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27.01.2014

15:14 Uhr

Stefan Raab in New York

„In punkto Show muss sich Deutschland nicht verstecken“

Von Köln-Mülheim nach Manhattan: Eine Woche lang sendet Stefan Raab aus New York. Im Interview verrät der Moderator, warum deutsche Shows mit amerikanischen mithalten können, die Amis aber die besseren Serien machen.

Moderator Stefan Raab sendet eine Woche lang aus New York. dpa

Moderator Stefan Raab sendet eine Woche lang aus New York.

New YorkNeuer Betriebsausflug für das „TV Total“-Team: Nach Stockholm, Istanbul und Oslo, wo die Show in den vergangenen zehn Jahren jeweils anlässlich des Eurovision Song Contests gastierte, zieht die Sendung ab Montag für eine Woche nach New York. Diesmal ist der Super Bowl, das Finale der American Football-Profiliga am 2. Februar, der Anlass für den Ausflug. Ein winziges Studio am Times Square sei gemietet worden, sagt Moderator Stefan Raab (47) im Interview der Nachrichtenagentur dpa – und erzählt, warum sich das deutsche Fernsehen seiner Meinung nach hinter dem amerikanischen nicht verstecken muss und was er in seiner freien Zeit in New York unternehmen will.

Warum New York?

Stefan Raab: Ja, das hat sich so ergeben. Unser Kommentator von „Schlag den Raab“, Frank Buschmann, kommentiert den Super Bowl und da haben wir vor einem Dreivierteljahr mal drüber gesprochen. Das wird ja von Sat.1 übertragen, das gehört zur ProSiebenSat.1-Gruppe, und da haben wir gesagt, das wäre doch schön, wenn wir das mal wieder hinkriegen, dass wir mit dem gesamten Team auf Klassenfahrt gehen. Die Mitarbeiter freuen sich alle, dass sie mal, ohne selbst so tief in die Tasche greifen zu müssen, nach New York kommen und das bot sich halt so an - und jetzt sind wir hier.

Vom Metzger zum Fernseh-Visionär

Lehre zum Metzger

Den Eltern gehörte eine Metzgerei in Köln-Sülz. Dort absolvierte Stefan Konrad Raab eine Ausbildung. Er studierte auch einige Semester Jura. Die Lehre als Metzger verstand er bereits als Wettbewerb – und schloss als Bezirksbester mit Auszeichnung ab. Unter seiner Führung expandierte die Metzgerei bis hin zu einer Schnitzellounge im benachbarten Düsseldorf. Regelmäßig veranstaltete er Wettbewerbe Schweinskopf-Weitwerfen.

Jingle-Produzent

Jenseits der Fleischbranche reüssierte Stefan Raab als Produzent von Jingles. 1990 machte er sich damit selbstständig. Die alte Wurstküche wurde zum Tonstudio umgebaut. Er komponierte die Anfangsmusiken für Talkshows wie Veronas Welt oder das ARD-Morgenmagazin und produzierte für Künstler wie Bürger Lars Dietrich und Die Prinzen. Auch dem Musiksender Viva machte er ein Songangebot. Die Programmverantwortlichen luden Raab stattdessen zum Casting ein. 1993 wird der Kölner Moderator von „Vivavision“.

Prinzip Provokation

Vivavision wurde zum Versuchslabor für Raabs spätere TV-Formate. In trashiger Umgebung setzten die Macher vor allem auf: Provokation. Der Produzent der Sendung, Marcus Wolter, entwickelte auch TV Total – seit 1999 läuft die Sendung auf ProSieben. In Rubriken wie „Raab in Gefahr“ brach er beim Konkurrenz-Sender RTL ein oder veralberte Branchengrößen wie Rudi Carrell in sogenannten „Raabigrammen“. Kleine Fernsehausschnitte dienten als Grundlage für Gags.

Heftig kritisiert

Mehrfach amüsierte sich der Moderator zum Beispiel über einen kleinen Ausschnitt des Hessischen Rundfunks, in dem eine 16-Jährige sich kurz äußerte. Sie hieß Lisa Loch – wegen ihres Namens empfahl Raab eine Karriere im Porno-Geschäft. Anschließend verpflichtete ihn ein Gericht zur Zahlung von 70.000 Euro Schadensersatz. „Was Raab hier macht, ist Unterhaltung nach dem Motto: Je niedriger die Schublade, desto höher die Quote“, sagte beispielsweise der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Immer wieder fiel Raab durch politisch unkorrekte Äußerungen auf.

