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23.10.2015

12:08 Uhr

Städel Museum

Aug in Auge mit Goethe

VonHarald Raab

Zum 200-jährigen Bestehen lässt das Städel hochkarätige Leihgaben aus aller Welt auf eigene Meisterwerke treffen. Die Gegenüberstellungen mit den „Jubiläumsgästen“ offenbaren erstaunliche Verbindungen und werfen neue Fragen auf.

"Johann Wolfgang von Goethe" mit den Augen von Andy Warhol gesehen. Der Siebdruck gehört zur Ausstellung "Dialog der Meisterwerke" im Städel Museum. Foto: Alexander Heinl/dpa dpa

Begegnung mit den Besten

"Johann Wolfgang von Goethe" mit den Augen von Andy Warhol gesehen. Der Siebdruck gehört zur Ausstellung "Dialog der Meisterwerke" im Städel Museum. Foto: Alexander Heinl/dpa

FrankfurtDas Frankfurter Städel Museum stellt zu seinem 200. Geburtstag unter Beweis, dass es trotz schärfster Konkurrenz immer wieder Leitfunktion in Deutschland übernehmen will und auch dazu in der Lage ist. Es geht nicht nur darum, solide Tradition und Innovationskraft zu beweisen. Vielmehr will es auch zeigen, dass das vom bürgerschaftlichen Engagement getragene Museum ein Zukunftsmodell auch in der digitalen Welt ist.

Unter den ehrgeizigen Jubiläumsveranstaltungen ist die neue Ausstellung „Dialog der Meisterwerke. Hoher Besuch zum Jubiläum" ein Highlight; auch weil mit großem Gewinn ein neues, themenübergreifendes Format ausprobiert wurde. 65 Meisterwerke der Weltkunst sind bis zum 24. Januar 2016 Gast in allen Abteilungen der Schausammlung und treten in 40 Konstellationen mit herausragenden Bildern des Museums in eine teils eine spannende, teils überraschende Beziehung zueinander.

Betrachtungen angesichts von Sandro Botticellis weiblichen Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe), das Dante Gabriel Rossettis Porträt «Fazio`s Mistress (Aurelia)» gegenübergestellt ist. Foto: Alexander Heinl/dpa dpa

Dialogführung im Städel Museum

Betrachtungen angesichts von Sandro Botticellis weiblichen Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe), das Dante Gabriel Rossettis Porträt «Fazio`s Mistress (Aurelia)» gegenübergestellt ist. Foto: Alexander Heinl/dpa

So eröffnen sich neue Horizonte für das Verständnis des Kunstschaffens vieler Epochen. Zudem erschließt sich die aktuelle Kunst letztlich als Kontinuum dessen, was schon vor Hunderten von Jahren gedacht und erarbeitet worden ist. Die Besucher sehen Kunstwerke, zu denen sie sonst Hunderte bis Tausende Kilometer reisen müssten. Gleichzeitig wird der Städel-Sammlung selbst neuer Glanz verliehen.

Ideal und Schönheit

Wenn Johann Wolfgang von Goethe auf dem berühmten Monumentalgemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1787) seinem Konterfei auf Andy Warhols Siebdruck gelassen in die Augen blickt, dann liegen Welten und Sehweisen dazwischen. Die Distanz könnte größer nicht sein. Wenn Simonetta Vespucci als Nymphe von Sandro Botticelli (um 1480-1485) mit „Fazio's Mistress“ (1863) des britischen Präraffaelisten Dante Gabriel Rosetti in Schönheitskonkurrenz tritt, dann werden sehr unterschiedliche Frauenideale in fast 400 Jahre Abstand lebendig. Die Botticelli-Maid mit verhalten-züchtiger Jungfräulichkeit, die Rosetti-Schöne, die sinnlich verspielt ihr rotes Haar flicht.

Frühe Werke von Baselitz

Badeszenen von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Erich Heckel zeigen Gemeinsames und Trennendes in der zeitgleichen Bearbeitung desselben Themas. Dialoge führen Edgar Degas' Bühnen- und Ballett-Bilder, Arnold Böcklins unterschiedlich ausgestaltete Versionen von der „Villa am Meer“ oder Picassos streng kubistische Porträts. Thomas Struth steuert seine kühl-distanzierten Museumsfotografien bei. Etwas Besonderes ist auch die Präsentation früher Werke von Georg Baselitz. Als sie 1963 zum ersten Mal in einer Ausstellung gezeigt wurden, sorgten sie für einen veritablen Skandal.

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