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27.09.2012

10:49 Uhr

Sotheby's

Sprung nach China

VonMatthias Thibaut

Auf dem chinesischen Kunstmarkt werden zweistellige Milliardenbeträge umgesetzt. Doch durch langsameres Wachstum verschärft sich der Wettbewerb. Sotheby’s bringt sich nun mit einem strategischen Joint Venture in Stellung. Ziel der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Staatsunternehmen GeHua ist der Zugang zu den chinesischen Kunden.

Wang Huaiqing: "Self and Self Shadow" wird anlässlich des Joint Ventures von Sotheby's und GeHua in Bejing am 27.9.2012 versteigert. Sotheby's-GeHua, Bejing

Wang Huaiqing: "Self and Self Shadow" wird anlässlich des Joint Ventures von Sotheby's und GeHua in Bejing am 27.9.2012 versteigert.

LondonSotheby’s hat seinem Konkurrenten Christie’s im Wettlauf um den 12 Milliarden Dollar starken chinesischen Auktionsmarkt ein Schnippchen geschlagen. Am heutigen Donnerstag versteigerte es als erstes westliches Auktionshaus in China ein Kunstwerk. Die Auktion von „Self and Self Shadow“, eine Wandskulptur aus Aluminium von Wang Huaiqing mit einer bescheidenen Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Yuan (umgerechnet 123.600 bis 185.400 Euro) sollte eine symbolische Geste sein: Die erste Auktion eines neuen Joint Ventures unter dem Namen „Sotheby’s (Beijing) Auction Company“ und die erste Versteigerung eines internationalen Auktionshauses in China überhaupt. Sie erbrachte etwas mehr als die obere Taxe, 1.7 Millionen Yuan.

Sotheby’s investierte 1,2 Millionen Dollar für einen 80 Prozent-Anteil an dem Unternehmen. Partner ist das staatliche chinesische Kulturkombinat Bejing GeHua Company, das 20 Prozent der Anteile hält und 300.000 Dollar investierte. Das Joint Venture ist auf zehn Jahre befristet. Kevin Chang, Sotheby’s Asienchef, sprach von einem “bahnbrechenden“ Unternehmen. Sotheby’s könne nun seine chinesische Kundschaft „mit unserer erstklassigen Erfahrung, unserem Innovationsgeist und professionellen Integrität erreichen“.

Sotheby’s darf aus Ausstellungen verkaufen

Christie’s hat seit Jahren bereits in einem Joint Venture seinen Namen an das Auktionshaus China Forever International Auction Co. lizenziert. Der Deal beschränkt sich aber auf eine Weitergabe von Know-how und den Markennamen Christie’s. Versteigern darf Christie’s in China nicht.

Sotheby’s, das Leitung und Management der neuen Firma übernimmt, kann nun in Bejing Verkaufsausstellungen durchführen, etwa mit zeitgenössischer Kunst und Arbeiten die nicht zum Kulturerbe gehören, für das es in China die strengsten Beschränkungen gibt. Die zwei ersten Ausstellungen zeigen zeitgenössische chinesische Kunst und Werke, die "Schlüsselereignisse in Sotheby’s erlauchter Geschichte“ illustrieren.

Ansiedlung in der Freihandelszone

Der eigentliche Clou des Deals: Das neue chinesisch-westliche Auktionshaus wird sich in einem neuen Freihafen in der Tianzhu Freihandelszone beim Flughafen von Beijing ansiedeln, den GeHua plant. Damit wären die chinesischen Sotheby’s-Versteigerungen auch für Ausländer interessant, weil sie Kunst zur Versteigerung ein- und ausführen könnten. Ähnlich wie Hongkong könnten die Beijinger GeHua-Auktionen von Sotheby’s dadurch Bedeutung für die ganze Region bekommen.

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