Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2011

16:59 Uhr

Sotheby's

Liquidität wie noch nie

VonMatthias Thibaut

Sotheby’s hofft auf eine glänzende Jahresbilanz. In den letzten neun Monaten machte das Auktionshaus 55 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr. Die Akquise wird allerdings immer teurer. Um an die hochwertige Ware heranzukommen, müssen die Versteigerer den Einlieferern mehr versprechen.

Kam im Juni bei Sotheby's in London unter den Hammer: Egon Schieles "Häuser mit Wäsche (Vorstadt II)" von 1914. (Ausschnitt) Sotheby's

Kam im Juni bei Sotheby's in London unter den Hammer: Egon Schieles "Häuser mit Wäsche (Vorstadt II)" von 1914. (Ausschnitt)

London.Die Sotheby’s-Tochter „Noortman Master Paintings“ wird angesichts schleppender Geschäfte im Altmeisterhandel abgespeckt. Die Bilanz für das dritte Quartal enthält Abschreibungen von insgesamt 8,3 Millionen Dollar beim Schätzwert des Noortman Bilderlagers im laufenden Geschäftsjahr. Noortman machte in den bisherigen neun Monaten einen Vorsteuerverlust von 2,5 Millionen Dollar.

Die vor fünf Jahren von Sotheby’s übernommene Kunsthandlung, die nach dem plötzlichen Tod ihres Gründers Robert Noortman 2007 von seinem Sohn William geleitet wird, wird nach Angaben des Auktionshauses nun von der bisherigen Geschäftspraxis, ein „umfangreiches Bilderlager verschiedener Preisklassen“ zu halten, abrücken. Man werde „sich in Zukunft auf eine ausgewählte Gruppe hochwertiger Kunstwerke konzentrieren“, lässt Sotheby’s verlauten. In den kommenden Wochen und Monaten soll „in verschiedenen Auktionshäusern“ Noortman-Inventar versteigert werden.

Dutzendware bleibt liegen

Damit trägt Sotheby’s der allgemeinen „Abschwächung des Händlermarktes“ und dem deutlicheren Geschmackswechsel im Altmeistersegment Rechnung. „Sammler sind wählerischer und kritischer geworden“, sagte Sotheby’s Altmeisterspezialist George Gordon jüngst bei einem Interview über die Altmeisterauktionen im Dezember. Der Markt ist stark für hohe Qualität, Marktneuheiten, außergewöhnliche und gut erhaltene Bilder, während Dutzendware immer schwerer absetzbar ist. Das hat Geschmacksgründe, liegt aber auch an den gestiegenen Ansprüchen von Sammlern, die mit den enormen Vergleichsmöglichkeiten am heutigen Markt sehr viel schneller ein schlechtes Bild erkennen als frühere Sammlergenerationen.

55 Prozent mehr Gewinn

Sotheby’s hat im 3. Quartal den höchsten Vorsteuerverlust seit 2006 eingefahren – 57,9 Millionen Dollar vor Steuer gegenüber 38,4 Millionen Dollar im Vorjahr. Trotzdem dürfte das Gesamtjahr mit einem exzellenten Ergebnis abgeschlossen werden. Dem im dritten Quartal üblichen Verlust – in den Sommermonaten finden kaum Auktionen statt – steht eine 55-prozentige Gewinnsteigerung für das bisherige Jahr gegenüber. Das starke Abschneiden der Moderne- und Contemporary-Auktionen im November in New York wird sich im vierten Quartalsergebnis zeigen, erst recht der Privatverkauf der vier Matisse-Bronzen aus der Burnett Foundation, die Sotheby’s privat für um 200 Millionen Dollar angeboten hatte. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass 2011 ein Rekordjahr für die Auktionshäuser wird.

Boni für Experten schlagen zu Buche

Negativ schlugen neben den Sonderabschreibungen, den Sonderkosten bei der Aufgabe des Auktionsstandorts Amsterdam auch steigende Gehälter und Boni für die Experten zu Buche. Bei gestiegenen Werbekosten fallen steigende Imagewerbung und Investitionen in China und die nicht besonders gelungene Überholung von Sotheby’s Internetauftritt ins Gewicht. Denn der Wettbewerb wird wieder härter. Das zeigt sich in einer weiteren Senkung des Prämienertrags von 18,5 Prozent im Vorjahr auf nur noch 16,6 Prozent. Der Markt konzentriert sich mehr und mehr auf das Hochpreissegment, wo die Akquise teuer ist und die Auktionatoren den Einlieferern mehr versprechen müssen, um die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Sotheby’s Chef Bill Ruprecht erwähnte ausdrücklich besonders hohe Werbekosten „für eine Rekordzahl“ von Privatsammlungen.

„Wir stehen in einer faszinierenden Marktperiode mit enormer, nie gesehener Liquidität über die ganze Welt“, kommentierte Ruprecht. Demgegenüber stünden die Sorgen um die Verschuldung in den USA und Europa. Die jüngste Auktionsserie habe aber bestätigt, dass man im „Zuckerbereich“ des Geschäfts –dem Hochpreissegment - mit der richtigen Ware und den richtigen Schätzungen „extrem gut“ abschneiden könne.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×