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17.02.2015

17:49 Uhr

Standortwechsel

Berlin ist schwierig für junge Galerien

Galerist Markus Lüttgen hat seine erste Ausstellung in Köln eröffnet. Berlin kehrte er nach sechsjähriger Zusammenarbeit mit Robert Meijer den Rücken. Auch Philipp Figge und Philipp von Rosen beendeten ihre Zusammenarbeit und machten ihre Berliner Dependance dicht.

Blick in die Ausstellung des britischen Konzeptkünstlers Chris Evans bei Markus Lüttgen in Köln. Quelle: Galerie Markus Lüttgen, Köln

Chris Evans in der Galerie Lüttgen

Blick in die Ausstellung des britischen Konzeptkünstlers Chris Evans bei Markus Lüttgen in Köln. Quelle: Galerie Markus Lüttgen, Köln

KölnEr habe sich in Berlin nicht besonders wohlgefühlt, erzählt Markus Lüttgen konzentriert. Die Größe der Stadt und ihre Lage hätten in ihm ein Gefühl von einer Art Isolation aufkommen lassen. „Ich stellte fest, dass ich mich immer weniger für Dinge außerhalb meines Galeriegeschäfts engagierte.“ Der 47-Jährige Mönchengladbacher zog im Jahr 2004 von Köln nach Berlin, um die Johnen Galerie mit aufzubauen. Zuvor hatte der gebürtige Mönchengladbacher in der Domstadt bei Johnen + Schöttle als Direktor und bei der mittlerweile in New York ansässigen Tanja Grunert gearbeitet.

Den Kunstbetrieb kennt Lüttgen also gut. Er erlebte die Hoch-Zeit in Köln ebenso wie die Entwicklung Berlins hin zur wichtigsten Kunstmetropole Deutschlands. 2008 gründete er dort gemeinsam mit Robert Meijer die Galerie Lüttgenmeijer. Mit Meijer teilte er sich die Aufgaben. Dieser kümmerte sich um die Künstler, Lüttgen übernahm die Sammlerbetreuung. „Das war sehr angenehm, mit jemandem zu arbeiten, mit dem man sich problemlos auf das Programm einigen konnte“, sagt Lüttgen.

Wenig getan für junge Galerien

Nach sechs Jahren Zusammenarbeit kehrte Lüttgen im letzten Jahr zurück nach Köln. Meijer zog sich ganz aus dem Betrieb zurück. „Schlussendlich wollte ich wieder in Köln leben, weil ich mich hier wohler fühle“, betont Lüttgen. In Berlin hatte er außerdem nicht den Eindruck, dass für junge Galerien genügend getan werde.

Lüttgen vermisste spezielle Einkaufsprogramme, etwa auf der heute nicht mehr stattfindenden Messe Art Forum, um Werke auch in Institutionen platzieren zu können. Das ist für die Reputation einer Galerie immens wichtig. Der Zugang zu den Museen in Köln sei einfacher als in Berlin. „Hier erfährt man eine ganz andere Beachtung, für das, was man tut“, findet Lüttgen. Ein Vorteil für ihn ist sicherlich auch, dass sich viele seiner Wegbegleiter mittlerweile in Entscheidungspositionen in den Museen und Kunstvereinen im Rheinland befinden. In Köln und Düsseldorf finden die jungen Händler ohnehin mehr Beachtung, weil sie nicht zwischen Hunderten anderer Galerien unterzugehen drohen.

Chris Evans: "Untitled (Drippy Etiquette)", 2014/15, "Is that The Sun or the Morning Star", Die Arbeit besteht aus drei Airbrush-Gemälden zusammen mit Open Letter to Morning Star, (URL & Brief kann bei der Galerie erbeten werden) sowie verkohlten Lärchenstämmen und Zement. Quelle: Galerie Markus Lüttgen, Köln

Chris Evans-Ausstellung bei Markus Lüttgen

Chris Evans: "Untitled (Drippy Etiquette)", 2014/15, "Is that The Sun or the Morning Star", Die Arbeit besteht aus drei Airbrush-Gemälden zusammen mit Open Letter to Morning Star, (URL & Brief kann bei der Galerie erbeten werden) sowie verkohlten Lärchenstämmen und Zement. Quelle: Galerie Markus Lüttgen, Köln

Zusammenarbeit mit Würmern

Auch die intensive Arbeit mit den Künstlern übernimmt Markus Lüttgen gern wieder eigenverantwortlich. Beinahe alle Künstler aus dem in Berlin aufgestellten Programm wird er weiterhin vertreten. Für seine gerade eröffnete erste Ausstellung im zweistöckigen Ladenlokal in der Kölner Schaafenstraße wählte er den Briten Chris Evans. Evans ist Konzeptkünstler und fügt sich in die Strukturen von Unternehmen ein, um diese aufzuzeigen.

Evans’ Installation „Untitled (Drippy Etiquette)“ versinnbildlicht die geplatzte Kooperation mit der britischen Zeitung „Morning Star“: Evans bot dem sozialistischen Blatt an, ein neues Erscheinungsbild zu entwerfen. Die Verantwortlichen zogen sich jedoch aus dem Projekt zurück, als sie erfuhren, dass ein Finanzunternehmen beteiligt sein würde. Zu sehen sind im Raum quer genagelte verkohlte Lärchenstämme und Airbrush-Illustrationen von Würmern.

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