Eurovision Songcontest

Seine Begeisterung für den heutigen Eurovision Songcontest lebte Stefan Raab schon früh aus. Für Guildo Horn komponierte und textete er 1998 „Guildo hat euch liebt“, zwei Jahre später trat er selbst mit „Wadde hadde dudde da?“ auf, er brachte den Sänger Max Mutzke zum Wettbewerb, veranstaltete später in Zusammenarbeit mit der ARD die Sendung „Unser Star für Oslo“. Bei der Castingshow wurde die damals 18-jährige Lena Meyer-Landruth entdeckt. Mit ihr gewann Stefan Raab den ersten Platz beim Grand Prix und holte den Wettbewerb nach Deutschland. 2012 stieg er offiziell aus, er habe beim Songcontest alles erreicht.

Quotenbringer seines Senders

Bundesjugendspiele für Erwachsene oder ein schier endloses Spiel ohne Grenzen: Stefan Raab entwickelte unzählige TV-Formate und gilt heute als Visionär des Privatfernsehens. Eines der ersten war die Wok-WM 2003, es folgten Stock-Car-Challenges, der Bundesvision Songcontest, das TV Total Turmspringen, Pokernächte unter dem Label seiner täglichen Sendung, die Autoball-Meisterschaften und Schlag den Raab. Fast alle Versuche gelangen mit unterschiedlich großem Erfolg: Schlag den Raab – ein Bewerber muss im direkten Wettbewerb gegen Raab überzeugen, um einen bestimmten Geldbetrag zu gewinnen – ist bis heute ein Quotenbringer am Samstagabend.

Raab und die Politik

2005 veranstaltete Stefan Raab am Vorabend der Bundestagswahl eine Gesprächsveranstaltung mit Vertretern aller Parteien. Als Co-Moderator trat N24-Mann Peter Limbourg auf. Das Televoting nahm überraschend genau das Abstimmungsverhalten junger Wahlberechtigter vorweg. Im Herbst 2012 startete „Absolute Mehrheit“: Raab versprach nicht weniger als eine Wiederbelebung der politischen Talkshow. Wieder stand Wettbewerb im Mittelpunkt: Per Telefonabstimmung konnte einer der Teilnehmer der Gesprächsrunde gewinnen. Wer bei diesen Stimmen die absolute Mehrheit erzielte, gewann einen Geldbetrag. Insgesamt gab es sechs Sendungen.

Kanzlerduell

Das Bild Stefan Raabs in der Öffentlichkeit hat sich längt gedreht. Der einstige Berufsprovokateur moderierte 2013 sogar das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD). Raab selbst schottet sich ab. Seit 2004 gibt er dem Sender RTL und der „Bild“-Zeitung keine Interviews mehr. Private Fragen beantwortet er nicht und geht gegen Berichterstattung über seine Familie auch gerichtlich vor.

Wie wird das Ganze ablaufen?

Wir haben ein kleines Studio am Times Square, das ist so ein ganz kleiner Club, da passen gerade wir rein und noch 15 Zuschauer. Aber hier kann man ja auch mal ein bisschen was anderes machen als in Deutschland. Hier kann ich auf der Straße drehen, ohne dass die Leute direkt aufmerksam werden, das ist in Deutschland mit zunehmendem Bekanntheitsgrad ein bisschen schwieriger geworden. Der Überraschungseffekt ist halt nicht mehr da, weil die wissen, jetzt kommt der, schnell weg, der will Späße mit uns machen.

Ist New York denn eine besondere Klassenfahrt-Station für Sie?

Hier passiert natürlich sehr viel und hier ist immer was los. Das bietet auch eine gute Möglichkeit, neben der Sendung Freizeitgestaltung zu betreiben. Ich schaue mir gerne Konzerte an in kleinen Clubs, irgendwelche Jazz-Gigs. Wenn sich das Praktische mit dem Nützlichen verbinden lässt, dann haben wir es richtig gemacht.

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