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23.05.2017

12:37 Uhr

Small Talk

Parallelwelten

VonVon Rüdiger Schmitz-Normann

Uber, Disney, Facebook: Die Welt wird jeden Tag smarter. Nur der Mensch hinkt immer weiter hinterher – präsentiert von Handelsblatt 10.

Der Nighttalker machte klar: Donald Trump hat sich ohne Not der Assoziation „mächtigste Blondine der Welt“ genähert.

Jimmy Fallon

Der Nighttalker machte klar: Donald Trump hat sich ohne Not der Assoziation „mächtigste Blondine der Welt“ genähert.

Düsseldorf.Manche Nachrichten könnte man schöner nicht erfinden. An dieser Stelle sammeln wir regelmäßig die besten – Small-Talk-Munition, präsentiert von Handelsblatt 10.

Gegen das, was sich die Uber-Programmierer haben einfallen lassen, wirken die Programme der Dieseltechniker aus Volkshausen ähnlich simpel wie der Apple 1, der morgen in Köln versteigert wird – mit dem könnte man nicht einmal mehr eine E-Mail verschicken. Die Uber-Software Greyball hat Kreditkarten, Standorte und Social-Media-Konten analysiert, um bestimmte Nutzer vom Transport ausschließen zu können. So bekamen Polizisten und Behörden, die Material gegen Uber sammelten, auf der App nur eine Parallelwelt zu sehen – mit Fahrzeugen in Straßen, die gar nicht existierten. Nachdem die „New York Times“ das aufgedeckt hatte, gelobte Uber Besserung. Aber wir wissen ja, was das heißt: nicht viel.

Die Welt wird immer smarter. Nur der Mensch fällt langsam zurück – meist wegen mangelnder Moral. „Ist es das Problem von „Focus Online“, wenn das Geschäftsmodell von „Bild Plus“ nicht funktioniert? „Ich meine: Nein, das ist es nicht“, sagt Medienrechtler Dominik Höch. „Bild“ wirft „Focus Online“ vor, systematisch Artikel abgeschrieben zu haben. Höch hält die Klau-Klage für verfehlt. Ein Medienrechtler?! Geistiges Eigentum gilt nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch im Journalismus als höchstes Gut. Für weit geringere Vergehen ist jemand wie Tom Kummer, der Interviews sampelte, mit lebenslangem Berufsverbot belegt worden.

Ein Moralverfall zeigt sich auch bei der aktuellen Disney-Erpressung. Netzpiraten haben bei einem Hackerangriff Daten von „Fluch der Karibik 5“ erbeutet und verlangen nun einen hübschen Bitcoin-Schatz vom Unterhaltungskonzern – andernfalls wollen sie den Film nach und nach ins Netz stellen. Wer nicht zusammenzuckt, wenn er das hört, der befindet sich geistig schon in der schlechten neuen Welt. Früher wäre der erbeutete Film kostenlos auf alle entsprechenden Plattformen gestreut worden, als Robin-Hood-Aktion und Zeichen für den niemals aufhörenden Widerstandskampf gegen Skynet und andere böse Konzerne. Und heute? Wollen die Piraten selbst nur Geld machen – ironischerweise mit einem Piratenfilm.

Ebenfalls ironisch, dass der Freunde-Konzern Facebook sich immer weniger als Freund seiner Kunden erweist. So weigert er sich, der Mutter einer verstorbenen Kundin Zugang zu deren Konten zu gewähren. Der smarte Konzern ist der Meinung, er habe ein größeres Anrecht auf die Daten als die Mutter, die nach Hinweisen für einen Suizid ihrer Tochter sucht. Das Gericht gab ihr zwar recht – doch die Amerikaner scheren sich nicht drum. Warum auch? Die EU-Kommission verhängte gerade wegen Täuschung bei der Fusion mit WhatsApp eine Strafe von 110 Millionen Euro. Facebook machte im letzten Jahr einen Umsatz von über zehn Milliarden Dollar. Können Konzerne eigentlich auch egoistisch sein? Falls ja, dann ist smart das neue egoistisch.

Ebenfalls für relativ smart hält sich der große Blonde aus Amerika. In einem witzigen Video zeigte Nighttalker Jimmy Fallon, dass Donald Trump sich kürzlich bei einer Rede aus einem Kinofilm bedient hat. Passenderweise war es kein Historiendrama, sondern die Teenager-Komödie „Natürlich blond“. In der Komödienwelt gelten Blondinen nicht als besonders smart – da hat Trump sich ohne Not der Assoziation „mächtigste Blondine der Welt“ genähert.
Das ist dann wieder das Thema Ironie.

Dieser Artikel ist exklusiv in der Smartphone-App Handelsblatt 10 erschienen, die jeden Tag mit 10 Autorenstücken die wichtigsten Themen des Tages zusammenfasst. An jedem Freitag präsentieren wir Ihnen die Höhepunkte die Kolumne „Small Talk“. Was Handelsblatt 10 sonst noch alles zu bieten hat, erfahren Sie hier.

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