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15.09.2011

14:51 Uhr

Sotheby´s

Konzentration auf die Moderne

VonEva Clausen

Es ist das Aus für die Alte Kunst. Sotheby´s hat eine neue Marktstrategie für Italien angekündigt, die alles andere als überraschend kommt. Fortan wird sich der Globalplayer ganz auf die Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst konzentrieren.

Mariotto die Nardo: Flügelaltar für 1,8 Mill. Euro. Sotheby's

Mariotto die Nardo: Flügelaltar für 1,8 Mill. Euro.

RomEs ist noch nicht lange her, da jubelte Sotheby´s: 35,5 Mio. Euro Einnahmen (inklusive Aufgeld, ohne MwSt) lautete das stattliches Ergebnis für das Jahr 2010. Das bedeutete einen Zuwachs von 6 Prozent gegenüber 2009. Auch in der ersten Hälfte 2011 schnitt das Haus mit 15,5 Mill. Euro nicht eben schlecht ab. Seit einigen Jahren ist es Marktführer in Italien.

Ausfuhr verboten

Dennoch gibt sich das angelsächsische Haus nun skeptisch. Vor allem den Hütern des Markts gegenüber, namentlich wenn sie aus dem Kulturministerium kommen. Denn es besteht kaum ein  Zweifel, dass die  berühmt berüchtigte ‚notifica’, das Ausfuhrverbot, das das italienische Ministerium über Kulturgüter von nationaler Bedeutung verhängt, der Hauptgrund für Sotheby’s Entscheidung ist, in Italien nur mehr die Sparte der modernen und zeitgenössischen Kunst zu versteigern. Da Sotheby´s seit geraumer Zeit das Segment Schmuck seinem angelsächsischen Konkurrenten Christie´s überlassen hat, die Kunst des19. Jahrhunderts in Italien bekanntlich ein Aschenputteldasein fristet, geht es bei der Einschränkung der  Versteigerungstätigkeit eindeutig um den Rückzug aus dem Bereich der Alten Meister, welcher sich de facto seit dem Krisenjahr 2008 nicht wieder erholt hat. Aus diesem Grund ist es auch um das italienische Versteigerungshaus Finarte, dessen Steckenpferd die alte Kunst war, so verdächtig still geworden.

Hoher Preis

Den letzten nennenswerten Zuschlag erzielte Sotheby´s jedenfalls 2007. Ein goldgrundierter, großformatiger Flügelalter von Mariotto di Nardo wurde damals für 1,8 Mill. Euro zuschlagen  (House Sale Sammlung Serristori am  7.11. 2007).  Ein Weltrekordauktionspreis für den Künstler. Wichtiger noch als die Höhe des Zuschlags ist die Tatsache, das er trotz der ‚notifica’ geboten wurde.

Kein Gebot für Canaletto

Doch nicht immer wird diese Hürde genommen. Im vergangenen Jahr dürfte es just das Ausfuhrverbot gewesen sein, das Sotheby´s um einen Topverdienst von schätzungsweise 6 Millionen Euro  brachte. Denn drei nicht zum Export freigegeben Spitzenstücke, zwei Gemälde des venezianischen Malers Antonio Canal, genannt Canaletto, sowie eine Ansicht der Lagunenstadt "Fahrt der Dogen-Galeere zum Lido San Nicola" von Francesco Guardi, blieben am 19. Oktober in Mailand unverkauft.

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