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24.02.2017

12:14 Uhr

Scorsese & Spielberg out

Junge Regisseure machen Oscar-Geschichte

Oscar-Veteranen wie Martin Scorsese und Steven Spielberg stehen diesmal am Rand. Junge Regisseure geben den Ton an. „La La Land“-Macher Damien Chazelle könnte als jüngster Gewinner in die Oscar-Geschichte eingehen.

Ihre Filme „La La Land“ (Damien Chazelle) und „Moonlight“ (Barry Jenkins) sind für den Oscar in der Kategorie Beste Regie nominiert. dpa

Damien Chazelle und Barry Jenkins

Ihre Filme „La La Land“ (Damien Chazelle) und „Moonlight“ (Barry Jenkins) sind für den Oscar in der Kategorie Beste Regie nominiert.

Los AngelesRichtig wohl fühlt er sich im Rampenlicht wohl nicht. „La La Land“-Regisseur Damien Chazelle wirkt eher schüchtern und ein bisschen verlegen, wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind. Für die Oscar-Nacht sollte sich der 32-jährige Filmemacher wappnen - dort könnte er Geschichte schreiben und als jüngster Regisseur aller Zeiten mit einem Oscar gefeiert werden.

Sein Mitstreiter Barry Jenkins ist nur fünf Jahre älter. Mit dem Drama „Moonlight“ inszenierte er ein bewegendes Porträt über die harte Kindheit und das Erwachsenwerden eines schwulen Jungen im Drogenmilieu von Florida. Auch der 37-jährige Afroamerikaner könnte einen historischen Oscar-Sieg erringen und als erster schwarzer Regisseur Gold gewinnen.

Jenkins und Chazelle zählen zu der neuen, jungen Hollywoodgarde, die Veteranen wie Martin Scorsese (74, „Silence“), Clint Eastwood (86, „Sully“), Oliver Stone (70, „Snowden“) und Steven Spielberg (70, „BFG - Big Friendly Giant“) aus dem Rennen geworfen hat.

Von den fünf Kandidaten in der Sparte „Beste Regie“ sind in diesem Jahr vier zum allerersten Mal für den höchsten Regiepreis nominiert. Neben Jenkins und Chazelle sind das die - etwas älteren - Kenneth Lonergan (54) für das Drama „Manchester by the Sea“ und der Kanadier Denis Villeneuve (49, „Arrival“). Mit Mel Gibson (61, „Hacksaw Ridge“) ist nur ein Hollywood-Oldtimer dabei, der 1996 für „Braveheart“ zum besten Regisseur gekürt wurde. Insider räumen Gibson in diesem Jahr aber kaum eine Chance ein.

Der Oscar und die Politik: Starke Worte in 45 Sekunden

Legendäre Dankesreden

Wie viel Politik passt in 45 Sekunden? Sehr viel, wenn man Hollywood-Star ist und bei der Oscar-Verleihung die halbe Welt zuschaut. Die kurze Zeit für ihre Dankesrede nutzte so mancher Schauspieler für ein politisches Statement. Fünf legendäre Beispiele.
Quelle: dpa

Am Katzentisch (1)

Hattie McDaniel spielte in „Von Winde verweht“ eine Haushälterin so gut, dass sie 1940 mit dem Oscar für die beste Nebenrolle ausgezeichnet wurde. Das wäre nicht weiter erwähnenswert - wäre McDaniel nicht die erste dunkelhäutige Schauspielerin gewesen, die einen Oscar erhielt. Selbst die Weltpremiere des Films in Atlanta hatte sie ihrer Hautfarbe wegen nicht besuchen dürfen.

Am Katzentisch (2)

Im Hotel der Preisverleihung wurde ihr ein Tisch am anderen Ende des Raumes zugewiesen. Mit Tränen in den Augen trat McDaniel ans Mikro und sagte: „Ich hoffe zutiefst, dass ich immer eine Quelle der Ehre für meine Rasse und die Filmindustrie sein werde.“

Patenschaft für Indianer (1)

Für seine Darstellung des „Paten“ sollte Marlon Brando 1973 einen Oscar bekommen. Doch war er nirgends im Saal zu sehen. Stattdessen schickte er die indianische Aktivistin Sacheen Littlefeather mit seiner Botschaft auf die Bühne.

