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15.06.2015

08:04 Uhr

Simon de Pury

Zurück am Auktionspult

VonMatthias Thibaut

Simon de Pury war Phillips Star-Auktionator. Nun kehrt der ambitionierte Kunsthändler mit einem neuen Online-Unternehmen ins Auktionsgeschäft zurück. Die neue Plattform legt den Schwerpunkt auf die Versteigerung prominenter Sammlungen.

Phillips' ehemaliger Starauktionator Simon de Pury will zukünftig vor allem Sammlungen versteigern. Quelle: Scott & Co

Start ins Online-Auktionsgeschäft

Phillips' ehemaliger Starauktionator Simon de Pury will zukünftig vor allem Sammlungen versteigern. Quelle: Scott & Co

LondonSimon de Pury, ehemaliger Chef des Boutique Auktionshauses „Phillips de Pury“ und Versteigerer mit hohem Sozialprofil, startet ein neues Online Auktionsunternehmen. Die Digitale Auktionsplattform mit dem bekannten Namen „de Pury“ will sich auf die Versteigerung prominenter Sammlungen konzentrieren. Das vereinfacht die kostspielige Beschaffung von Auktionsmaterial, zumal de Pury, der auch als „Sammler von Sammlern“ gilt, bestens vernetzt ist.

Mit im Boot sind zwei prominente Finanziers: Der Schweizer Risikokapitalist Klaus Hommels, der sich unter anderem mit Start up-Beteiligungen bei Face Book, Skype und Spotify einen Namen machte, und der Londoner Traditionsdealer Mallett, dessen Hauptquartier Ely House als Standort für das erste Auktionsprojekt dient: Die Versteigerung von 400 Losen der „Lambert Art Collection“.

Erste Auktion im Oktober

Mallet, einer der wenigen börsennotierten Antik-Händler und Besitzer eines 25 Prozent-Anteils an der London Masterpiece-Kunstmesse, wurde 2014 von der Fine Art Auction Group übernommen, zu der auch das Auktionshaus Dreweatts & Bloomsbury gehört. Die FAAG ihrerseits gehört dem rasch expandierenden Londoner Briefmarken Investment Haus Stanley Gibbons plc. Finanzunterstützung hat de Pury also für das Projekt.

De Purys erste Auktion soll am 12 Oktober 2015 mit 400 Objekten aus der Familiensammlung der belgischen Besitzer der Banque Lambert stattfinden. Sie wurde von Purys betagter Freundin, Baroness Marion Lambert erweitert. 2004 versteigerte de Pury schon einmal von ihr gesammelte Kunst von Cindy Sherman, Andreas Gursky, Thomas Schütte und anderen.

Kunstofferte im Stilmix

Der Termin fällt auf den Beginn der Londoner „Frieze“-Messewoche, ein „Must“ Termin im internationalen Kunstkalender, wenn die Szene so oder so in der Stadt ist. Geplant ist eine Live-Versteigerung mit simultanem Onlinebieten per Handy oder Tablet – also ein vorsichtiges Geschäftsmodell. „Das Internet ist im Moment die wichtigste Herausforderung im Kunstmarkt. Digital ist die neue Frontlinie und dieses spannende Projekt wird einen neuen Standard setzen“, kommentierte de Pury das Unternehmen.

Die Ausstellung der Werke unter dem Titel „Eine visuelle Odysee“ in Malletts Ely House wird von dem französischen Designer Jacques Grange gestylt. Man kann eine ambitiöse Mischung von zeitgenössischer Kunst mit dem prunkvollen ehemaligen Stadtpalast des Bischofs von Ely aus dem 18. Jahrhundert erwarten, zumal die verkauften Objekte zeitgenössische Kunst und historische „Period Art“ (Kunst der Völkerwanderungszeit) mischen, auch Chinoiserien und alte Möbel.

15 Prozent Käuferaufgeld

Die eigentliche Attraktion ist ein Käuferaufgeld von nur 15 Prozent im Preisbereich bis 2 Millionen Dollar, wo die Gebühren der Konkurrenz in diesem Bereich bei 20 Prozent liegen. Auf die Produktion eines Katalogs wird verzichtet. Dafür verspricht de Pury, die Präsentation und die Auktion auch Online „visuell verlockend“ zu machen. Geplant sind dann „zwei, drei Sammlungen pro Jahr“.

De Pury, der ungeachtet seines Baron-Titels und seiner Abstammung aus altem Schweizer Adel wegen seines Show-Talents auch als „Mick Jagger des Auktionspults“ bezeichnet wird, ist mit einer Vielzahl von Unternehmen im Kunst- und Auktionsgeschäft verbunden. Viele davon brachten mehr Aufsehen als Geld wie die erste, von de Pury organisierte Sotheby’s Auktion 1988 in Moskau beispielhaft zeigte. De Pury war Sotheby’s Europachef, bis er 1997 zusammen mit der Kunsthändlerin Daniella Luxembourg einen Kunsthandel in Zürich startete.

Riskante Auktionsgarantien

1999 wurde er von Bernard Arnault, dem französischen Milliardär und Kunstsammler ins Boot geholt, der mit seiner Luxusgruppe LVMH gerade das Londoner Auktionshaus Phillips gekauft hatte. Mit einem Minderheitsanteil war de Pury an Arnaults unternehmerischer Kamikaze-Mission beteiligt, Marktanteile durch riskante Auktionsgarantien zu erobern. Das brachte LVMH Verluste von 400 Millionen Dollar ein, unter anderem mit Flops teuer garantierter oder übernommener Kunst der Sammler Heinz Berggruen und Nathan und Marion Smooke. Als Arnault 2002 frustriert ausstieg, übernahm de Pury das Auktionshaus Berichten zufolge für einen Dollar plus Schulden. Als 2008 Phillips wieder – oder immer noch – wackelte, übernahm die russische Luxusgruppe Mercury das Auktionshaus. 2012 gab de Pury seine letzten Anteile ab und verließ das Haus.

In den letzten Jahren organisierten de Pury und seine Frau Michaela Neumeister mehrere Verkaufsausstellungen in London und New York – unter dem Firmennamen „de Pury de Pury“.

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