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07.11.2011

11:19 Uhr

St-Art

Tod in Messekojen

Mit Preisen zwischen 1.000 und 10.000 Euro empfiehlt sich die Straßburger St-Art als Kunstmesse auch für den jungen Sammler. Auf ihrem Programm steht die Kunst der letzten fünfzig Jahre. Besondere Schwerpunkte setzt sie mit ihrer Vorliebe für die 60er-Jahre und die Glaskunst.

Tommaso Ottieri, "Corso 6", Courtesy Galleria Paola Forni auf der St-Art in Straßburg. (Ausschnitt) Ottieri-Galleria Paola Forni

Tommaso Ottieri, "Corso 6", Courtesy Galleria Paola Forni auf der St-Art in Straßburg. (Ausschnitt)

ParisSeit 1995 setzt die Straßburger Messe St-Art www.st-art.fr auf die Kunst der letzten 50 Jahre, wobei sie eine besondere Vorliebe für die 60er-Jahre entwickelt hat. Das Panorama deckt dabei das ganze Spektrum von der Malerei und Plastik, über die Graphik und Fotografie bis zur Videokunst ab. Eine Spezialität ist die Glaskunst.

Circa 80 Galerien aus neun Ländern breiten vom 25. bis 28. November auf dem Messegelände in Straßburg-Wacken ihr Angebot aus. Im letzten Jahr waren es noch 100. Die Aussteller kommen aus Spanien, Deutschland, Belgien, England, Italien, Luxemburg, Holland, Japan und Frankreich. Die Besucher reisen traditionell aus den angrenzenden Regionen und Nachbarstaaten an, aus Ostfrankreich und Süddeutschland, der Schweiz und Luxemburg. 2010 kamen mehr als 24.000 Besucher.

Nur vier Galerien aus Deutschland

Vier Galerien reisen in diesem Jahr aus Deutschland an, darunter die auf Zeichnungen und Graphik spezialisierten Bernard Jordan und Amélie Seydoux aus Berlin. Sie offerieren die von ihnen verlegten Lithografien der Französin Françoise Pétrovitch, deren aktuelle Ausstellung im Pariser Jagdmuseum (Musée de la Chasse) viel positive Beachtung findet. Außerdem haben sie Editionen von François Morellet, Frank Badur und Claude Faure im Angebot. Jordans Pariser Stammgalerie ist ebenfalls in Straßburg vertreten. Weitere deutsche Aussteller sind die Berliner Galerie Born, Lauth aus Ludwigshafen und Baden Art aus Offenburg.

Ein Künstler, der sich versteckt

Aus Italien reisen drei Galeristen an, darunter Paola Forni aus Bologna, die Arbeiten des in der italienischen Vedutten-Tradition arbeitenden Tommaso Ottieri anbietet. Ein Heimspiel ist die „St-Art“ für den Straßburger Art Brut-Spezialisten Jean-Pierre Ritsch-Fisch, der auch im Auswahlkomitee der Messe sitzt. Er zeigt etwa die fragil-komplexen Eisenkonstruktionen des scheuen Art Brut-Künstlers ACM, der sich hinter seinen Initialen versteckt. Seine Werke befinden sich in der Art Brut-Sammlung im Museum LAM in Lille und in der Privatsammlung von Antoine de Galbert, dem Gründer und Leiter des Pariser „maison rouge“.

Alexander Nicolas, "Der Tod", 2011, AD Galerie auf der St-Art in Straßburg 2011. (Ausschnitt) Nicolas - AD Galerie

Alexander Nicolas, "Der Tod", 2011, AD Galerie auf der St-Art in Straßburg 2011. (Ausschnitt)

Trend-Thema Tod

Aus Paris kommt der Galerist Laurent Strouk, der bereits auf der „Art Paris“ 2010 und der „Show Off“ 2011 monografische Stände mit den immer rabiater werdenden Malereien von Philippe Pasqua zeigte. Ergänzend bietet Strouk den Vanitas-Kitsch von Pasqua mit Skeletten und Totenköpfen an. Pasqua lässt sich von Damien Hirst und dessen Totenköpfen inspirieren, auf die er auch noch voll Ironie die Hirst’schen Schmetterlinge setzt.

Offensichtlich liegt die Thematik des „Memento Mori“, das Erinnern an den Tod, im Trend, denn auf den Pariser Herbstmessen um die Fiac wimmelte es von Skeletten und Totenköpfen. Das Vanitas-Sujet behandelt auch der Franzose Alexandre Nicolas, den die Galerie AD aus Béziers gerade auf der „Art Elysées“ in Paris präsentierte und zur „St-Art“ mitbringt. Nicolas gießt plastische Gestalten, die er „Foetalstatuen“ nennt, in synthetische Kristallblöcke. Meist stammen sie aus der Comics- oder Science-Fiction-Welt.

Für das Totentanz-Thema schließt Nicolas Skelette in seine Glasblöcke ein. Die Exponate existieren in je acht Exemplaren zu je zirka 8.000 Euro. Dass sich die teils grellfarbigen Batman- und Spiderman-Foeten in den Kristallblöcken ausgezeichnet verkaufen, ist ein Phänomen. Sie liegen jedenfalls in der Preisspanne zwischen 1.000 und 10.000 Euro und damit innerhalb des Rahmens, den sich die „St-Art“ verordnet hat. Sie versteht sich als eine Messe für Einsteiger. Warum sie jedoch eine Galerie wie Laurence Esnel aus Paris akzeptiert, ist unverständlich. Man sah die ärgerlichen Porträt - Malprodukte des einzigen Künstlers der Galerie, H. Craig Hanna, gerade erst auf der Pariser Minimesse „Show Off“ 2011.

Von

Olga Grimm-Weissert

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