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27.10.2012

12:31 Uhr

Sonderbund-Ausstellung

Kunstvermittler mit prophetischem Weitblick

VonChristiane Fricke

In Köln wird eine bahnbrechende Ausstellung von 1912 mit Picasso, Macke und Munch rekonstruiert. Sie zeigt, wie die heutigen Marktlieblinge von der Masse angefeindet, von Sammlern und Museen aber hoch geschätzt wurden.

Richard Engelmann: "Schlafende (Norne)", 1908/09 im Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud, Köln. Dirk Gebhardt/laif

Richard Engelmann: "Schlafende (Norne)", 1908/09 im Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud, Köln.

Köln„Unglaublich! Ziege in der Luft“, notierte Conrad Peter Laar in seinem Kurzführer zur Ausstellung „Sonderbund“. Völlig konsterniert stand der Chemiker 1912 vor Robert Berénys Ölgemälde „Frau im Sessel“. Das Böckchen in der linken oberen Ecke, möglicherweise ein erotisches Symbol, konnte er nicht einordnen. Eher noch den Hund mit seinen fliegenden Ohren rechts und die Frau, die ihm hinterherschauend sich entspannt in einen Armsessel zurücklehnt.

Ob Laar damals erkannte, dass der Künstler sich mit seiner Mischung aus kubistisch gesplitterten Formen und prismatischen Farben der modernsten malerischen Mittel bediente? Dass er auf seinem Bild das Nacheinander in Raum und Zeit wie auf einer lange belichteten Fotografie darstellte?

100 Jahre später wird die Katalognotiz von Conrad Peter Laar zu einem kleinen Mosaikstein bei der Rekonstruktion einer der bedeutendsten Kunstausstellungen des 20. Jahrhunderts. Mit ihrer Hilfe gelingt es Barbara Schaefer, Kuratorin des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln, das Bild als Exponat zu identifizieren - eines von über 650 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen, die 1912 in der Städtischen Ausstellungshalle von Köln für Furore sorgten.

Van Goghs Selbstbildnis von 1887 auf dem Cover des Katalogs. (Ausschnitt) Wienand Verlag Köln

Van Goghs Selbstbildnis von 1887 auf dem Cover des Katalogs. (Ausschnitt)

Die „Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“ traf auf ein völlig unvorbereitetes Publikum. In den Tageszeitungen hagelte es böse Verrisse - anders als in Fachzeitschriften. Doch was die Kunstkommission, beraten von zwei prominenten Galeristen und einem Sammler von über 170 Künstlern aus zehn Ländern auswählte, gehört heute längst zum Kanon der Klassischen Moderne und den Marktlieblingen. Angeführt wird er von den zu Vorläufern des Expressionismus erklärten Malern Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin.

30 Säle auf insgesamt 5.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erwartete das Publikum vor 100 Jahren. Die Rekonstruktion muss mit neun Sälen auskommen. Mittendrin - wie 1912 - die historischen Überväter van Gogh, Cézanne und Gauguin. Van Gogh ist 2012 mit 15 Bildern präsent; 1912 waren es 125 Exponate, unter ihnen allein vier Versionen der „Arleserin“.

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