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14.07.2014

22:30 Uhr

Sammlung Grothe

Nach harten Leih-Verhandlungen an Mannheim

VonChristiane Fricke

Der Sammler Hans Grothe erwirbt seit 2000 die Werke des Malers und Bildhauers Anselm Kiefer. Längst besitzt er den weltweit größten Bestand. Jetzt schloss die Kunsthalle Mannheim mit dem Duisburger Unternehmer einen differenzierten Leihvertrag.

Fast achteinhalb Meter breit: Anselm Kiefers „Große Fracht“ (1981/1996), bestehend aus Ölfarbe, Emulsion, Sonnenblumen und Blei. (Ausschnitt) Grothe

Fast achteinhalb Meter breit: Anselm Kiefers „Große Fracht“ (1981/1996), bestehend aus Ölfarbe, Emulsion, Sonnenblumen und Blei. (Ausschnitt)

DüsseldorfWer das Werk des deutschen Malers und Bildhauers Anselm Kiefer in Augenschein nehmen will, wird künftig der Kunsthalle Mannheim einen Besuch abstatten müssen. Sie erhält bereits im Oktober dieses Jahres 38 Hauptwerke aus der Sammlung Hans Grothe. Präsentiert wird die von der Pressestelle der Kunsthalle als „langfristig“ bezeichnete Leihgabe des Duisburger Unternehmers ab 2017 im Kunsthallen-Neubau in einem eigenen Galerieraum.

Kiefer setzt sich in seinem Werk bevorzugt mit der deutschen Vergangenheit und Geistesgeschichte auseinander. Seine Arbeiten sind zeitgenössische Historienbilder, in denen eine kritische und emotionale Haltung eine eigenartige Verbindung eingehen. Damit fügen sie sich gut in den Bestand der Kunsthalle zwischen Schlüsselwerken wie Èdouard Manets „Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“ (1868-69) und Francis Bacons „Schreiendem Papst“ (1951). Von einer sinnvollen und „das Spektrum existenzieller Schlüsselwerke“ vertiefenden Erweiterung der Sammlung spricht Ulrike Lorenz, Direktorin des Museums.

Differenziertes Vertragswerk

Den Ausschlag für Mannheim soll der Neubauentwurf der Architektensozietät gmp (von Gerkan, Marg und Partner) gegeben haben. Für die Kiefersammlung von Grothe steht im zweiten Obergeschoss ein Galeriekubus von 240 Quadratmetern zur Verfügung, in dem ab 2017 jährlich wechselnde Präsentationen „bis mindestens 2027“ stattfinden sollen.

An den Baukosten soll sich Grothe „mit einem höheren sechsstelligen Betrag“ beteiligen, wie von der Museumsdirektorin zu erfahren ist. Außerdem bestätigte sie die zehn Jahre Mindestlaufzeit des Leihvertrags, der mit der Familie Grothe nach acht Monaten harter Verhandlungszeit unterschrieben wurde. Angaben von Lorenz zufolge hat jeder Partner die Möglichkeit, den Vertrag zwei Jahre vor Ablauf der Leihzeit zu kündigen. Wird er nicht gekündigt, verlängert sich die Ausleihzeit auf weitere zehn Jahre bis 2037.

Sollte die Familie Grothe von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen und das Konvolut 2027 abziehen, würden der Kunsthalle drei Werke für weitere zehn Jahre verbleiben. Macht sie keinen Gebrauch von der Option, kann Grothe jährlich zwei Werke abziehen, jedoch keine Zyklen. Insgesamt wurde – nicht zuletzt auch im Bewusstsein der Bonner Erfahrungen mit dem Leihgeber – von Anfang an „sehr nüchtern“ verhandelt, wie Lorenz resümiert.

Bonner Erfahrungen

Vor zwei Jahren sorgte die Kiefer-Kollektion des Duisburger Unternehmers für Schlagzeilen, weil Robert Fleck, ehemaliger Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn, seine Kiefer-Ausstellung ausschließlich mit Werken aus der Privatsammlung Grothes bestückt hatte.

Mit dem Namen Grothe verbinden sich auch schmerzliche Erinnerungen an eine jahrzehntelang im Kunstmuseum Bonn beheimatete, jedoch vorzeitig abgezogene Leihgabe zeitgenössischer Kunst. Nach einzelnen, Aufsehen erregenden Veräußerungen Anfang der 2000er-Jahre war diese Kollektion 2005 an das Darmstädter Sammlerehepaar Ströher verkauft worden.

Kollektion mit Schlüsselwerken

Das Kiefer-Konvolut Grothes, der sich 2000 dazu entschloss, seine Sammlungstätigkeit auf nur einen bedeutenden Künstler zu konzentrieren, gilt als das größte der Welt in privater Hand. Es enthält Schlüsselwerke aus drei Jahrzehnten, darunter zahlreiche Großformate, darunter auch das 8,40 Meter breite und 3,30 Meter hohe Materialbild „Große Fracht“ (1981/1996), das einen Platz im Lichtatrium des Neubaus finden soll.

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