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01.12.2012

14:34 Uhr

Sonderversteigerung bei Bassenge

Geballtes Jubiläumsangebot

VonChristian Herchenröder

Vor 50 Jahren wurde das Kunst- und Buchauktionshaus Bassenge gegründet. Kenner finden hier Erschwingliches und Kostbares.

Bernard de Montfaucon: Das Pantheon in  “L’antiquité expliqué et représentée en figures”.Paris, 1719-24, Schätzpreis: 8.000 Euro Bassenge

Bernard de Montfaucon: Das Pantheon in  “L’antiquité expliqué et représentée en figures”.
Paris, 1719-24, Schätzpreis: 8.000 Euro

BerlinDas herausragende Ereignis der Herbstauktionen bei Bassenge ist die Sonderversteigerung der Sammlung Ivan Nagel am 29. November. Es ist die 100. Auktion des Berliner Hauses, das sich seit nunmehr 50 Jahren vor allem mit seinen Buch- und Graphikversteigerungen internationalen Ruf erworben hat. Heute konkurrieren amerikanische Kunstinstitute mit Sammlern und Händlern aus aller Welt um die Spitzenstücke des Angebots, die bei Bassenge auf immer mehr Kataloge verteilt sind. Seit einigen Jahren werden hier in wachsender Zahl neben Handzeichnungen auch Gemälde des 16. bis 19. Jahrhunderts ausgeboten. Darunter sind immer wieder Fundstücke, die erstaunliche Preise bringen.

In einem strahlend rot gebundenen Jubiläumsband werden die Fachabteilungen vorgestellt und Stationen der Firmengeschichte rekapituliert, die mit der Kunst- und Kunstmarktgeschichte Berlins seit der Ära Wilhelm Soldan, dem Experten für Alte Kunst, untrennbar verbunden ist.

Ivan Nagel, der im April 2012 verstorbene Theatermann und Essayist, gehörte zu den Stammkunden von Bassenge. Hier in der Erdener Straße hat er noch bis zuletzt so manches wichtige Altmeisterblatt ersteigert. Der „Drama und Vision“ betitelte Katalog enthält 125 Lose Druckgraphik und wertvoller Bücher, von Holzschnitten Hans Baldung Griens bis zu Grandvilles „Fleurs animées“. Blätter des niederländischen Manierismus (vor allem Goltzius und J.H. Muller), die Radierungen Piranesis (Taxen bis 12 000 Euro), Aquatintaradierungen Goyas („Los Caprichos“ in der 2. Auflage mit der Taxe 45 000 Euro), die Briten Hogarth und John Martin prägen das im besten Sinn eklektische Programm.

Bei den illustrierten Büchern begegnen uns Publikationen der Napoleon-Anhänger Percier und Vivant-Denon und Prachtbände über die Ausgrabungen von Herkulaneum.

Sehr gehaltvoll bestückt ist auch die Auktion mit Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts. So viele Blätter der Kupferstecher und Radierer um Pieter Brueghel d.Ä. hat es hier lange nicht gegeben. Die Schätzpreise gehen bis zu 24 000 Euro für den "Alchemisten".

Die größte Rarität dieser Sektion ist der unzerteilt erhaltene Kupferstich nach Hieronymus Boschs Triptychon „Das jüngste Gericht“, für den 60 000 Euro erwartet werden. Von Dürer gibt es diesmal nur wenige Blätter, dafür ist Rembrandt mit 22 Losen vertreten, darunter der tiefschwarze Abzug der „Sitzenden Frau mit den Füßen im Wasser“ auf Japanpapier (60 000 Euro).

Ungewöhnlich breit ist das Angebot an Blättern der flämischen Schule des frühen 17. Jahrhunderts. Michael Willmanns großformatige Radierung „Die Himmelfahrt Mariens“ in einem bisher unbeschriebenen Druckzustand ist eine der musealen Seltenheiten dieser Offerte, die beim 18. Jahrhundert mit der Erstausgabe von Goyas „Los Desastres de la Guerra“ aufwartet (80 000 Euro).

Hauptstück im Katalog zum 19. Jahrhundert ist die Erstausgabe von Philipp Otto Runges Farbenlehre von 1810, geschätzt auf 20 000 Euro.

Die Moderne-Abteilung hat ihre Schwerpunkte bei Dubuffet, Klimsch, Kolbe und Kollwitz, Sintenis und Warhol. Ein Unikum ist Gerhard Richters 1962 entstandene Ansicht des Stahlwerks Rheinhausen. In der realistischen Darstellung dieses Nachtbildes ist es einer der wenigen erhaltenen Richter vor Richter. Mit 150 000 Euro ist das Frühwerk vorsichtig geschätzt.

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