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02.01.2016

08:00 Uhr

Sarah Moon

Mit träumenden Augen

VonJohannes Wendland

Die amerikanische Fotografin Sarah Moon hat für Dior, Chanel und das Magazin Vogue gearbeitet. Ihre ohne Auftrag geschaffenen Filme und Fotografien erscheinen dagegen nicht von dieser Welt. Einen Überblick über ihr Lebenswerk breitet das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen aus.

Sarah Moon: "o.T." (2008). Das Foto zelebriert die Anmutung von Mode. Quelle: Sarah Moon / Haus der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg

Konventionen über den Haufen geworfen

Sarah Moon: "o.T." (2008). Das Foto zelebriert die Anmutung von Mode. Quelle: Sarah Moon / Haus der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg

HamburgDie Geschichte vom kleinen Zinnsoldaten, der sich in das Bild einer Tänzerin verliebt, zählt zu den ergreifendsten Märchen des dänischen Erzählers Hans Christian Andersen. Darin findet das treue Paar seine Vereinigung erst nach vielen Turbulenzen – in einem Ofen, in dem die beiden, endlich vereint, verbrennen. Das Zinn der kleinen Soldatenfigur verschmilzt zu einem Herz.

Die französische Fotografin und Filmemacherin Sarah Moon hat dieses traurige Märchen unter dem Titel „Schleiereule“ („L’effraie“) in melancholischen Schwarzweiß-Bildern verfilmt. Man sieht die beiden Figuren in einem abbruchreifen Haus, man sieht die Tänzerin auf dem Bild lebendig werden und wieder erstarren. Durch einen Windstoß werden die beiden Figuren aus dem Fenster auf die nasse, verdreckte Straße geweht, wo sie von Kindern gefunden und schließlich achtlos weggeworfen werden. Auf der Tonspur hört man die Künstlerin selbst, wie sie die Geschichte mit einem spröden Ausdruck in der Stimme erzählt.

Überfällige Retrospektive

Fünf Filme aus den vergangenen 15 Jahren, die sich alle an märchenhaften Geschichten orientieren, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Now and Then“ im Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen . Es ist die bislang größte Überblicksausstellung der 1941 geborenen Künstlerin. Daneben sind rund 350 Fotografien zu sehen – eine längst überfällige Retrospektive auf das Werk einer Künstlerin, die in Frankreich, England, USA und Japan zu den wichtigsten Fotografinnen der Gegenwart gezählt wird. In Deutschland blieb sie bislang weitgehend unbekannt.

Die Hamburger Ausstellung wurde gemeinsam mit Sarah Moon selbst eingerichtet. Sie selbst hat bestimmt, dass der Schwerpunkt auf den Filmen und den mit ihnen in Zusammenhang stehenden Fotoserien liegen soll. So ist in der Ausstellung überraschenderweise eher wenig von dem zu finden, was man eigentlich erwarten würde – Modefotografie.

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