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03.02.2015

13:41 Uhr

Skandalfilm

„The Interview“ kommt in die deutschen Kinos

Hacker-Angriffe, diplomatische Spannungen und zahlreiche Verschwörungstheorien. Die Satire „The Interview“ hat für Gesprächsstoff gesorgt, noch bevor der Film überhaupt zu sehen war. Nun kommt er in die deutschen Kinos.

Der Polit-Klamauk „The Interview“ kommt pünktlich in die deutschen Kinos. Der Film hat für enorme Spannungen zwischen den USA und Nordkorea gesorgt und Sony mehrere Millionen gekostet. ap

Neuer Film

Der Polit-Klamauk „The Interview“ kommt pünktlich in die deutschen Kinos. Der Film hat für enorme Spannungen zwischen den USA und Nordkorea gesorgt und Sony mehrere Millionen gekostet.

BerlinSo etwas hat es in der Filmgeschichte wohl noch nie gegeben: Eine ziemlich klamaukige Komödie führt zu politischen Spannungen und beherrscht damit tagelang die internationalen Nachrichten. Der Medienkonzern Sony zog schließlich die Reißleine und stoppte im Dezember den geplanten US-Start der Satire „The Interview“, der von einem fiktiven Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un erzählt. Angeblich hatte es Terrordrohungen aus Pjöngjang gegeben.

Doch so schnell, wie der Skandal hochkochte, so schnell schien er auch wieder abzuebben – in den USA war „The Interview“ dann doch noch vor Weihnachten zu sehen und kommt nun auch wie ursprünglich geplant am Donnerstag (5. Februar) in die deutschen Kinos.

Ob sich etwas durch die Ereignisse in Nordamerika bei uns geändert hat? Ob der Film in weniger Kinos starten wird als einst angedacht? Dazu sagt Sony Deutschland auch auf Nachfrage nichts. Von den großen Kinoketten ist ebenfalls kaum mehr zu erfahren. „Natürlich haben wir die Berichterstattung in den USA verfolgt und wie der Film dort zu einem Symbol für Meinungsfreiheit wurde“, erklärt etwa Oliver Fock, Cinestar-Geschäftsführer. Und: Man habe sich dazu entschlossen, „The Interview“ zu zeigen.

Wer nach diesem Wirbel eine hochpolitische Satire erwartet, wird allerdings enttäuscht. Denn das ist „The Interview“ nicht – will es aber auch nicht sein. Stattdessen inszenieren die Regisseure Evan Goldberg und Seth Rogen eine kurzweilige Groteske, die immer wieder ins Klamaukige abgleitet. Kein Wunder: Der 32-jährige Rogen, der noch am Drehbuch mitschrieb und neben Hollywoodstar James Franco eine der Hauptrollen übernahm, ist als Komiker und Schauspieler von Komödien wie „Bad Neighbors“ bekannt.

So ist dann auch die Geschichte von „The Interview“ mit ihren absurden Wendungen durchaus unterhaltsam: Zwei US-Journalisten (Franco und Rogen) erhalten die Chance, Kim in Nordkorea zu interviewen. Der Geheimdienst CIA wittert seine Chance und bittet die beiden, den Diktator bei der Gelegenheit umzubringen – doch das läuft gehörig schief und die beiden Journalisten stolpern durch das Chaos. Dabei freundet sich Dave (Franco) mit dem einsamen Kim an, entdeckt Parallelen wie einen lieblosen Vater und die Vorliebe für Popstar Katy Perry.

Spannend ist dabei allerdings, dass „The Interview“ auch Wahres anspricht. Nicht nur Kim-Darsteller Randall Park sieht dem Machthaber täuschend ähnlich. Es geht auch um Kims Atomwaffentests, die hungernde Bevölkerung und die Entfernung ungeliebter Kritiker. Das spricht „The Interview“ zwar fast beiläufig an, und doch ist bemerkenswert, wie hier fiktive Groteske und realer Wahnsinn miteinander verschwimmen.

Allerdings wird das einer der Gründe sein, weswegen Nordkorea sich so gegen die Verbreitung dieses Films gewehrt hat. Die Verunglimpfung ihres Machthabers, die Degradierung zur Witzfigur, das mögen andere Staaten zähneknirschend hinnehmen. Nordkorea aber nicht. Wie sonst kann man sich diese Reaktionen erklären?

Nach einem Hacker-Angriff im November waren zuerst große Teile des firmeninternen Netzwerks von Sony lahmgelegt worden. Die US-Regierung machte später Nordkorea für den Datendiebstahl verantwortlich. Pjöngjang wies das zurück, drohte aber mit Konsequenzen, sollte „The Interview“ zu sehen sein. In den US-Kinos startete der Film dann zwar ohne Zwischenfälle. Dennoch soll das Debakel für Sony um den rund 44 Millionen Dollar teuren Film Medienberichten zufolge ein millionenschwerer Verlust sein.

Da scheint auch das sehr gute Internetgeschäft mit US-Streaming-Diensten, die den Film online verkaufen, wenig zu helfen. Und doch bleibt bei all dem ein Erfolg bestehen: Die Eskalationen haben „The Interview“ eine enorme Aufmerksamkeit verschafft, die die Komödie sonst sicher nie bekommen hätte.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Von

dpa

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