogenpalast in Venedig, 1891 Michael Sgee

huGO-BildID: 23126711 Pierre-Auguste Renoir, Dogenpalast in Venedig, 1891

Sicherheit geht vor

Vor der Gründung eines eigenen Museums besuchten die Clarks mehrere Stiftungen und Privatmuseen in den USA und Europa. Sterling Clark wählte die Kleinstadt Williamstown, weil seine Familie dort bereits College-Bauten finanzierte, und die Stadt im Kriegsfall „am Radar nicht sichtbar“ sei. Der extrem diskrete, stets anonym bleibende Sterling Clark dotierte die Stiftung mit einer sehr hohen Summe, welche bis heute ergänzende Ankäufe ermöglicht. Auf der TEFAF in Maastricht erwarb das „Clark“ eine stupende Baumlandschaft von Théodore Rousseau, „Bauernhof in den Landes“ von 1859, eines seiner späten Meisterwerke.

  

„La Collection Clark à Giverny. De Manet à Renoir“

bis 31.Oktober 2011 im „Musée des Impressionismes“ Giverny 

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