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02.05.2011

11:44 Uhr

Sammlung Schiefler

Postkarten der Brücke-Künstler

VonAnnegret Erhard

Aus der Sammlung Schiefler werden Künstlerpostkarten der Brücke-Künstler versteigert. Das teuerste Exemplar wird auf 25.000 Euro geschätzt.

Aus der berühmten Sammlung Schiefler: eine Postkarte von Karl Schmidt-Rottluff "Bäume am Weg" von 1910. Quelle: Ketterer

Aus der berühmten Sammlung Schiefler: eine Postkarte von Karl Schmidt-Rottluff "Bäume am Weg" von 1910.

München Der kunstsinnige Hamburger Landgerichtsdirektor Gustav Schiefler war ein wissenschaftlicher Sammler - eine in der Sparte Gegenwartskunst heute eher selten gewordene Spezies. Seinen Möglichkeiten entsprechend, beschränkte er sich in den späten 1880er-Jahren auf ein einigermaßen erschwingliches Medium, die Graphik, und wandte sich dann der zeitgenössischen Kunst, den Brücke-Künstlern, zu.

Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff hatten sich der radikalen Erneuerung der künstlerischen Druckgraphik verschrieben. Sie machten cleveres Marketing mit Jahresmappen aus Originalgraphik. Diese erhielten ihre passiven Mitglieder für ihre finanzielle Unterstützung.
Das Ehepaar Schiefler blieb jahrzehntelang vor allem mit Kirchner freundschaftlich verbunden, interessierte sich für Nolde, auch für Munch. Es erwarb Arbeiten aus den Ateliers, unterstützte durch mäzenatischen Kauf und durch die Vermittlung persönlicher Kontakte zu Sammlern und Museen. Bei aller Liebe zur Kunst, bei aller wohlwollenden Akzeptanz der rigorosen Attitüde einer alles riskierenden Boheme: Gustav Schiefler blieb systematisch, forschte und kategorisierte.

Schieflers Werkverzeichnisse zum graphischen Œuvre von Nolde, Kirchner, Munch und Liebermann sind bis heute in Teilen maßgeblich, auf jeden Fall vorbildlich.

Ketterer versteigert Brücke-Kunst der Sammlung Schiefler

Ketterer versteigert am 14. Mai in München 28 Blätter, die ehemals zur Sammlung Schiefler gehörten. Darunter sind einige Künstlerpostkarten, etwa Kirchners 1910 verfasste und auch von Heckel unterschriebene Zeilen an Schieflers Frau Luisa, dekoriert mit einer farbig gezeichneten Dresdner Straßenszene (Taxe 3.000 Euro).

Teuerstes Blatt ist ein koloristisch akzentuierter Kopf von dynamischer Präsenz, ein Aquarell, das wohl um 1917 entstand (25.000 Euro). Eine Rarität ist Schmidt-Rottluffs für die Zeit um 1911 exemplarischer Holzschnitt "Akte vor dem Vorhang" (12.000 Euro), einer von höchstens zehn Handabzügen des Künstlers. Mit Kirchners Kaltnadelradierung "Blonde Pippa in weißem Tanzkostüm mit Schirm" von 1911 kommt erstmals ein Abzug des ersten Druckzustands zur Auktion. Die Taxe von 6.000 Euro ist moderat bemessen.

Die Provenienz wird sich hier wie auch bei den weniger bedeutenden Blättern der Offerte sehr belebend auswirken. Am selben Tag versteigert Ketterer, neben moderner Kunst im niedrigeren Preissegment, Arbeiten Alter und Neuerer Meister, angeführt von dem aus vier Radierungen bestehenden Zyklus "Zeiten" von Phillip Otto Runge. Dieses Meisterwerk der deutschen Romantik und des Künstlers graphisches Opus magnum kommt in der ersten Auflage von 1805 bei 40.000 Euro zum Aufruf.

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