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29.11.2012

10:34 Uhr

Sammlung István Heller

Das Silber-ABC

VonMatthias Thibaut

Silber gehört zu den anspruchsvollsten Sammelgebieten. Wenn einmal eine bedeutende Kollektion auf den Markt kommt, ist das eine Sensation. Große Erwartungen knüpfen sich deshalb an die Versteigerung der Sammlung István Heller, die aus einem Frankfurter Museum abgezogen wurde.

Trinkschale im Stil des Christiaen van Vianen, 1630, Sammlung Heller. Sotheby's London

Trinkschale im Stil des Christiaen van Vianen, 1630, Sammlung Heller.

LondonSilberauktionen werden seltener, erst recht große Sammlerauktionen. Nur noch wenige leidenschaftliche Kenner gewinnen der Verbindung von hochpräsenter Sinnenlust und Geschichte etwas ab. Das Material ist nicht in Mode, erst recht nicht für täglichen Gebrauch und Repräsentation. Große und bedeutende Stücke werden für exorbitante Prestigepreise hinter den Kulissen verkauft, wie eine Kanne mit Schale des niederländischen Barock-Silberschmieds Christiaen van Vianen, die vor kurzem eine Exportgenehmigung aus Großbritannien erhielt: Der Wert für die Privattransaktion aus dem Bestand des „Silberkrösus“ Mahid al-Tajir war mit 7,5 Millionen Pfund angegeben. Sotheby’s Silberexperte Harry Charteris weiß aber: „Im unteren Bereich ist der Markt viel schwächer“.

Die Sammlung von Dr. Dr. István Heller, die Sotheby’s am 4. Dezember versteigert, ist in einem an großen Ereignissen armen Markt eine willkommene Ausnahme. Verkauft werden 260 Silberarbeiten aus der Sammlung des hochbetagten, in Ungarn geborenen Radiologen, der als Ruheständler noch Kunstgeschichte studierte, um seine ausufernde Silbersammlung mit noch mehr Kompetenz erforschen zu können.

Bedeutung nicht verstanden

2011 übergab Heller die Sammlung dem Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, mit dessen damaligem Direktor Ulrich Schneider ihn eine lange Freundschaft verbindet und sagte der Presse: „Wichtig war mir, dass die Sammlung zusammenbleibt und nicht auf eine Auktion kommt“. Schneider sagte damals, er habe „unendlich viele Gespräche“ geführt, wie man die Sammlung in das Museum einbringen könne. Nun ist Schneider im Ruhestand und immer noch Hellers Berater. Der Sammler habe die Sammlung wieder abgezogen, weil „ihre Bedeutung nicht verstanden wurde“. Lieber sollen die in der Auktion auf 1,8 Millionen Pfund taxierten Stücke neue Sammler begeistern.

„Dr. Heller’s Lexikon“ heißt die Auktion, weil alphabetisch versteigert wird, nach dem ABC der Herstellerstädte von Amsterdam bis Zutphen im nordholländischen Gelderland. 250 Gold- und Silberschmiede aus 75 Städten sind vertreten, denn Heller sammelte nicht nur Berühmtes und Teures, sondern auch Abgelegenes und weniger Kostspieliges. Auf der Landkarte im Katalog gehen die Herstellungsorte von Birmingham im Westen bis Brasov (Kronstadt) im Osten, von Karlstad (Norwegen) im Norden bis Lissabon im Süden. Es gibt Trinkgefäße und Reise-Services, Parfümflakons, Tabatièren und Schatullen, Leuchter und Kuchengabeln. Die historische Reichweite der Silberkunst wird in einer Breite präsentiert, wie man sie im Auktionsbetrieb lange nicht gesehen hat.

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