Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.11.2015

14:31 Uhr

Sammlung Schäfer

Auf Wolke Sieben

VonSabine Spindler

Von hohen Zuschlagsraten bis an die 90 Prozent kann der Auktionshandel gewöhnlich nur träumen. Dem Münchener Auktionshaus Neumeister gelingt es mit einer umfangreichen Tranche von 19. Jahrhundert-Malerei aus der Sammlung Schäfer. Sogar biedermeierliche Idyllen und Alltagszenen finden ihre Käufer.

Der Preis für die flüssig hingeworfene Knaben-Porträtskizze von Max Slevogt kletterte zügig von 6.000 auf 38.000 Euro. Quelle: Neumeister

Schnell gemalt und schnell verkauft

Der Preis für die flüssig hingeworfene Knaben-Porträtskizze von Max Slevogt kletterte zügig von 6.000 auf 38.000 Euro. Quelle: Neumeister

MünchenDer Name Georg Schäfer (1896-1975) hat Klang. Wirtschaftshistoriker mögen sich noch an den Miteigentümer der FAG Kugelfischer erinnern. Und für viele Kunstsammler ist er immer noch ein Qualitätssiegel, wenn es um die Kunst des 19. Jahrhunderts geht. Als vergangene Woche bei Neumeister in München mehr als 100 Kunstwerke aus der einst ausufernden Privatsammlung des Schweinfurter Industriellen versteigert wurden, war der Auktionssaal bis auf den letzen Platz gefüllt.

Doch die Saalbieter stiegen schnell aus, als Andrea Appianis anspielungsreiches „Porträt Auguste Amalie Beauharnais mit ihren Töchtern“ von 1809 versteigert wurde. Das Gemälde mit der unteren Taxe von 35.000 Euro war ursprünglich ein persönliches Geschenk an ihren Gatten, den Vizekönig von Italien, anlässlich der gewonnen Schlacht von Raab. Es wurde das teuerste Kunstwerk der Auktion. Bei 303.000 Euro (alle Ergebnisse inkl. 27 Prozent Aufgeld) setzte sich ein italienischer Privatsammler gegen deutsche und schwedische Museen durch.

Ölstudien sind hoch im Kurs

Diese preislichen Höhen erreichte die Auktion kein zweites Mal, denn weitere Schlüsselwerke von dieser Brisanz fehlten. Für 66.000 Euro übernahm das Grohmann Museum in Milwaukee zum Nachsehen einer bedeutenden deutschen Privatsammlung das lichte Gemälde „Mädchen mit Ziege“ von Carl Spitzweg. Verlockend war der Rufpreis von 8.000 Euro für Friedrich von Amerlings melancholische „Italienerin mit Spinnrocken“ von 1846. Einem Münchener Saalbieter war die Schöne letztlich 33.000 Euro wert.

Von 8.000 Euro auf 25.000 Euro kletterte der Preis für Eduard Schleichs d. Ä. spätromantische „Isartallandschaft“. Carl Schuchs von der Pariser Moderne beeinflusstes „Stillleben mit Gemüsekorb, Bierseidel und Äpfeln“ von 1885 trieben viele Telefon- und Saalbieter von 15.000 Euro auf 45.000 Euro hoch. Der Qualität des Angebots entsprechend wurde der Frühklassizismus zurückhaltend beboten. In diesem Bereich führen Jakob P. Hackerts „Badende Nymphen“ von 1767 mit 38.000 Euro das Feld an.

Dass Ölskizzen und Vorstudien bei Sammlern hoch im Kurs stehen, bestätigte einmal mehr Christian Morgensterns atmosphärische „Wolkenlandschaft“. Aufgrund zahlreicher Vorgebote startete die Papierarbeit gleich bei 2.000 Euro, wurde aber dem deutschen Handel erst bei 16.000 Euro zugeschlagen. Ebenso lief es bei Friedrich Wasmanns Ölstudie „Südliche Landschaft“. Sie ging für 15.000 Euro an einen Berliner Sammler. Im Rheinland erfreut jetzt die „Bucht von Palermo“ von Franz Ludwig Catel einen Liebhaber. Die kleine Papierarbeit brachte 30.000 Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×