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30.01.2005

11:10 Uhr

Schriftsteller erlag einem Herzanfall

Ephraim Kishon tot

Der erfolgreichste Satiriker, der israelische Schriftsteller Ephraim Kishon, ist in der Schweiz gestorben.

HB BERLIN: Der israelische Schriftsteller Ephraim Kishon ist im Alter von 80 Jahren am Samstag in der Schweiz gestorben. Die Polizei im schweizerischen Appenzell Innerrhoden bestätigte am Sonntagmorgen israelische Presseberichte, wonach der Autor in seiner Schweizer Wahlheimat Appenzell einem Herzanfall erlag.

Kishon soll am Dienstag in Tel Aviv beigesetzt werden. Die Appenzeller Polizei geht den Angaben zufolge davon aus, dass er noch am Sonntag nach Israel überführt wird. Wie Medien in Israel melden, soll der Leichnam Kishons noch am Wochenende nach Israel geflogen und anschließend in Tel Aviv beerdigt werden.

Kishon, als Ferenc Hoffmann am 24. August 1924 in Budapest geboren, hatte seine größten Erfolge in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit Komödien, satirischen Kurzgeschichten und Romanen aus dem israelischen Alltag und seinem Familienleben mit der «besten Ehefrau von allen».

Kishon konnte nach seinem 1941 mit Bestnote bestandenen Abitur wegen antisemitischer Gesetze nicht studieren, sondern musste eine Goldschmiedlehre beginnen. Er verbrachte seine Jugend überwiegend in Arbeitslagern und in Verstecken auf der Flucht vor den Nazis. Er gab sich als Christ aus, nachdem er an der polnischen Grenze von einem Gefangenentransport fliehen konnte. So überlebte er.

Kishon studierte nach Kriegsende in Ungarn Metallbildhauerei und Kunstgeschichte. Nachdem er mit seiner ersten großen Satire, dem Roman «Mein Kamm» (über Glatzöpfe) gleich einen Literaturwettbewerb gewonnen hatte, wurde er Schriftsteller und Journalist.

1949 wanderte Kishon nach seiner Flucht aus Ungarn - er mochte eine sozialistische Auftragsarbeit nicht schreiben - nach Israel aus, wo er seinen deutsch-ungarischen Geburtsnamen ablegte. Er schrieb zunächst für ein ungarisches Blatt, während er sich mit Hilfsjobs durchschlug und Hebräisch lernte. Er wurde Kolumnist bei der Zeitung «Maariv», wo er dreißig Jahre lang täglich eine satirische Glosse schrieb. Die Pianistin Sara, geborene Lipowitz, die er 1959 heiratete, ist seine zweite Frau, die er als «beste von allen» in seinen Satiren beschrieb, wie auch seine Kinder. Ebenfalls 1959 wurde die englische Übersetzung seiner Geschichtensammlung «Drehn Sie sich um, Frau Lot» von der «New York Times» zum Buch des Monats gewählt. Sein internationaler Erfolg begann.

Seither sind weltweit rund 700 Titel in 37 Sprachen von Kishon erschienen, darunter etwa 50 hebräische Originaltitel und rund 70 deutsche Bücher, überwiegend Übersetzungen der Originalausgaben, dazu Neuerscheinungen älterer Texte in verschiedenen Zusammenstellungen. Kishon hat weltweit mehr als 43 Millionen Bücher verkauft, die meisten auf Deutsch. Einer seiner Titel, «Familiengeschichten», gilt als das meistverkaufte hebräische Buch nach der Bibel.

Kishon kokettierte mit seinem Erfolg, den er vorgab, selbst nicht zu verstehen. «Ich bin kein Schriftsteller, ich bin ein Humorist», schrieb er einmal: «Erst wenn man stirbt, wird man Schriftsteller.»

Weniger bekannt ist Kishons ernste Seite. Eines seiner letzten Bücher war eine konservativ gefärbte Polemik über den Kunstmarkt und die Manierismen der zeitgenössischen Kunst. Er war ein starker Anwalt Israels, das er gegen jede Kritik zu verteidigen pflegte. Nach dem 11. September 2001 trat er entschieden für den amerikanischen Krieg gegen den Terror ein.

Sein Haus in Appenzell in der Schweiz hatte Kishon 1981 gekauft. Er erlag dort am Samstag einem Herzanfall.

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