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16.07.2015

14:01 Uhr

Slowenische Band in Nordkorea

„Unsere Absichten sind rein“

Die Band Laibach soll in Nordkorea auftreten. Die Wahl lässt viele aufhorchen, denn die Musiker spielen mit faschistischer Symbolik. Doch ob es tatsächlich zu dem Auftritt kommt, ist alles andere als gewiss.

Seoul, Oslo, LjubljanaKaum ein Land weltweit ist so von der Außenwelt abgeschottet wie Nordkorea – auch musikalisch. Selbst die Songs einheimischer Popbands unterliegen staatlicher Kontrolle. Doch nun lässt Diktator Kim Jong Un möglicherweise eine westliche Musikgruppe ins Land: Zum 70. Jahrestag des Endes der japanischen Besatzung im August soll die slowenische Band Laibach zwei Konzerte in Pjöngjang spielen. Nicht nur das Ja zu den Jubiläums-Auftritten, sondern auch die Wahl der Gruppe ist aufsehenerregend. Denn die 1980 gegründete Band ist wegen ihrer nationalistischen Ästhetik umstritten.

Doch die Slowenen wehren sich gegen Kritik, mit ihren Shows das nordkoreanische Regime zu unterstützen. „Wir mischen uns nie in die politischen Verhältnisse der Länder ein, in denen wir auftreten“, sagte Bandmitglied Ivan Novak der Deutschen Presse-Agentur. „Unsere Absichten sind rein und sauber.“ Die Musiker waren in ihren Anfängen für das sterbende kommunistische System in Jugoslawien die pure Provokation – vor allem mit ihren Gigs in Uniformen, die stark auf den Faschismus anspielten.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

„Es ist ein einfacher und verständlicher, aber fauler intellektueller Reflex, sie mit Nazismus oder Faschismus gleichzusetzen“, sagt der Künstler Morten Traavik, der die geplanten Auftritte von Laibach organisiert hat. In dieser Hinsicht würden die Band, vom Deutschlandradio einmal als „Rammstein für Erwachsene“ bezeichnet, wie auch das Land missverstanden, meint der Norweger. „Es gibt eine vorherrschende Erzählung über Nordkorea“: Medien seien vor allem daran interessiert, den „Freakshow-Faktor“ zu transportieren – eine robotische Nation, Militärmärsche, ein verrückter Diktator. Das Land habe mehr Facetten.

Ohne Traavik, der sich mit Kunst- und Musikprojekten für den Austausch mit Nordkorea einsetzt, wäre die Planung der Konzerte nicht so weit gediehen. Wegen der Zusammenarbeit mit dem Land ist er in seiner Heimat heftig umstritten, hört deswegen oft Vorwürfe, das Regime zu unterstützen. „Ich bin einfach interessiert, Plattformen für Menschen zu schaffen, sich zu treffen und auszutauschen“, verteidigt er sich.

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