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15.01.2010

13:31 Uhr

Schweiz

Uhren und Juwelen sichern noch den Auktionsumsatz

VonChristian von Faber-Castell

Der Schweizer Auktionsmarkt teilt sich in den internationalen Bereich mit Uhren und Juwelen und einen national ausgerichteten mit bildender Kunst. Den höchsten Uhrenpreis der Genfer Herbstauktionen erzielte Antiquorum mit umgerechnet 3,4 Mio. Euro für das gelbgoldene Exemplar von Patek Philippes "Calibre 89". Teuerstes Gemälde wurde ein Bergbild von Ferdinand Hodler mit 2,8 Mio. Euro.

Die schönsten Seiten der kompliziertesten Taschenuhr der Welt: Patek Philippes "Calibre 89" kostete bei Antiquorum 5,1 Mio. sfr oder 3,4 Mio. Euro. Antiquorum

Die schönsten Seiten der kompliziertesten Taschenuhr der Welt: Patek Philippes "Calibre 89" kostete bei Antiquorum 5,1 Mio. sfr oder 3,4 Mio. Euro.

ZÜRICH/GENF. Der Schweizer Auktionsmarkt teilt sich traditionell in den internationalen Bereich mit Uhren und Juwelen und einen national ausgerichteten mit bildender Kunst. 832 versteigerte alte und neue Sammleruhren erlösten vom 14. bis 16. November in Genf bei Christie's umgerechnet 12,7 Mio. Euro, bei Sotheby's 3,4 Mio. Euro und bei Antiquorum 8,1 Mio. Euro, kurz ein Total von 24,6 Mio. Euro. An den beiden Folgetagen kamen nochmals 46,2 Mio. Euro Umsatz dazu, die Christie's (21,5 Mio. Euro) und Sotheby's (24,7 Mio. Euro) mit Juwelen erzielten. Mit insgesamt 70,8 Mio. Euro stellten die halbjährlichen Genfer Uhren- und Juwelenauktionen einmal mehr die Gesamtheit der übrigen Schweizer Herbstauktionen finanziell tief in den Schatten.

Allerdings werden diese Spezialauktionen weder hierzulande noch von den ausführenden Auktionshäusern als Schweizer Auktionsanlässe wahrgenommen, sondern als internationale Anlässe, die zufälligerweise in der Schweizer Grenzstadt Genf stattfinden. Und tatsächlich dürften diese Spezialversteigerungen die Schweiz auch ebenso schnell in Richtung New York, Hongkong, Singapur oder Dubai verlassen, wie sie vor rund 40 Jahren hierher gezogen waren. Vor allem dann, wenn der Hunger auf Auktionsmaterial der neuen orientalischen Juwelenzentren weiter wächst und zugleich die Schweiz an mehrwertsteuerlicher Attraktivität verlieren sollte. Ein wichtiges früheres Argument für den Auktionsplatz Schweiz, nämlich seine sprachliche Nähe zu den Kunden aus den damals noch frankophonen Teilen Nordafrikas, hat sich mit der weitgehenden Anglisierung der internationalen Geschäftswelt erledigt.

Patek Philippe wieder in Führung


Den höchsten Uhrenpreis dieser Genfer Herbstauktionen erzielte Antiquorum mit 3,4 Mio. Euro für das gelbgoldene Exemplar von Patek Philippes "Calibre 89". Das ist jene komplizierteste Taschenuhr der Welt, die Patek Philippe im Jahre 1989 zur Feier seines 150-jährigen Jubiläums in je einem Exemplar in Gelb-, Rosé- und Weißgold sowie in Platin gebaut hatte. Teuerste Armbanduhr dieses Auktionsherbstes wurde dagegen eine Patek-Philippe-Armbanduhr der Ref. 1526 von 1942, mit Mondphasen, ewigem Kalender und Zentralsekunde – letztere macht dieses Uhr wohl zu einem Unikat – die Christie's für 1,6 Mio. Euro an ein Schweizer Privatmuseum, vermutlich das Genfer Patek-Philippe-Uhrenmuseum, versteigerte.

