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04.02.2016

10:36 Uhr

Sammlung Gert K. Nagel

Erfolgreich abgesetzt, auch bei forschen Untergeboten

VonSabine Spindler

Die Versteigerung der Antiquitätensammlung des ehemaligen Auktionshausinhabers Gert K. Nagel hat ihre Erwartungen mehr als erfüllt. Verlockend niedrige Schätzpreise verfehlen nicht ihre Wirkung. An der Spitze der Erlöse steht ein Gemälde von Heinrich von Zügel für 33.000 Euro mit Aufgeld. Deutsche Sammler interessieren sich vor allem für Fayencen und Keramiken.

Heinrich von Zügels Gemälde "Vor dem Schafstall" (92 x 121 cm) avanciert zum Top-Los der Sammlung Gert K. Nagel. Das Bild wechselt für 33.000 Euro (inkl. Aufgeld) den Besitzer. Quelle: Nagel, Stuttgart

Impressionistische Schäferidylle

Heinrich von Zügels Gemälde "Vor dem Schafstall" (92 x 121 cm) avanciert zum Top-Los der Sammlung Gert K. Nagel. Das Bild wechselt für 33.000 Euro (inkl. Aufgeld) den Besitzer. Quelle: Nagel, Stuttgart

StuttgartNüchternheit ist eine Geschäftstugend. Gert K. Nagel, der einstige Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses, scheint sie auch im hohen Alter noch zu besitzen. Mit Leidenschaft hat er über 30 Jahre Antiquitäten gesammelt. Aber mit viel Realitätssinn für den heutigen Markt setzte er die Preise für die gut 2.400 Positionen seiner Sammlung äußerst moderat an. Am 27. und 28. Januar 2016 kamen die Keramiken, Möbel, Gemälde und bäuerlichen Gerätschaften bei Nagel in Stuttgart unter den Hammer.

Auktionator Gert K. Nagel: Kehraus eines alten Hasen

Auktionator Gert K. Nagel

Kehraus eines alten Hasen

Gert K. Nagel war ein begeisterter Antiquitätensammler und der ehemalige Steuermann des Stuttgarter Auktionshauses Nagel. In den 1970er- und 1980er-Jahren baute er das Unternehmen zu einem der führenden Versteigerer Deutschlands aus. Nun zieht das Stammhaus zum 80. Geburtstag seines Wegbereiter den Hut und versteigert Teile seiner Sammlung. Sie reicht vom Dreschflegel über Fayencen bis zum Gemälde von Heinrich von Zügel.

Deutsches Interesse für Fayencen

Sammler und Händler nutzten die Chance. Freudig setzten sich vor allem deutsche Sammler bei den attraktiven, bedeutenden Fayencen und Keramiken ein, dem Spezialgebiet Gert Nagels. Von geschätzten 2.200 Euro kletterte etwa der Preis für einen Crailsheimer Fayence-Walzenkrug mit der reizvollen Darstellung von Fuchs und Ente auf ca. 6.000 Euro (alle Preise inkl. 33 % Aufgeld). Ein Frankfurter Enghalskrug mit einer chinoisen Szenerie aus dem 17. Jahrhundert wechselte nach eifrigem Bietgefecht bei 5.300 Euro den Besitzer.

Aufsatzsekretär aus Kirchheim Teck

Insgesamt hat die sehr gut besuchte Auktion einen Brutto-Umsatz von 1,5 Millionen eingespielt; die Summe der Taxen belief sich auf 1,2 Millionen Euro. „Im Prinzip ist die Sammlung einer in Fachkreisen so geschätzten Persönlichkeit für ein Auktionshaus eine Erfolgsgeschichte, aber sie kann nur im regionalen Bereich funktionieren“, resümiert Rudolf Pressler von der Nagel-Geschäftsleitung auf Nachfrage.

Das Städtchen war einst der Witwensitz des herzoglichen Geschlechts der Württemberger. Das bedeutete, dass hier qualitätvolle Möbel hergestellt wurden wie dieser barocke Aufsatzsekretär von 1730, der nun für 24.000 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert wurde. Quelle: Nagel, Stuttgart

Möbelkunst aus Kirchheim Teck

Das Städtchen war einst der Witwensitz des herzoglichen Geschlechts der Württemberger. Das bedeutete, dass hier qualitätvolle Möbel hergestellt wurden wie dieser barocke Aufsatzsekretär von 1730, der nun für 24.000 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert wurde. Quelle: Nagel, Stuttgart

Zahlreiche Möbel blieben denn auch in Deutschland. Einen Erfolg verbuchte das Haus mit einem Aufsatzsekretär aus Kirchheim Teck bei Stuttgart. Das barocke Stück verdreifachte die Taxe und geht für 24.000 Euro in eine württembergische Sammlung. Preislich an der Spitze steht Heinrich von Zügels impressionistisches Gemälde „Vor dem Schafstall“ mit 33.000 Euro. Die genrehafte Szene „Gebirgsschmiede“ und „Mittagspause vor alpenländischen Haus“ von Christian Mali brachten 16.000 und 24.000 Euro ein und blieben in Süddeutschland.

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