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11.03.2011

09:51 Uhr

Surrealismus

Wie André Masson im Gespräch bleibt

VonOlga Grimm-Weissert

Ein Millionenpreis im Auktionssaal, das frisch erschienene Werkverzeichnis und eine Ausstellung halten die Erinnerung an den Surrealisten André Masson wach. Geschickt zieht der Nachlass alle Register der Marktpflege.

André Massons Gemälde "Gradiva" von 1939 kaufte das Museum Centre Georges Pompidou in Paris an. Quelle: Sotheby's Katalog

André Massons Gemälde "Gradiva" von 1939 kaufte das Museum Centre Georges Pompidou in Paris an.

ParisDank koordinierter Aktionen seiner Erben bleibt der surrealistische Maler André Masson (1896-1987) seit Ende 2010 kontinuierlich im Gespräch. Das Highlight war der Weltrekord für Massons gewaltiges Gemälde "Gradiva" von 1939, das Sotheby's am 8. Dezember in Paris für 2,4 Mio. Euro zuschlagen konnte.

Das Staatliche Museum Centre Georges Pompidou erwarb "Gradiva" per Vorkaufsrecht. Kürzlich wurde das Gemälde dem Museum mit dem Spitznamen "Beaubourg" offiziell übergeben. Die Finanzierung übernahmen der Kulturgut-Fonds des Kulturministeriums und die Gesellschaft der Freunde des Museums bei, da der Jahresankaufsetat des Museums nur 2,5 Mio. Euro beträgt.

Nomadische Streifzüge durch Paris

Unmittelbar zuvor war das Werkverzeichnis der Gemälde in drei Bänden erschienen, das die Jahre 1919 bis 1941 erfasst. André Massons Schwiegertochter Guite Masson stellte diesen "Catalogue raisonné" zusammen, den der Schweizer Verlag ArtAcatos herausgibt.

Sammler, Händler und Auktionshäuser stützen sich in allen Fragen der Echtheit, Datierung und Wertbestimmung auf das Werkverzeichnis. Doch Guite Masson hat auch das breite Publikum im Visier. Denn sie initiierte eine Einzelausstellung im Pariser Musée du Montparnasse. Dort stellt sie ihren Schwiegervater als unermüdlichen Fußgänger vor: "Ein Nomade in Paris, André Masson" heißt die Schau.

Sehen und Skizzieren

Die Ausstellung konfrontiert Zeichnungen, Aquarelle und einige Gemälde von Masson mit Fotografien und Zeitdokumenten. Eine Gegenüberstellung der Realität der Pariser Strassen, die Masson vom Süden nach Norden und Westen zu Fuß abschritt, mit deren künstlerischer Umsetzung auf dem Zeichenblock, den der Maler immer griffbereit in der Tasche hatte: "Er zeichnete, so wie andere Menschen atmen", erklärt Guite Masson, Kuratorin und Nachlassverwalterin.

Die Schau folgt chronologisch dem Leben Massons, der abwechselnd in der Provinz und in Paris lebte, wo er in den 1920er- und 1930er-Jahren die Surrealisten um André Breton frequentierte und mit Joan Miro und Jean Dubuffet eng befreundet war. Während der Immigration traf er in den USA viele Surrealisten wieder.

Die sehr dunkeltonigen Gemälde der Kriegsjahre fehlen selbstverständlich in der auf Paris beschränkten Ausstellung. Sie standen 2005 in der Pariser Galerie Cazeau-Béraudière (jetzt Galerie Béraudière, Genf) im Mittelpunkt einer eigenen Ausstellung.

Das Innere der Metropole

Besonders eindrucksvoll sind die Skizzen und Gemälde, die Masson in den 1960er-Jahren in den Schlachthöfen und in den Hallen, im sogenannten "Bauch von Paris" vor dessen Zerstörung anfertigte.

Ab 1965 machte sich Masson an die Gestaltung der Deckenfresken im Pariser Odéon-Theaters - die höchste Anerkennung, die der französische Staat geben kann. Die Odéon-Entwürfe schließen die Ausstellung im Musée du Montparnasse.

"Un nomade à Paris, André Masson" bis zum 3. April 2011 im Pariser Musée du Montparnasse.

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