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08.05.2014

18:53 Uhr

Sotheby's

"Giftpille" verpufft

VonMatthias Thibaut

Daniel Loeb zwingt Sotheby's Chef Bill Ruprecht zum Einlenken. Der Hedgefonds-Manager und sein Team bekommen drei Sitze im Vorstand des Unternehmens. Der Kritiker des Auktionshauses drängt auf Personaländerungen und neue Strategien.

Unterhaltung mit Symbolwert vor dem Hintergrund der im Vorstand von Sotheby's ausgefochtenen Ringkämpfe. Foto: Bobby Yip Reuters

Unterhaltung mit Symbolwert vor dem Hintergrund der im Vorstand von Sotheby's ausgefochtenen Ringkämpfe. Foto: Bobby Yip

LondonNach einer monatelangen und zunehmend persönlichen Schlammschlacht gab Sotheby’s Geschäftsführung diese Woche den Widerstand auf und räumte dem Aktivisten Investor Daniel Loeb und seinem Hedgefonds Third Point-Team drei Sitze in einem von zwölf auf 15 erweiterten Vorstand ein. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Ziel, das Beste für Sotheby’s Kunden und Aktionäre zu erzielen“, hieß Sotheby’s-Chef Bill Ruprecht Loeb den Unternehmensreformer Harry Wilson und den Schmuckexperten und Investmentbanker Olivier Reza im Sotheby’s Führungsgremium willkommen. Zuvor hatte er Loeb in gerichtskundig gewordenen E-Mails einen „Drecksack“ genannt.

Kapitulation kurz vor Aktionärsversammlung

Ruprecht kapitulierte kurz vor der auf Dienstag angesetzten, nun verschobenen Aktionärsversammlung, weil Loebs Kampf um Stimmen vermutlich erfolgreich gewesen wäre. Die von Loeb angestrengte Klage gegen eine „Giftpille“, die Loebs Aktienanteil auf 10 Prozent beschränken sollte, konnte Sotheby’s vor Gericht zwar gewinnen. Trotzdem darf Loeb seine Aktienanteil nach dem Einlenken Ruprechts nun auf 15 Prozent erhöhen.

Vorstände „aufgemischt“

Third Point-Gründer Loeb, der bereits die Vorstände von Yahoo und Sony aufmischte, verfuhr nach seiner bewährten Strategie: Ansammlung eines signifikanten Aktienanteils, in diesem Fall 9,6 Prozent, Kritik und Schmähungen der Geschäftsführung, Forderung nach Vorstandssitzen. Im nächsten Schritt dürfte Loeb auf Personaländerungen drängen. Der Kunstsammler und Besitzer einer der besten Martin Kippenberger-Sammlungen außerhalb Deutschlands warf Ruprecht „imperiale“ Selbstherrlichkeit, Verschwendung und fehlenden strategischen Fokus vor. Ihm fehle „die frische Perspektive, die nötig ist, um die mangelhaften strategischen Strukturen und die kulturelle Malaise des Unternehmens aufzufrischen“. Damit meinte Loeb Sotheby’s angeblichen Rückstand gegenüber Christie’s im Contemporary Segment, bei der Eroberung des Chinamarktes und im Online-Geschäft.

Kritik an Kapitalausschüttungen

Eine Rolle bei dem Kampf spielten auch interne Sotheby’s-E-Mails, in denen Direktoren zugaben, dass Loebs Kritik teilweise berechtigt sei. Andererseits kritisieren Branchenkenner die von Loeb erzwungenen Kapitalausschüttungen: Ein starkes Kapitalpolster ist unabdingbar in dem stark zyklischen Kunst- und Auktionsmarkt. Der Einbruch der derzeitigen Kunst-Hochkonjunktur wird schneller kommen, als das Auktionshaus dann seine Kostenbasis senken kann.

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