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18.06.2015

15:30 Uhr

Satellitenmessen Basel

Spielraum für Weiterentwicklung

VonStefan Kobel

Entdeckungen lassen sich auf der „Liste“ nicht mehr machen. Der vor 20 Jahren gegründeten Satellitenmesse fehlen die Konzepte. Die „Volta“ dagegen arbeitet an der Qualität ihres Teilnehmerfeldes. Möglich macht es der Mutterkonzern. Er hält sich mit Renditeerwartungen zurück.

Pius Fox: Das Leinwandgemälde „PF-15-029 Dschungel“ von 2015 kostet 1.570 Euro inkl. MwSt. Quelle: Pius Fox und Galerie Conrads

Auf der Volta in Basel

Pius Fox: Das Leinwandgemälde „PF-15-029 Dschungel“ von 2015 kostet 1.570 Euro inkl. MwSt. Quelle: Pius Fox und Galerie Conrads

BaselDie Liste in Basel feiert sich selbst. Zum 20. Mal findet der prominenteste Satellit zur Art Basel in diesem Jahr statt. Schon im letzten Jahr hatten die Macher um Peter Bläuer sich den Realitäten gestellt und den Untertitel „The Young Art Fair“ gestrichen. Viele der 79 Aussteller gehören fast schon zum Inventar gehören. Das lässt die Liste mittlerweile eher als Warteliste erscheinen. Auf die Art Basel wollen schließlich alle. Und viele waren auch schon einmal da.

KOW aus Berlin zum Beispiel, hat seit ihrer Gründung 2009 jedes Jahr an der Liste teilgenommen. Nur im letzten Jahr hat die Galerie ausgesetzt. Da hatte sie nämlich einen "Feature"-Stand auf der Art Basel mit Santiago Sierra. Jetzt ist sie zurück auf der Liste, mit dem halben Galerieprogramm, darunter Hito Steyerl und Tobias Zielony. Beide vertreten Deutschland auf der Biennale in Venedig. Und auf der Art Unlimited ist KOW an der Präsentation von Franz Erhard Walter beteiligt. Mit so einem Programm bespielt man keine Nachwuchsmesse.

Verdrängungswettbewerb unter deutschen Galerien

Nicht anders verhält es sich bei vielen Teilnehmern: Bolte Lang aus Zürich, Office Baroque aus Brüssel, Plan B aus Cluj/Berlin. Die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Alle sind sie schon mindestens zum fünften Mal dabei. Monitor aus Rom hatte ihr Debüt 2006. Freilich fällt unter anderem bei den deutschen Galerien auf, dass dann doch ein Verdrängungswettbewerb herrscht.

Das Rheinland ist nach und nach durch Berlin ersetzt worden, von wo jetzt eine jüngere Galeristengeneration aus der Hauptstadt nachdrängt, zum Beispiel Silberkuppe, Mathew oder Dan Gunn. Ansonsten kommt der Nachwuchs vor allem aus Südosteuropa, Lateinamerika oder der arabischen Welt.

Das einzige und relative stumpfe Instrument der Veranstalter gegen die Verflachung und Verknöcherung scheint über das Geld zu laufen: Solopräsentationen sind für die Aussteller preiswerter als Gemischtwarenläden. Künstler über 40 auszustellen kostet einen Zuschlag. Steuern lässt sich damit aber wohl kaum etwas. Es steigert nur die Einnahmen der Messe. Entdeckungen lassen sich hier kaum noch machen. Vielleicht sollte sich die Messe umbenennen in Art Basel Extended.

Pius Fox: „PF-15-097 Felder“ 2015,  1.428 Euro inkl. MwSt., Quelle: Pius Fox und Galerie Conrads

Feine Malerei auf Papier

Pius Fox: „PF-15-097 Felder“ 2015,  1.428 Euro inkl. MwSt., Quelle: Pius Fox und Galerie Conrads

Volta auf Kurs

Einen frischeren Eindruck macht die Volta, der letzte verbliebene satisfaktionsfähige Konkurrenz-Satellit. Bei ihm stehen Größe und Qualität in ausgewogenem Verhältnis. In ihrer zweiten Ausgabe nach dem Umzug an den alten (renovierten) Standort in die Markthalle am Baseler Hauptbahnhof scheint die Messe wieder auf einem guten Weg zu sein.

Die Tochter eines US-amerikanischen Mischkonzerns, zu dem auch die Armory Show in New York gehört, hatte in der Vergangenheit unter den Renditeerwartungen der Mutter gelitten. Waren zu vorigen Ausgaben auch schon mal über 100 Aussteller zugelassen, liegt die Zahl jetzt stabil bei knapp 70 (aktuell 69). „Mittlerweile lässt uns der Mutterkonzern weitgehend gewähren“, erklärt Mitgründerin und künstlerische Direktorin Amanda Coulsen. „Solange wir kein Geld verlieren, ist er zufrieden.“

Jetzt wird weiter an der Qualität gearbeitet. Über ein Dutzend Galerien aus dem letzten Jahr wurden nicht mehr zugelassen, weil renommiertere Kollegen den Neustart abgewartet hatten und jetzt deren Plätze einnehmen. Wenn die Volta diesen Kurs beibehält, werden die letzten Schmuddelecken bald verschwunden sein.

"Liste, The Fair", Burgweg 15, CH- 4058 Basel, bis 21. Juni 2015, 13 bis 21 Uhr, So. bis 18 Uhr
"Volta", Markthalle, Viaduktstrasse 10, CH-4051 Basel, bis 20. Juni, tägl. 10 bis 19 Uhr

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