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03.11.2016

14:09 Uhr

Star-Sammlerin Julia Stoschek

„Finger weg vom Art Consulting!“

VonThomas Tuma

Die Unternehmertochter und Star-Sammlerin Julia Stoschek spricht mit dem Handelsblatt Magazin über den Zusammenhang von Kunst und Cash, ihr eigenes mieses Verkaufs-Talent und die dubiose Szene selbsternannter Kunstberater.

„Ich ziehe vor jedem, der sich heutzutage entscheidet, Künstler zu werden, meinen Hut.“ Jonas Lindström für Handelsblatt Magazin

Sammlerin Stoschek

„Ich ziehe vor jedem, der sich heutzutage entscheidet, Künstler zu werden, meinen Hut.“

DüsseldorfDer weltweite Kunstmarkt wird derzeit von regelmäßigen Auktions-Exzessen befeuert: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass irgendwo neue Rekordsummen für alte oder neue Meister erzielt werden. Was läuft da schief? „Ich bin eine Verfechterin der freien Marktwirtschaft, daher sage ich: Da läuft gar nichts schief. Solange Menschen bereit sind, immer höhere Summen für Kunstwerke zu bezahlen, ist das eben so“, verteidigt die prominente Düsseldorfer Kunstsammlerin Julia Stoschek im Gespräch mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin die Szene. Andererseits sei „der Kunstmarkt kein Basar. Da wird nicht um jeden Euro gefeilscht.“

Stoschek ist ein Spross des Coburger Automobil-Zulieferers Brose, den ihr Vater zu einem Multi-Milliarden-Imperium ausgebaut hat. Da lag es nah, dass die heute 41-Jährige zunächst artig Betriebswirtschaft studierte, um eventuell in den elterlichen Konzern einzusteigen. Doch dann entdeckte sie die Kunst – und versuchte sich anfangs als Galeristin. Mit sehr überschaubarem Erfolg: „Ich verkaufte kein einziges Werk. Am Ende dieser Zeit übernahm ich aus Leidenschaft einen Teil der ausgestellten Arbeiten selbst. Als Verkäuferin war ich wohl tatsächlich ungeeignet“, sagt Stoschek. In der Rolle der Käuferin sollte es deutlich besser laufen.

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Danach baute sie sich in Düsseldorf in einer alten Fabrikhalle ein eigenes Museum für zeitgenössische Videokunst, das mittlerweile Weltruf genießt, wohl auch, weil Stoschek sich schnell einem klaren Ziel verschrieb: bei der für viele Augen immer noch recht sperrigen Video-Kunst „ausschließlich Qualitätsarbeiten, echte Masterpieces auszuwählen“. Ihre Kritik: „Der Kunstmarkt wird ja leider dominiert von starkem Name-Dropping. So entstehen viele Sammlungen, die sich in ihrem Bestand untereinander sehr ähneln. Das ist nicht mein Ansatz. Ich sammle nicht nach Künstlernamen, sondern relevante Hauptwerke.“

In ihrer Wahlheimat Düsseldorf hätte es da nahegelegen, auch mit einem umtriebigen Berater wie Helge Achenbach in Kontakt zu kommen. Der schillernde Kunsthändler war vergangenes Jahr zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er unter anderem den Aldi-Erben Berthold Albrecht beim Kunstkauf beriet – und übers Ohr haute. „Ich bin heute ziemlich froh darüber, dass ich von Anfang an großen Wert darauf gelegt habe, mich nicht beraten zu lassen“, urteilt Julia Stoschek. „Das würde bei mir auch nicht funktionieren, weil ich viel zu dickköpfig wäre, mir von jemand anderem erklären zu lassen, was in meine Sammlung passt. Insofern wäre mein Rat immer: Finger weg von Art Consulting!“

Den Zusammenhang zwischen Cash und Kunst sieht sie nüchtern: „Geld als Selbstzweck hat mich nie interessiert. Und ich habe die Sammlung nie als Investment verstanden, sonst könnte ich viel erfolgreicher sammeln“, so Stoschek, die sich inzwischen ein zweites Ausstellungs-Standbein in Berlin gönnt: Im ehemaligen tschechoslowakischen Kulturzentrum der DDR an der Leipziger Straße in Berlin-Mitte präsentierte sie jüngst erfolgreich die Schau „Welt am Draht“. Der Hauptstadt prophezeit sie großes Potenzial: „90 Prozent unserer europäischen Künstler leben mittlerweile in Berlin. Und die Stadt hat sich darüber hinaus zur Metropole der Start-ups entwickelt, was zu unserer medienbasierten Kunst wirklich passt. Zudem gibt es hier ein sehr interessiertes und sehr internationales Publikum. Wir hatten hier in den ersten vier Wochen 10.000 Besucher.“

Zur Berlinale im Februar plant sie deshalb bereits die nächste Ausstellung, „die hoffentlich auch das besonders filmaffine Publikum anlockt.“ Verkauft hat sie noch nie eines ihrer Kunstwerke. Und auch Geldverdienen will Julia Stoschek mit ihren Exponaten nicht. Sowohl in Düsseldorf wie in Berlin ist der Eintritt frei: „Die Sammlung wird dennoch täglich wertvoller. In jeder Hinsicht.“

Kommentare (2)

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Lothar dM

03.11.2016, 15:15 Uhr

Nen tollen Papi hat die Julia!

Herr Christophe Zuber

03.11.2016, 16:27 Uhr

hi hi, ich wäre auch so ein Kunstberater;) www.artnsport61.wordpress.com

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