Patenschaft für Indianer (2)

„Preise sollten in diesem Land nicht entgegengenommen werden, bis sich die Lebensbedingungen der amerikanischen Indianer drastisch verbessert haben“, hieß es in der Botschaft von Marlon Brando.

Des einen Freiheitskämpfer...

Vanessa Redgraves Darstellung einer jüdischen Widerstandskämpferin war der Akademie 1978 den Preis für die beste Nebenrolle wert. Auf der politischen Bühne engagierte sich die Schauspielerin allerdings für die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO.

...des anderen Oscar-Preisträgerin

Vor der Preisverleihung wurden sie und die Akademie deshalb von jüdischen Extremisten bedroht. In ihrer Rede dankte Redgrave der Oscar-Jury dafür, dass sie sich „von den Drohungen eines kleinen Haufens zionistischer Strolche nicht hat einschüchtern lassen“. Im Publikum wurde sowohl gebuht als auch applaudiert.

China, beweg dich (1)

Bei der Oscar-Verleihung 1993 versuchte sich Richard Gere in Konfliktlösung. Nicht als Preisträger, sondern als Preisverleiher war er auf die Bühne gekommen.

China, beweg dich (2)

Noch bevor er die Nominierten verkündete, richtete er sich an die chinesische Staatsführung: „Ich frage mich, ob hier nicht etwas Wundersames, wirklich Filmreifes passieren könnte“ - dass nämlich China seine Truppen aus Tibet abzieht. Gere konnte zwar Herzen bewegen, aber offenbar keine Soldaten.

Dear Mr. President

Als der Dokumentarfilmer Michael Moore im März 2003 die Trophäe für „Bowling for Columbine“ gewann, führte die USA seit drei Tagen Krieg gegen den Irak. Auf der Bühne angekommen, dankte Moore kurz seiner Film-Crew - und ging dann zum Angriff auf den damaligen US-Präsidenten über. „Wir sind gegen diesen Krieg, Mister Bush!“, rief er unter Applaus und Buhs ins Mikro. „Schande über Sie, Mister. Bush! Ihre Zeit ist abgelaufen!“

Chazelle dagegen sollte eine Dankesrede für die Oscar-Bühne parat haben. Schließlich räumt er seit Monaten Preise ab: die begehrte Trophäe der US-Regisseursvereinigung DGA, den Regie-Preis bei den Baftas in London, den Golden Globe in Hollywood. „Das ist alles so surreal“, stammelte er Backstage bei der Globe-Verleihung Anfang Januar. Doch er habe hart daran gearbeitet, die beschwingte Liebesromanze zwischen einem Jazz-Pianisten (Ryan Gosling) und einer angehenden Schauspielerin (Emma Stone) auf die Leinwand zu zaubern, versicherte der Harvard-Absolvent.

Oscar-Hoffnung Maren Ade: Perfektionistin und Expertin für Skurriles

Oscar-Hoffnung Maren Ade

Perfektionistin und Expertin für Skurriles

Die Regisseurin und Produzentin ist Deutschlands große Hoffnung auf der diesjährigen Oscar-Verleihung. Ins Rennen geht sie mit dem Film „Toni Erdmann, eine Tragikomödie, die bereits vielfach ausgezeichnet worden ist.

Chazelle, der auch ein passionierter Musiker ist, aber nach eigenen Angaben unter starkem Lampenfieber litt, gab erst vor zwei Jahren mit dem Musik-Drama „Whiplash“ seinen Hollywood-Einstand. Die nostalgische Musical-Hommage „La La Land“, sein Herzensprojekt (auch das Oscar-nominierte Originaldrehbuch stammt von Chazelle), ist nun ein Volltreffer: Mit 14 Nominierungen der große Oscar-Favorit, mit über 340 Millionen Dollar Kinoeinnahmen weltweit auch der finanziell erfolgreichste Film der neun Anwärter in der Königskategorie „Bester Film“.

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