Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.05.2014

13:47 Uhr

Start der dritten Staffel

Sherlock, der charmante Soziopath

VonFinja Seroka

Ohne Morde langweilt er sich und Gefühle sind für ihn ein chemischer Defekt: Der moderne Sherlock Holmes der BBC, dessen 3. Staffel am Donnerstag bei der ARD anläuft, ist ein Soziopath. Warum wir ihn trotzdem lieben.

DüsseldorfDie ARD schickt zur besten Sendezeit einen Soziopathen auf Verbrecherjagd: Im Trenchcoat und mit Detektiv-Kappe streift Sherlock Holmes durch das London des 21. Jahrhunderts. Als „Consulting Detective“, beratender Detektiv, löst er Kriminalfälle für die Polizei – wie in der Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle.

Doch ebenso wie die Stadt, in der die Serie der britischen BBC spielt, ist auch die Hauptfigur in der heutigen Zeit angekommen: So kombiniert Sherlock, gespielt von Benedict Cumberbatch, nicht nur unfassbar schnell, sondern kennt sich auch in der digitalen Welt aus – und nutzt sie. Im Stil von „Minority Report“ etwa fliegen SMS in weißer Schrift ins Bild.

Anfang des Jahres lief die dritte Staffel von „Sherlock“ bereits in Großbritannien und zog bis zu 13 Millionen Menschen vor die Fernsehbildschirme. An diesem Donnerstag sendet die ARD um 21.45 Uhr die erste neue Folge.

Was Sie noch nicht über Sherlock wussten

In 180 Länder...

… hat die BBC die erste Staffel bereits verkauft. In den USA, in Norwegen und Dänemark lief bereits die dritte Staffel im Januar, in Schweden im Februar.

Einen unerwarteten Titel...

... heimste Benedict Cumberbatch ein. 2012 wählte die britische Tageszeitung „The Sun“ den Sherlock-Darsteller zum „Sexiest Man Alive“ – noch vor David Beckham und Johnny Depp. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der Sexiest Man Alive sein soll, ich bin ja nicht einmal der sexiest Man in meiner Wohnung und ich bin der einzige Mann, der dort wohnt“, witzelte der heute 37-Jährige im Interview. Früher verlor er sogar oft Rollen an besser aussehende Kollegen: „Normalerweise werde ich als elegischer, problembeladener Intellektueller und schlechter Liebhaber besetzt.“

221 B Baker Street...

… heißt eigentlich 189 North Gower Street. Unter dieser Adresse auf der kleinen Querstraße der Euston Road im gleichnamigen Londoner Stadtteil befindet sich ein Wohnhaus mit „Speedy’s“ Sandwichbar, dessen Schild für die Dreharbeiten abmontiert wurde. Die Original-Baker-Street ist deutlich breiter und wegen des dortigen Lärms nicht für Filmaufnahmen geeignet.

Die Rolle des Mycroft Holmes...

... – Sherlocks Bruder im Dienste der britischen Regierung – wird verkörpert von Mark Gatiss, Serienschöpfer und Drehbuchschreiber.

Der Mantel...

… von Sherlock Holmes stammt vom Londoner Modelabel Belstaff. Designt wurde der lange Milford-Mantel aus irischer Wolle vom preisgekrönten Designer Ray Holman. Belstaff führte den Mantel nicht mehr, nahm ihn allerdings nach dem großen Erfolg der Serie 2010 wieder ins Sortiment auf. Für 1350 Pfund ist er zu haben, derzeit allerdings bereits schon wieder nicht mehr zu kaufen.

Sherlockmania...

... in England: Eine britische Tageszeitung widmete nach dem Ende der 2. Staffel möglichen Auflösungen für Sherlocks Überleben trotz Sprung vom Dach eine komplette Doppelseite. Die neue Staffel bescherte der BBC in Großbritannien zum Jahreswechsel Traumquoten. 9,2 Millionen Briten sahen die Auftaktfolge, das war ein Drittel (33,8 Prozent) aller Zuschauer. Auch die vorangegangenen Folgen sahen um die neun Millionen Zuschauer auf der Insel.

In einen Weltrekordversuch...

... mündet der Sherlock-Hype in Großbritannien. Am 31. August 2014 sollen so viele Menschen wie noch nie zuvor wie Sherlock Holmes gekleidet zusammenkommen. Stattfinden soll der Rekordversuch in der Nähe von Leeds. Für 15 Pfund kann man sich registrieren und die Ausstattung leihen. Das Geld geht an eine gemeinnützige Stiftung.

Fortsetzung...

... folgt. Die Serienschöpfer Steven Moffat und Mark Gatiss haben bereits signalisiert, dass es eine vierte Staffel nicht zugleich das Ende dieses Erfolgsformats ist, angeblich ist sogar schon eine fünfte in Planung. Die Vorbereitungen zu vierten Staffel laufen bereits. Wann die neuen Folgen ins Fernsehen kommen, ist noch nicht bekannt. Das große Problem: Martin Freemann (Watson) und Benedict Cumberbatch (Holmes) sind mittlerweile gefragte Hollywood-Schauspieler – Drehtermine sind schwer zu finden.

Die Ausstrahlungen...

... in der ARD laufen an den anstehenden Feiertagen: „Sherlock: Der leere Sarg“, Donnerstag (Himmelfahrt), 21.45 Uhr. „Im Zeichen der Drei“, 8. Juni, und „Sein letzter Schwur“, 9. Juni (Pfingsten), jeweils 21.45 Uhr.

Ein Jahr in Tibet...

… verbrachte Benedict Cumberbatch nach der Schule in einem Kloster und lehrte dort Englisch bevor er an der Universität in Manchester Schauspiel studierte.

Fast zwei Jahre mussten die Zuschauer auf die Rückkehr des unnahbaren Ermittlers warten – eines Genies, das sich nicht um soziale Normen kümmert und zu seinen Mitmenschen überaus grob sein kann. So bringt Sherlock bei der ersten Begegnung mit John Watson, gespielt von Martin Freeman, nicht einmal ein „Hallo“ über die Lippen, sondern spricht ihn direkt auf seine Militärvergangenheit und seine alkoholabhängige Schwester an. Bei den Kriminalfällen kümmert sich Sherlock mehr um das Rätsel als um die Betroffenen. Und während er in einer unglaublichen Geschwindigkeit die Indizien zu einem Gesamtbild vereint, kann er mit seiner arroganten Art seinen Mitmenschen ganz schön auf die Nerven gehen.

Und doch zieht uns dieses kühle Genie, das die Liebe als „chemischen Defekt“ abstempelt, in seinen Bann. Angesichts der unzähligen Fan-Seiten könnte man fast von einer Obsession sprechen.

„Ich bin kein Psychopath. Ich bin ein hochfunktionaler Soziopath“, beschreibt Sherlock sich selbst ohne einen Anflug von Ironie. Und tatsächlich: Der moderne Sherlock Holmes scheint viele Merkmale eines Soziopathen zu haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×