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18.02.2011

23:00 Uhr

"Song für Deutschland"

Lena 2011 – sexy, düster und mit Chancen

VonAlexander Möthe

Ein Abend ohne Überraschung: Lena fährt nach Düsseldorf – „Taken By A Stranger“ im Gepäck. Der Geheimfavorit setzt sich bei „Unser Song für Deutschland“ durch. Erstaunlich nur, dass das Finale ganz gut funktioniert.

Ein kleines bisschen verrucht - Lena bei ihrem "Song für Deutschland". Quelle: dapd

Ein kleines bisschen verrucht - Lena bei ihrem "Song für Deutschland".

DüsseldorfLena Meyer-Landrut wird am 14. Mai in Düsseldorf mit dem Song „Taken By A Stranger“ antreten. Nach rund sechs bisweilen schwer erträglichen Stunden ist „Unser Song für Deutschland“ gefunden. Dass der am Ende richtig gut funktioniert, ist allerdings nicht dem hoffentlich einmaligen Casting zu verdanken. Erst recht nicht dem Kontext von drei weitgehend identischen Sendungen.

Die Dramaturgie der im Ersten ausgestrahlten Finalshow ist, für sich betrachtet, absolut in Ordnung. Ein Rückblick auf „Unser Star für Oslo“, auf den Eurovision Song Contest, auf den Triumph im vergangenen Jahr. Mathias Opdenhövel und Sabine Heinrich moderieren – und das liegt nicht am Ersten – mal wieder mit angezogener Handbremse. Mangels verschiedener Protagonisten mangelt es an Reibungspunkten.

Raab selbst gibt sich locker, witzelt über die ausbleibenden Werbepausen. Bevor der Personenkult um Lena einsetzt, wird der Personenkult um den Kölner Entertainer gepflegt. Nicht zu viel, aber unterschwellig aufdringlich, letztlich nichts, was einer guten Show abträglich wäre.

Als schließlich Lena auftritt, wird es ein wenig gekünstelt. Niemand möchte ihr die Authentizität absprechen, aber die vom Moderatorenteam verkündeten Neuigkeiten, dass ihr aktuelles Album Nummer eins und Goldstatus erreicht hat, ist mindestens zwei Tage alt. Aber auch das natürlich legitim.

Eine regelrechte Frechheit ist allerdings die Wiederholung der Komponistenporträts. Lediglich um einige neue Lena-Statements ergänzt und neu geschnitten kommen die Macher der Songs zu Wort, erzählen genau das, was sie bereits in den Halbfinals in Einspielern erzählen durften. Gut, wo sollen neue Infos auch herkommen. Allerdings ist das Sendezeitverschwendung pur und angesichts des Auftritts im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sogar Gebührenraubbau. Das Gefühl drängt sich auf, hier wird Geld für TV bezahlt, was aktueller und früher schon im werbefinanzierten Fernsehen zu sehen war. Wieder, stünde die Show als Finale allein, keine Kritik.

Auch die erneute Installation einer dreiköpfigen Jury hinterlässt einmal mehr einen fahlen Beigeschmack. Wie im Vorjahr, wie in den Halbfinals gibt es keinerlei Entscheidungsgewalt, jetzt dürfen Barbara Schöneberger und Adel Tawil. ihre Meinung zu Liedern geben, die bereits einmal bewertet wurden. Allerdings, das muss ganz fair gesagt werden, die Raab’schen Beisitzer gehen kritisch mit den Liedern um. Es könnte auch gesagt werden: Raab überlässt es der augenscheinlich objektiven Jury, das Publikum in eine bestimmte Richtung zu lenken. Der Meister selbst wird nicht müde zu betonen, dass er zufrieden ist, wenn das Publikum sich am Ende aus dem Bauch heraus entscheidet. Aber auch, dass man die Lieder im europäischen Kontext sehen müsse; was im Wettbewerb die besten Chancen hätte. Wenigstens über das „wer“ muss sich Deutschland keine Gedanken machen.

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