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04.08.2012

15:50 Uhr

Sydney-Biennale

Schön und hochexplosiv

Die 18. Biennale of Sydney mahnt unter dem Motto „All our relations“ zur Vorsicht: Wie sind unsere Lebensverhältnisse? Was auf den ersten Blick zart und hübsch scheint, reflektiert doch Kolonialisierung, Krieg und Krise.

Die 18. Biennale in Sydney reflektiert die Zeiten der Krise und der Kriege.

Die 18. Biennale in Sydney reflektiert die Zeiten der Krise und der Kriege.

Sydney„All our relations“ lautet das Motto der 18. Biennale of Sydney. Es lässt sich wahlweise mit "Alle unsere Beziehungen" und "Alle unsere Verhältnisse" übersetzen. Doppeldeutig ist das Motto auch gemeint: Wie sind unsere Lebensverhältnisse? Was machen die Beziehungen der Menschen unter den gegebenen Umständen? Nicht viel Gutes, die Welt ist krisengebeutelt und voller Armut, Krieg und Gewalt. Kunst spiegelt diese Zerstörungskräfte. "Besonders im 20. Jahrhundert mussten Künstler schockieren", sagt Catherine de Zegher, Direktorin der Biennale 2012. "Schon weil der Begriff des ,Radikalen' immer mit Trennung, Negativität und Störung verbunden war."

Für Sydneys diesjährige Biennale setzen die Belgierin und ihr Co-Direktor, der Kanadier Gerald McMaster, stattdessen auf Versöhnung. "Die Welt ist voller Gewalt, und zeitgenössische Kunst beschäftigt sich natürlich damit", erläutert de Zegher, "doch deswegen muss die Kunst selber noch lange nicht gewalttätig sein." De Zegher und McMasters wollen im 21. Jahrhundert eine neue Verbindlichkeit im künstlerischen Ausdruck entdeckt haben. Die beiden meinen: Die Suche nach den ausgleichenden Kräften in der Welt "laufe noch unter dem Radar" und "Kollaboration, Konversation und Mitgefühl" würden als Kern einer Kunstströmung erst neuerdings wahrgenommen.

Die Hälfte der 101 Künstler aus allen Erdteilen stellt an einem spektakulären Ort aus. Cockatoo Island liegt mitten in Sydneys Hafen. In den frühen Tagen der britischen Kolonie diente sie als Straflager. Später wurde sie Werft und Industriegebiet. Wer nach 20 Minuten Anreise auf der Gratis-Fähre den Inselboden betritt, sieht sich mit rostenden Kränen und ausrangierten Trockendocks konfrontiert.

Wer in Lagerhallen, Maschinenräumen und Gefängniszellen die angeblich so versöhnliche Kunst sucht, findet in der Tat viele ansprechende Kunstwerke. Die Arbeit "Ocean of Flowers" von 2012 des Chinesen Li Hongbo aus unglaublichen Mengen von buntem, aufeinandergeklebtem Papier füllt einen ganzen Raum. Doch wer das für einen simplen Akt der Dekoration hält, lässt sich narren: Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass Li hier eigentlich Waffen aufgestapelt hat - die blumenartige Zartheit der Skulpturen entsteht erst, wenn die Papierarbeiten fächerartig aufgeklappt werden.

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