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09.05.2014

08:45 Uhr

Schwabinger Kunstfund

Gurlitts Vermächtnis

VonLucas Elmenhorst

Das Kunstmuseum Bern soll zu seiner eigenen Überraschung Alleinerbe der Sammlung Gurlitt werden. Damit sorgt der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt auch nach seinem Tod noch für eine Überraschung.

Eine testamentarische Verfügung macht das Kunstmuseum Bern zum möglichen Erben der Kunstsammlung Gurlitt. Foto: Gian Ehrenzeller dpa

Eine testamentarische Verfügung macht das Kunstmuseum Bern zum möglichen Erben der Kunstsammlung Gurlitt. Foto: Gian Ehrenzeller

BerlinAuch nach seinem Tod wird Cornelius Gurlitt die Kunstwelt weiter beschäftigen. Mit seiner testamentarischen Verfügung, dass das Kunstmuseum Bern Alleinerbe seiner Sammlung werden soll, hat er auf jeden Fall einen Überraschungscoup gelandet.

Darüber, wieso Cornelius Gurlitt die Stiftung Kunstmuseum Bern als „unbeschränkte und unbeschwerte Alleinerbin“ für seine Sammlung eingesetzt hat, kann Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums, nur spekulieren: „Ich habe Herrn Gurlitt persönlich nicht gekannt. Niemand von unserem Haus hatte Kontakte mit ihm gepflegt.“ Wahrscheinlich brachten Gurlitt seine Verbindungen mit dem renommierten Berner Auktionshaus Kornfeld, wo er bis 1990 diverse Arbeiten aus der von seinem Vater Hildebrand Gurlitt ererbten Sammlung versteigern ließ, auf diese Idee. Gut vorstellbar ist, dass der im Verborgenen lebende Kunstsammler bei seinen regelmäßigen Aufenthalten in Bern auch das Kunstmuseum mit seinen berühmten Werken der Klassischen Moderne besuchte.

Verwandte nicht pflichtteilsberechtigt

Da Gurlitt das Kunstmuseum Bern als seinen Alleinerben bestimmt hat, wird es sein gesamtes Vermögen und damit auch die – vermutlich deutlich wertvolleren – Kunstwerke aus dem Salzburger Bilderbestand erhalten, die bislang noch nicht von der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ untersucht werden. Gesetzliche Erben, die ihre Pflichtteilsansprüche an dem Nachlass von Cornelius Gurlitt geltend machen könnten, gibt es nicht. Sowohl Gurlitt als auch seine einzige Schwester Benita verstarben ohne Nachkommen. Alle anderen noch lebenden Verwandten sind nicht pflichtteilsberechtigt.

Die Schätzungen, bei wie vielen der rund 1.200 Werken aus der Sammlung Gurlitt ein Raubkunstverdacht besteht, gehen auseinander. Während Gurlitts Anwälte dies bislang nur bei allenfalls rund 40 Kunstwerken, mithin bei 3 Prozent der Sammlung, annahmen, geht die zur Provenienzrecherche gegründete Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ mittlerweile von 458 Werken mit NS-Raubkunstverdacht aus. Die Herkunft aller Werke möchte Matthias Frehner präzise abklären. „Was mich beruhigt, ist dass Herr Gurlitt selbst Provenienzrecherchen in Auftrag gegeben hat, dass jetzt schnell und speditiv mit diesen Fragen umgegangen wird“, bestätigt Frehner. „Gurlitt wollte offenbar selbst, dass Bilder zurückgegeben werden, wo entsprechende Ansprüche vorhanden sind.“

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