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24.11.2014

10:39 Uhr

Sotheby's

Auf der Suche nach einem Spitzenmanager

VonMatthias Thibaut

14 Jahre lenkte Bill Rupprecht die Geschicke von Sotheby’s. Nun ist das amerikanische Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Chef. Vor einem Jahr hatte Sotheby’s Großaktionär Dan Loeb zum ersten Mal auf den Abgang Rupprechts gedrängt.

Ende einer kostspieligen Abwehrschlacht im Hause Sotheby's. Bill Rupprecht, der 14 Jahre lang die Geschicke des Unternehmens leitete, muss gehen. Foto: Bobby Yip Reuters

Ende einer kostspieligen Abwehrschlacht im Hause Sotheby's. Bill Rupprecht, der 14 Jahre lang die Geschicke des Unternehmens leitete, muss gehen. Foto: Bobby Yip

LondonGut ein Jahr nach seinem ersten Angriff ist Sotheby’s Großaktionär Daniel Loeb und sein Fonds Third Point am Ziel. Sotheby’s Chef Bill Ruprecht nimmt nach 14 Jahren am Steuer des amerikanischen Auktionsriesen den Hut.

20 Millionen Dollar, den halben bisherigen Jahresgewinn, gab Sotheby’s unter Ruprecht aus, um Angreifer Loeb fernzuhalten. Loeb, der selbst als Kunstsammler Einblicke ins Auktionswesen hat, warf Ruprecht im vergangenen Herbst einen altmodisch selbstherrlichen und sündhaft teuren Führungsstil vor und attackierte seine Doppelmacht als CEO und Präsident des an der New Yorker Börse notierten Großauktionators. Nicht nur verglich Loeb Sotheby’s mit einem „restaurierungsbedürftigen Altmeistergemälde“. Er ließ auch keinen Zweifel, dass er Ruprecht nicht für den richtigen Unternehmenslenker hielt und schon Nachfolger für ihn im Auge habe.

Trotz der kostspieligen Abwehrschlacht, zu der unter anderem eine Beschränkung von Aktienanteilen auf zehn Prozent gehörte, um Sotheby’s gegen Übernahmen zu sichern, mussten Ruprecht und Sotheby’s Verwaltungsräte im Frühjahr Loeb und zwei von ihm nominierten Mitstreitern Sitze in ihrem erweiterten Gremium einräumen. Lange hielt der das Gesicht wahrende Kompromiss nicht. Man habe sich einvernehmlich auf eine Trennung geeinigt, so die Pressmitteilung.

Anfänge in der Teppich-Abteilung

Sotheby’s Aktie stieg unmittelbar nach Bekanntgabe von Ruprechts Abgang um sieben Prozent. Aktionäre, die ihre Aktien sinken sahen, nachdem die Hoffnungen auf einen Übernahmekampf durch Loeb zunichte waren, erhoffen sich nun vom Nachfolger offensichtlich eine schnellere Gangart der Reformen. Mit den Umstrukturierungen will Sotheby’s den im digitalen Bereich wendigeren und vor allem im lukrativen Contemporary Bereich mit Abstand führenden Mitbewerber Christie’s einholen. Christie’s hatte in der Prestige Auktion mit Contemporary Art im November 853 Millionen Dollar umgesetzt, mehr als das Doppelte von Sotheby’s (344 Millionen Dollar) in der gleichen Woche.

Sotheby’s hat den New Yorker Headhunter Spencer Stuart bei der Suche nach einem neuen Spitzenmanager eingeschaltet. In der Presseerklärung ist nur von der Rolle des CEO, nicht des „Präsidenten“ oder Chairman die Rede. „Wir handeln im Bewusstsein der Dringlichkeit, werden uns aber Zeit lassen, an diesem kritischen Kreuzweg für Sotheby’s Entwicklung den richtigen Chef zu finden“, wird Verwaltungsratsprecher Domenico De Sole zitiert.

Ruprecht soll Sotheby’s weiter führen, bis der Nachfolger gefunden ist. Die Einschaltung des Headhunters zeigt, dass Sotheby’s dem Beispiel Christie’s folgen könnte. Das Auktionshaus hatte sich mit Steven Murphy 2010 zum ersten Mal in der Geschichte der großen Auktionshäuser einen Chef von außerhalb des Kunst- und Auktionsgewerbe geholt. Ruprecht selbst hatte 1980 als Experte in Sotheby’s Teppichabteilung angefangen.

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