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25.04.2012

08:40 Uhr

Silber

Glanz des letzten Aufgebots

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte die Sammlung Jourdan-Barry zu den vier besten Silber-Sammlungen. Vor 20 Jahren wurden bereits ihre besten Stücke versteigert. Jetzt kamen noch einmal 182 Teile bei Sotheby’s in Paris unter den Hammer. Einlieferer war der französische Schiffsmakler Pierre Jourdan-Barry.

Deckelterrine und Präsentierschale aus Vermeil (vergoldetes Silber) von Thomas Germain, Paris 1772. Sotheby's Paris

Deckelterrine und Präsentierschale aus Vermeil (vergoldetes Silber) von Thomas Germain, Paris 1772.

Paris„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, lautet das Sprichwort. Luxusobjekte können auch aus vergoldetem Silber, also Vermeil, sein. Es ist auf einschlägigen Auktionen sehr gefragt. Bei der Gold- und Silberauktion von Sotheby’s am 18. April war die Spitzenqualität in diesem Bereich allerdings dünn gesät. Dabei soll die versteigerte Sammlung Raymond und Pierre Jourdan-Barry laut Katalog zu den vier besten Goldschmiede-Kollektionen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen. Das Problem ist jedoch, dass die besten Stücke bereits vor 20 Jahren in Monaco versteigert wurden. Für 66 Lose der von Vater Raymond Jourdan-Barry erworbenen und vom Sohn, dem Schiffsmakler Pierre ergänzten Silber- und Vermeil-Sammlung erzielte Sotheby’s damals umgerechnet 2 Millionen Euro (5. Dezember 1992).

Einige Objekte der Sammlung Jourdan-Barry tauchten ihrerseits in der Sammlung Karl Lagerfeld auf, als diese im April 2000 in Monaco bei Christie’s unter den Hammer kam. Pikanterweise kaufte Pierre Jourdan-Barry und evt. auch sein Lieblingshändler etliche Lose zurück und lieferte sie jetzt wieder bei Sotheby’s ein. Außerdem soll Pierre Jourdan-Barry vor zehn Jahren eine ganze Sammlung französischen Silbers an einen amerikanischen Sammler verkauft haben. Spitze Zungen in Fachkreisen sprechen daher mit Blick auf die Auktion in der letzten Woche von „Restbeständen“. Die 182 angebotenen und 135 verkauften Lose französischer Goldschmiedekunst brachten fast 3 Millionen Euro.

Gute Geschäfte, aber auch Verluste

Eine zweite Auktion mit Silberobjekten aus ganz Europa enthielt weitere 130 Lose. Für die 90 zugeschlagenen Lose spielte Sotheby’s 1,1 Millionen Euro ein. Der Gesamtumsatz ergab also 4,1 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zu den Pariser Silberauktionen der vier letzten Jahre ein gutes Ergebnis.

Vater und Sohn Jourdan-Barry waren treue Kunden der Pariser Spitzenkunsthandlung Kugel. Dort wurden 1964 Stücke aus ihrer Straßburger Goldschmiede-Sammlung ausgestellt und in einem Katalog publiziert. Alexis Kugel katalogisierte die „Französischen Goldschmiede in der Sammlung Jourdan-Barry“ im Jahre 2005.

Trotz der hervorragenden Aufarbeitung musste Pierre Jourdan-Barry einige Verluste in Kauf nehmen. Er ersteigerte am 9. April 2009 im Hôtel Drouot eine Lyoner Tabaksdose mit doppeltem Boden von Gabriel Bouvier von 1767 für 108.300 Euro, die jetzt nur 61.950 Euro einbrachte. Dagegen machte er ein gutes Geschäft mit einer (vermutlich von Karl Lagerfeld) 1992 aus der Sammlung Jourdan-Barry ersteigerten Schenkkanne mit Becken von Jean Delane aus Bayonne. Sie kostete im Jahr 2000 umgerechnet 35.700 Euro und spielte jetzt 186.750 Euro ein. Die Kanne war das zweitteuerste Los des Tages. Zum Spitzenlos wurde eine Deckelterrine aus Vermeil mit Präsentierschale des berühmtesten Pariser Goldschmieds Thomas Germain von 1722 in einer Schatulle. Ein europäischer Sammler ließ sich das Ensemble 540.750 Euro kosten.

Schenkkanne aus Vermeil von Michael Müllner, Nürnberg, um 1618. (Ausschnitt) Sotheby's Paris

Schenkkanne aus Vermeil von Michael Müllner, Nürnberg, um 1618. (Ausschnitt)

Aus deutschen Goldschmieden

Bei der zweiten Sotheby’s-Auktion stammten 28 Lose von deutschen Goldschmieden. Der höchste Zuschlag ging an vier Namensschilder aus Vermeil der Nürnberger Schmiede-Gilde, gefertigt 1656 von Christoph Ritter III. Ein europäischer Händler bewilligte dafür 106.350 Euro. Den zweithöchsten Zuschlag erreichte eine um 1618 in Nürnberg von Michael Müllner geschmiedete Vermeil-Deckelkanne. Der Habsburger Kaiser Matthias, (Bruder Rudolph II.) schenkte sie vermutlich der protestantischen  Enklave Fraustadt. Die Kanne ist umgearbeitet und weist unterschiedliche  Goldtönungen und Ziseliertechniken auf. Dennoch erwarb sie ein europäischer Privatsammler für 84.750 Euro.

Die zwischen November 2011 und Februar 2012 im  Hôtel Drouot in fünf Sitzungen versteigerte Sammlung Edouard Cochet mit erlesenem Silber und Golddosen brachte Zuschläge bis 210.000 Euro, aber ohne ein internationales Marketing.

Von

Olga Grimm-Weissert

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