Deutlich über den üblichen Schweizer Auktionspreisen liegen auch die erzielten Spitzenpreise für Juwelen: So führte Christie’s das Feld der klassischen weißen Diamanten mit einem birnenförmigen lupenreinen D-farbenen Typ 2A-Diamant von 62,30 Karat an, der für 5,4 Mio. Euro – entsprechend einem Karatpreis von 130 000 $/ct – in den New Yorker Handel ging. Zum teuersten fancyfarbenen Diamanten avancierte dagegen ein fancy lebhaft grüner kissenförmiger VS1-reiner Diamant von 2,52 Karat im modifizierten Brillantschliff, den Sotheby's für 2,1 Mio. Euro – entsprechend einem Karatpreis von 1,22 Mio. $/ct – an einen Privatkäufer in Asien verkaufte.

Teuer wurden Geschmeide aus Burmarubin und Diamanten


Als eigentlicher Höhepunkt dieser Juwelenauktionen erwies sich indes Sotheby's Versteigerung der historischen Burmarubin- und Diamantjuwelen aus dem Besitz der Herzogin Mary von Roxburghe, die schließlich unter Verfünffachung ihrer oberen Taxe für 3,8 Mio. Euro wiederum an einen Privatkäufer in Asien gingen. In diesen Preziosen verbinden sich eine geschichtsträchtige, teilweise Rothschild'sche Provenienz mit kunsthandwerklicher Meisterschaft und überragender Edelsteinqualität zu einem Juwelengesamtkunstwerk.

Am teuersten sind die Nationalkünstler Hodler und Anker


Als tragende Säule der allgemeinen gemischten Schweizer Kunst- und Antiquitätenauktionen hat sich dieses Jahr deutlicher noch als in früheren Jahren die einheimische Schweizer Kunst des 18. bis 20. Jahrhunderts erwiesen, umso mehr als sowohl die einst hochfliegende russische Malerei als auch die Möbel und Antiquitäten etwas langsamer abgesetzt wurden. Christie's konnte am 21. September seine zwei marktfrischen Toplose von Ferdinand Hodler, das 1910 gemalte Bergportrait "Eiger, Mönch und Jungfrau" und seine ein Jahr zuvor gemalte tanzende blau gewandete "Femme joyeuse" für knapp schätzungsgemäße 2,8 Mio. Euro und 2 Mio. Euro verkauften. In einer viel niedrigeren Preisklasse folgte am 7. Dezember Sotheby's in Zürich mit dem Verkauf einer ungewohnt kleinformatigen Hodler-Landschaft nach. "Die Stockhornkette mit Thunersee" aus der Zeit um 1913 übertraf mit 391.000 Euro ihre obere Schätzung deutlich.

Einen Rekordpreis fuhr Koller Auktionen am 4. Dezember ein. Albert Ankers museales Kinderbild "Strickendes Mädchen" aus dem Jahre 1888 bestätigte mit 2 Mio. Euro Kollers Führungsrolle im einheimischen Auktionswesen. Aber auch die Luzerner Galerie Fischer konnte sich auf ihre Traditionskundschaft für Schweizer Malerei verlassen und am 11. November u. a. Robert Zünds altmeisterliche "Sommerlandschaft – Eichwaldlichtung" von 1858 für 103.000 Euro verkaufen.

Daneben gab es natürlich auch außerhalb der Schweizer Kunst die eine oder andere Überraschung. So kletterte etwa bei Dobiaschofsky in Bern am 13. November eine rückseitig als "Müde" bezeichnete und auf 30.000 Euro taxierte "Schlafende Dame auf grünem Sofa" des Amerikaners Edward Cucuel auf 124.000 Euro. Auf erstaunliche 34.000 Euro kam eine monumentale, fast vier Meter breite Turmac-Zigarettenwerbung aus dem Jahre 1927 von A. Galkib mit dem Hafen von Konstantinopel im Hintergrund. Ein anonymer Sammler war am 19. November in der Berner Galerie Stuker bereit deren untere Schätzung zu verzehnfachen.

www.christies.com


www.sothebys.com


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www.dobiaschofsky.com


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