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04.12.2013

14:08 Uhr

Sibylle Ehringhaus

Kunstexpertin fordert Rückgabe der Gurlitt-Bilder

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat die Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt beschlagnahmt. Die Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus bezeichnet dieses Vorgehen als „äußerst fragwürdig“ und fordert die Rückgabe der Bilder.

Constantin Guys „Die Kutsche“: „Was der Vater Hildebrand Gurlitt getan oder nicht getan hat, ist die eine Sache, aber Sippenhaft ist glücklicherweise abgeschafft“ dpa

Constantin Guys „Die Kutsche“: „Was der Vater Hildebrand Gurlitt getan oder nicht getan hat, ist die eine Sache, aber Sippenhaft ist glücklicherweise abgeschafft“

AugsburgDie Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus hat die vollständige Rückgabe der beschlagnahmten Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt gefordert. Ehringhaus, die nach der Sicherstellung die Werke selbst besichtigt hat, sagte der „Augsburger Allgemeinen“: „Die Bilder gehören Gurlitt, die Sammlung muss so schnell wie möglich an ihn zurückgegeben werden - und zwar komplett.“ Das Vorgehen der Augsburger Staatsanwaltschaft bezeichnete sie als „äußerst fragwürdig“.

Nach ihren Angaben hatten die Ermittler sie vor eineinhalb Jahren um die Begutachtung der Sammlung des Münchners gebeten. „Da ich Spezialistin für das 19. Jahrhundert bin, hat man mich gefragt“, sagte Ehringhaus der Zeitung. „Es musste alles ganz schnell gehen, wir hatten nur zwei Tage Zeit, die Sammlung zu sichten.“ Die Qualität und der Umfang des Konvoluts seien außergewöhnlich, der Zustand der Bilder sei für eine Privatsammlung sehr gut.

Nach Ansicht der Berliner Kunstexpertin gab es keine juristische Grundlage, dem 80 Jahre alten Erben seine rund 1400 Werke umfassende Sammlung aufgrund eines vermuteten Steuerdelikts wegzunehmen. „Was der Vater Hildebrand Gurlitt getan oder nicht getan hat, ist die eine Sache, aber Sippenhaft ist glücklicherweise abgeschafft“, sagte sie zu dem Verdacht, die Bilder könnten teilweise Nazi-Raubkunst sein. Der Staat habe einen Fehler begangen, den er wieder gutmachen sollte, meinte Ehringhaus. „Gleichzeitig muss er für den Schutz des Mannes sorgen, dessen Leben völlig aus den Fugen geraten ist.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Rechner

04.12.2013, 14:54 Uhr

O-Ton Ehringhaus
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Der Staat habe einen Fehler begangen, den er wieder gutmachen sollte, meinte Ehringhaus. „Gleichzeitig muss er für den Schutz des Mannes sorgen, dessen Leben völlig aus den Fugen geraten ist.“
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Was heißt da "Fehler"?

Den karrieregeilen Sadisten in der Staatsanwaltschaft sind die menschlichen Auswirkungen ihres schändlichen Tuns doch vollkommen egal.

Der "Fehler" besteht einfach darin, Justizpersonal vor Einstellung nicht auf IQ und Persönlichkeitsstörungen zu untersuchen.

So landen immer wieder die übelsten Chaktäre in Positionen in denen sie maximalen Schaden anrichten können, und machen Hatz auf Greise.

Nebukadnezar

04.12.2013, 15:02 Uhr

Die Stellungnahme von Frau Ehringhaus mag aus juristischer Sicht vielleicht nicht haltbar sein,im Grunde trifft sie jedoch den Nagel auf den Kopf
Nebukadnezar

efpe

04.12.2013, 15:21 Uhr

Also sorry,
die Kunstexpertin sollte sich über das Treiben der Familie Gurlitt erstmal etwas schlau machen, wenn das geht. Der Sohn hat ja hier auch profitiert und direkt die Aktionen des Vaters und eventuell auch der Verwandschaft, schätze ich, nutzen können. Sippenhaft wäre es, wenn er nichts mit den Sachen des Vaters zu tun gehabt hätte. Deutschland und seine Bürger, zumindest viele davon, haben keine Ahnung vom Ablauf der Arisierungen und den daraus entstehenden Folgen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich Gurlitt wie der arme alte belästigte Mann darstellen kann, der er nicht ist. Dies wird in der Oeffentlichkeit aber gerne aufgenommen, nach dem Motto, naja, der Vater hat ja alles rechtmässig erworben. Rechtmässig war zu der Zeit aber Vieles, was heutzutage mehr im Zeichen von Nötigung , Erpressung und letztlich Raub zu sehen wäre. Mir sind zwei Fälle bekannt aus meiner Heimatstadt, beziehungsweise der daran angrenzenden, wo Gurlitt unmittelbar nach einer Arisierung vom arisierten Unternehmer dessen Kunstsammlung direkt in seinen Besitz gebracht hat, obwohl die Bestände eigentlich nach Berlin zur Versteigerung gehen sollten. Nach dem Krieg haben die Gurlitts dann die Verantwortung jeweils weitergeschoben, nach dem Motto, nee, nicht ich, der andere Gurlitt wars. Der hat den Ball wieder zurückgespielt oder die verbrannt Karte gezogen. Also eines ist Gurlitt jedenfalls nicht, der unbedarfte Sohn seines gewieften Vaters.

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