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24.02.2011

09:46 Uhr

Sotheby’s

Paris wird Drehscheibe für Foto und Design

Sotheby’s baut Paris als Europazentrale für Fotografie und Design aus. Simone Klein verantwortet die Lichtbilder, Cécile Verdier die angewandten Künste.

Verliebt [Amoureuse], 1936 Quelle: Heinz Hajek-Halke

Verliebt [Amoureuse], 1936

ParisParis ist seit Jahren das Kunsthandelszentrum für Fotografie und für Art Déco. Die internationalen Auktionshäuser verstärken diese Tendenz zusehends. Nun konzentriert Sotheby's die Direktion für Europa auf den Sammelgebieten Fotografie, Art Déco und Design auf ihren Sitz in Frankreichs Hauptstadt. Simone Klein, die bis lang zwischen Deutschland und Paris pendelte, übernimmt die Gesamtverantwortung als Europa-Direktorin und bezieht das Sotheby-Büro gegenüber dem Elysée-Palast. Ebenso ihre französische Kollegin Cécile Verdier, die zur Europa-Direktorin für Art Déco und Design des 20. Jahrhunderts aufsteigt und dabei weiterhin den Hammer als Auktionatorin schwingen wird.

Kleins umfassende Kenntniss

Für beide Marktsegmente kündigt Sotheby's zwei Auktionen pro Jahr in Paris an: eine im Mai, die zweite im November.

Auf dem Gebiet der Fotografie hat sich Sotheby's mit seinen November-Auktion in den letzten Jahren profiliert. Ausgehend von den Auktionen des betagten Antiquars und Top-Fotografie-Sammlers André Jammes, der seine Fotografien dem amerikanischen Auktionshaus für vier Versteigerungen (1999 – 2008) anvertraute. Simone Klein verfasste ihre Magisterarbeit an der Pariser Sorbonne über das Werk von Victor Regnault (1810-1878), den Gründungspräsidenten der Société Française de Photographie. Sie war in Köln in einer Galerie und einem Auktionshaus tätig, bevor sie 2007 zu Sotheby's wechselte.

Fotos aus dem Fonds

Im November 2010 konnte Klein eine stattliche Anzahl Fotos aus dem Wiener „ART Photography Fund“ in die Pariser Foto- Auktion aufnehmen, die – dank der Hilfe eines anonymen Bieters gegen den kanadischen Sammler David Thompson – zu Markt unüblichen Preisen zugeschlagen wurden. Insbesondere die Preise für Josef Sudek (1896 -1976) überstiegen die Galerie- und Schätzpreise um ein Vielfaches und kumulierten bei 300.750 Euro. Im Hinblick auf die Taxe von 18.000 bis 23.000 Euro ein Rätsel für den Fotohandel. Der gleiche anonyme Bieter übernahm den Zuschlag für einen Abzug von 1935 von Manuel Alvarez Bravo (1902 – 2002), der vom Ausruf von 40.000 Euro auf 228.750 Euro brutto anstieg. Sotheby's setzte 2,7 Mio. Euro auf der Auktion und weitere 505.000 Euro im Nachverkauf um, was ein Gesamtergebnis von 3,2 Mio. Euro ausmacht.

Eine Markttaktik

Die außergewöhnlichen Erfolge ermöglichten dem „ART Photography Fund“ das Propagieren von einem „Wertzuwachs seit dem Fondsstart im März 2008 bis Ende November 2010“ von 30,68 Prozent. Die Jahres-Performance 2010 erreichte 9,40 Prozent. „Wobei 75 Prozent davon aus realisierten Verkäufen stammen“, wie man im Bericht las.  Der Mitverantwortliche des ART Photography Fund und Vizedirektor der Wiener Fotogalerie Johannes Faber, Alexander Spuller, erläutert die Strategie: „Investment in Kunst erfordert einen längeren Anlagehorizont, deshalb verfolgen wir tendenziell eine 'Buy-and-Hold-Strategie'. Wir verkaufen aber auch regelmäßig Werke, um damit die Bewertung der Werke zu bestätigen, aber auch, um die Cash Reserven zu erhöhen“. Vermutlich diente die Sotheby's Auktion also dazu, die überhöhten Preise auf dem Auktionsmarkt offiziell festzulegen, um die Rendite des Fonds hochzuschrauben. Eine Praxis, gegen die sich insbesondere die Kunsthändler aller Sparten wehren, obwohl sie gelegentlich selbst einzelne Werke versteigern lassen. Wenn auch mit einer weniger spekulativen Perspektive.

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