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25.02.2011

09:18 Uhr

Stuttgart

Erste Urteile gegen Giacometti-Fälscher

VonOlga Grimm-Weissert

Zwei Jahre Haft und hohe Geldstrafen sind die ersten Urteile gegen drei von fünf Hehlern, die mit gefälschten Giacometti-Skulpturen reich werden wollten.

Blick ins Lager der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Quelle: Staatsanwaltschaft Stuttgart

Blick ins Lager der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

ParisIm Prozess gegen eine Giacometti-Fälscherbande aus Mainz und Wiesbaden ergingen die ersten Urteile gegen einen Wiesbadener Kunsthändler, seinen Komplizen und die Frau eines Mainzer Kunsthändlers. Die vermutlichen Haupttäter in dem Quintett, ein Kunsthändler aus Mainz und der sogenannte „Reichsgraf von Waldstein“, die im großen Stil mit gefälschten Skulpturen von Alberto Giacometti handelten, leugnen weiterhin.

 

1200 Skulpturen beschlagnahmt

 

„Hoffnungsträger“ heißt im zwielichtigen Kunsthandel ein dubioses Werk, von dem weder der Verkäufer noch der Käufer wissen, ob es ein Original ist. Nach dem massiven Absatz solcher „Hoffnungsträger“, die die fünf Angeklagten als Skulpturen von Alberto Giacometti (1901-1966) ausgaben, lagerten noch weitere 1200 Werke bis zu ihrer Beschlagnahme im Jahre 2009 durch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg in einem Mainzer bzw. Mannheimer Lager. Im Herbst des Vorjahres begann der Prozess.

 

Hohe Bewährungsauflagen

 

Angeklagt sind ein Mainzer Kunsthändler und dessen Frau, sowie ein sich als „Reichsgraf von Waldstein“ ausgebenden Mann und ein Wiesbadener Kunsthändler und sein Komplize. Der Mainzer Kunsthändler und der „Reichsgraf“ befinden sich seit 2009 in Untersuchungshaft. Die drei anderen Angeklagten, die im Februar ein Geständnis ablegten, wurden wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung zu zwei Jahren Haftstrafen und unterschiedlich hohen Geldstrafen unter Bewährung verurteilt. Die Bewährungsauflagen sind aber erheblich: die Frau des Mainzer Kunsthändlers, in dessen Lager allein 1020 Skulpturen beschlagnahmt wurden, muss kürzlich geerbte Grundstücke innerhalb von zwei Jahren veräußern und den Erlös zur Wiedergutmachung des  Schadens einsetzen. Ihr Mann gestand am 17. Februar, dass er wusste, die Skulpturen kämen nicht aus dem Atelier von Alberto Giacometti. Er nahm jedoch anschließend sein Geständnis schrittweise wieder zurück.

 

Ein Buch sollte Käufer überzeugen

 

Der Mainzer Kunsthändler gestand auch zuerst, der Autor des Buches „Diegos Rache“ zu sein, das dazu diente, Händlern und Privatsammlern vorzugaukeln, dass die angebotenen Skulpturen aus dem geheimen Nachlass von Diego Giacometti, dem Bruder des Bildhauers, kämen. In der Folge revidierte er auch diese Aussage, um den „Reichsgrafen“ als den Initiator von „Diegos Rache“ zu bezeichnen. Der „Reichsgraf“ behauptet weiterhin, die Skulpturen wären echt und  verzögert den Prozess.

 

Der Mainzer Kunsthändler gab keine Auskunft über die Aufteilung der erzielten Geldbeträge zwischen den Angeklagten. Auch der Verbleib des Geldes und die Herkunft der gefälschten Skulpturen, die vermutlich aus China über Thailand nach Deutschland kamen, sind noch unklar. Die von Staatsanwältin Mirja Feldmann beantragten neun Jahre Haft, die ein Geständnis gemildert hätte, werden vermutlich vom Stuttgarter Richter gegen ihn aufrecht erhalten.

Der entstandene Schaden kann im Hinblick auf den Preis für eine kleine Skulptur von Alberto Giacometti, die auf der Pariser Kunstmesse „Fiac“ im Oktober 2010 von der Galerie Gagosian für 2 Mio. Euro angeboten wurde, in Milliardenhöhe kalkuliert werden.

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