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23.10.2011

14:43 Uhr

Steven Spielberg

"Ich liebe es, Seemannsgarn zu spinnen"

Bei der Weltpremiere von „Tim und Struppi“ hat Starregisseur Steven Spielberg sich feiern lassen. Im Interview verrät er, warum er früher Sandburgen baute und dass es mit „Indiana Jones“ in jedem Fall weitergehen soll.

Steven Spielberg hat in Belgien seinen neuen Animationsfilm präsentiert. AFP

Steven Spielberg hat in Belgien seinen neuen Animationsfilm präsentiert.

Sie haben sieben Kinder. Haben Sie überhaupt noch Zeit fürs Filmemachen?

Oh, ich habe schon genug Zeit. So was wie Zeitstress empfinde ich eigentlich nie. Aber es stimmt, die größte Beschränkung kommt bei mir durch die Familie. Die hat bei mir oberste Priorität. Wenn meine Familie mich braucht, kriegen sie von mir so viel Zeit wie sie wollen. Dann müssen die Filme warten.

Haben Sie sonst noch irgendwelche Einschränkungen in Hollywood - oder bekommen Sie nach Ihren Erfolgen inzwischen alles, was sie wollen?

Also wenn ich einen Film machen möchte, dann mach ich ihn auch. Diese Freiheit habe ich seit dem Erfolg mit „Der weiße Hai“. Auch wenn ich seitdem auch Filme gemacht habe, die kein Geld eingebracht haben, genieße ich immer noch großes Vertrauen. Aber wenn ich zu einem Studio gehe und sage, ich will einen tollen Film drehen, aber ich kann den nicht alleine bezahlen - dann kommt auch schon mal ein Nein von einem Studio. Bisher musste ich aber noch keinen Film alleine finanzieren, will ich auch nicht. Notfalls hätte ich aber immer diese Alternative, da ich ja inzwischen mit Dreamworks mein eigenes Studio habe. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich jede Story umsetzen kann.

Ihre Mitproduzentin bei „Tim und Struppi“ - Kathleen Kennedy - sagt, Sie würden die meiste Zeit mit Arbeiten verbringen. Sind Sie ein Workaholic?

Nein. Ich bin eher ein Filmemacher außer Kontrolle. Ich liebe es einfach, Seemannsgarn zu spinnen. Egal ob ernste historische Stoffe oder große Unterhaltungsstreifen wie jetzt „Tim und Struppi“. Seit ich zwölf Jahre alt war, habe ich Filme gedreht, damals noch auf 8-mm. Ich wüsste gar nicht, wie ich ohne das Filmemachen existieren sollte.

Wenn Sie mit einem Filmdreh beginnen, haben Sie da ein festes Ritual, damit es gut geht?

Ich bin früher mit George Lucas (Produzent der „Indiana-Jones“-Reihe) immer nach Hawaii geflogen. Dort haben wir am Strand Sandburgen gebaut und auf die Flut gewartet. Und wenn die Flut den Großteil der Sandburg stehen gelassen hat, dann waren wir sicher, der Film wird ein Hit. Wurde die Sandburg weggeschwemmt, dann wussten wir, wir haben ein Problem. Aber da waren wir noch jünger.

Apropos George Lucas: Was sagt der eigentlich dazu, dass Sie jetzt mit einem anderen Typen große Abenteuerfilme drehen?

George hat noch nichts dazu gesagt, dass ich auf die dunkle Seite übergewechselt bin (schmunzelt) und jetzt mit Peter Jackson fröhliche Abenteuerfilme mache. Aber ich bin ziemlich sicher, das George nichts dagegen hat. Er mag gute Abenteuerfilme, egal wer sie macht.

Aber verzögern Ihre „Tim und Struppi“-Filme mit Peter Jackson jetzt nicht mögliche weitere „Indiana Jones“-Fortsetzungen?

Nein, die Zukunft der „Indiana Jones“-Reihe liegt voll in der Hand von George Lucas. Er entscheidet, wie es weitergeht. Er hat da so eine Art innere biologische Indiana-Jones-Uhr. Momentan ist er, glaube ich, bereit für einen fünften Film. Und wenn die Uhr endgültig klingelt, dann bin ich als Regisseur sofort dabei.

Von

dpa

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