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04.03.2011

11:15 Uhr

Sotheby's

Schnellster Profitanstieg seit Bestehen

VonMatthias Thibaut

Das US-Auktionshaus Sotheby's konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder satte Gewinne einfahren. Die Aktie, die mit 7 Dollar vor zwei Jahren ihren Tiefststand erreichte, steht inzwischen wieder bei 50 Dollar.

Sotheby's blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück Quelle: Reuters

Sotheby's blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück

LondonEinen Monat nach dem Konkurrenten Christie’s hat Sotheby’s sein Jahresergebnis 2010 mit dem Betriebsergebnis des vierten Quartals vorgelegt und die Aktionäre mehr als glücklich gemacht. Sotheby’s Präsident Bill Ruprecht freute sich aber vor allem über ein Jahresnettoeinkommen von 161 Millionen Dollar – das beste Betriebsergebnis des amerikanischen Auktionshauses mit Ausnahme des Kunstmarkt-Boom- und Wunderjahres 2007. Nie stieg der Profit des Auktionators so rasant.

Sotheby’s an der New Yorker Börse notierte Aktie, an Berg-und-Tal-Fahrten gewöhnt, war im Februar 2009 auf einen Tiefststand von unter 7 Dollar gerutscht. Diese Woche kletterte sie vorübergehend auf einen Höchststand von über 50 Dollar. Die Ratingagentur Moody’s, die Sotheby’s Aktie wegen der Schulden des Hauses auf „Junk-Status“ abgestuft hatte, erhöhte die Ratings wieder, und Sotheby’s CEO Ruprecht kann eine saftige Prämie einstreichen. Die Profitabilitätsziele wurden erfüllt. Nach seinem neuen Arbeitsvertrag kann er bis 2014 acht Millionen Dollar im Jahr verdienen, wenn er die Profitabilitätsziele wieder erfüllt.

„Es ist eine bemerkenswerte Leistung“, klopfte sich Ruprecht auf die Schulter. „Die Erholung des globalen Kunstmarkts trug ebenso dazu bei wie die schwierigen Entscheidungen vom Herbst 2008 – Entlassungen, eine Reduzierung unserer Kostenbasis und eine hartnäckige Konzentration auf die Aufgelder.“ Mit einem Wort: Sotheby’s war nach der kurzen, scharfen Rezession schlank aufgestellt und konnte umso mehr von dem überraschend scharfen Aufschwung profitieren.

17 Werke über 20 Millionen Dollar

Sotheby’s Jahresumsatz von Kunst blieb mit 4,8 Milliarden Dollar wie erwartet um 200 Millionen Dollar hinter Christie’s zurück, verzeichnete aber doch einen beachtlichen Zuwachs von 74 Prozent. Die Zahl der für mehr als 1 Million Dollar versteigerten Kunstwerke hat sich fast verdoppelt auf 609, 17 Werke wurden für über 20 Millionen Dollar verkauft, im Jahr 2009 war es in dieser Superkategorie lediglich eins. Den Auktionshäusern fiel der Aufschwung fast in den Schoß. Christie’s, das als Privatunternehmen der französischen Artemis Holding keine Betriebsergebnisse mitteilt, dürfte nicht weniger profitabel gewesen sein.

Die Auktionshäuser haben Personal abgebaut, teure Auktionskategorien im Billigbereich heruntergefahren und konzentrieren sich mehr und mehr auf die globale Spitzenkunst. Risiken wurden reduziert. Die teuren Preisgarantien, mit denen der Boom unterfüttert war, werden nun in Form „unwiderruflicher Vorausgebote“ auf Dritte abgewälzt. Wie Ruprecht unterstreicht, gibt es keine oder kaum noch Rabatte bei der Kommission, die Käufer und Einlieferer bezahlen.

Aber so wird es nicht bleiben. Die Londoner Auktionen zeigten schon, dass der Wettbewerb der Auktionshäuser um die lukrativste Kunst nun wieder schärfer wird, und das wird die Marketing- und Aquisitionskosten erhöhen. Die Gehaltsliste Sotheby’s war 2010 bereits mit 253 Millionen um 27 Prozent höher. Hinter den Kulissen hat sich die Flucht der Sammler in diskrete und für die Versteigerer lukrative Privatverkäufe verlangsamt: Bei Sotheby’s stieg der Umsatz mit Kunstbrokering nur noch um fünf Prozent auf 494 Millionen Dollar. Der Schaukampf in den Auktionen ist wieder die beste Art, Kunst zu versteigern: In London nahm Sotheby’s für ein Francis-Bacon-Triptychon 23 Millionen Pfund ein, das im Privatangebot für 18 Millionen Pfund keinen Käufer gefunden hatte.

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