Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.04.2016

19:30 Uhr

Tatort am Sonntag

Tot im Stahlwerk

Ihr dritter Fall führt die Weimarer „Tatort“-Kommissare Kira Dorn und Lessing in ein Stahlwerk. Die Ermittlungen halten wieder viele Überraschungen bereit - ein verwirrender wie witziger Krimiplot.

Schauspielerin Nora Tschirner und Florian Lukas - wer hat was zu verbergen? dpa

Fototermin für Weimarer Tatort

Schauspielerin Nora Tschirner und Florian Lukas - wer hat was zu verbergen?

WeimarMenschliche Knochen in Hochofenschlacke, ein einbeiniger Verdächtiger, zerstörtes Liebesglück und Zinnfiguren: Wer skurrile Geschichten und schrägen Humor mag, der kommt auch bei dem neuen „Tatort“ aus Weimar voll auf seine Kosten. Die Ermittlungen des Duos Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) nehmen wieder so manche Wendung, bevor sich am Ende das Verwirrspiel löst. „Der treue Roy“ heißt ihr dritter Fall, den das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt.

Die kurzweilige Krimikomödie, die der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) produzierte, hält bis zum Schluss die Spannung. Die beiden „Tatort“-Kommissare, die im Film ein Paar mit Nachwuchs geben, werden zu einem Mord im Stahlwerk gerufen. In der Schlackegrube liegen die menschlichen Überreste des Absticharbeiters Roy Weischlitz. Bei ihren Ermittlungen stellen die Kommissare bald fest, dass gegen das Leben von Roy „die spanische Inquisition eine Bachblütentherapie war“.

Alles über den „Tatort“

Das ist der „Tatort“

Der „Tatort“ ist eine Fernseh-Krimireihe, die von der ARD, dem ORF und dem SRF produziert wird. Der 1970 erstmals gesendete Tatort ist die am längsten laufende und beliebteste Krimireihe im deutschen Sprachraum.

Sendezeit

Die Hauptsendezeit ist jeweils sonntags um 20:15 Uhr im Ersten, ORF 2 und SRF 1. Darüber hinaus laufen jedoch oftmals Wiederholungen auf den Dritten Kanälen.

Laufzeit

Eine „Tatort“-Folge dauert jeweils 90 Minuten.

So viele Episoden gab es

Bis zum 22. April 2016 wurden 983 „Tatort“-Episoden ausgestrahlt.

Entstehung

Die Idee zur Reihe stammt von Gunther Witte, der im Auftrag von Günter Rohrbach für den WDR eine neue Krimiserie entwickeln sollte, als Nachfolgerin der Stahlnetz-Krimis der ARD und als Antwort auf die Konkurrenz im Unterhaltungsbereich durch die ZDF-Krimiserie „Der Kommissar“. Die Anregung lieferte eine ältere Rundfunkserie des RIAS mit dem Titel „Es geschah in Berlin“.

Die häufigsten Handlungsorte

Zu den häufigsten Tatort-Schauplätzen zählen München (u. a. Veigl, Batic/Leitmayr), Hamburg (u. a. Stoever), Berlin (u. a. Ritter/Stark), Frankfurt (u. a. Brinkmann), Köln (Ballauf/Schenk), Leipzig (u. a. Ehrlicher/Kain, Saalfeld/Keppler), Ludwigshafen (Odenthal/Kopper), Münster (Thiel/Boerne) und die Ruhrgebietsstädte Essen (Haferkamp) und Duisburg (Schimanski/Thanner).

Produktion

Die ca. 35 neuen Tatort-Folgen pro Jahr (siehe auch unten) werden zum Teil im eigenen Produktionsbetrieb der einzelnen Rundfunkanstalten erstellt. Zum größeren Teil erfolgt die Produktion als Auftragsproduktion durch Filmproduktionsgesellschaften für die Rundfunkanstalten, oft sind dies deren eigene Tochtergesellschaften.

Da schleudert Siegrid, die Schwester, mit der Roy zusammen unter einem Dach lebte, schon mal die Katze ihres Bruders in der Waschmaschine, verfärbt die Wäsche und versalzt das Essen. Siegrid macht Roy für die kaputte Beziehung zu ihrem Ex-Verlobten „Flamingo“ verantwortlich, der durch Roys Schuld ein Bein und später den kompletten Halt verlor. Neben „Flamingo“ spielen auch dessen Kumpel Frank und die Prostituierte Irina eine zwielichtige Rolle. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

Die Kriminalhauptkommissare Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) stehen mit dem Beamten Johann Ganser (Matthias Matschke) am Fundort der Leiche. dpa

Weimarer Tatort

Die Kriminalhauptkommissare Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) stehen mit dem Beamten Johann Ganser (Matthias Matschke) am Fundort der Leiche.

„Ich mag, wenn der Fall überrascht, wir den Zuschauer und uns selbst ein klein bisschen verwirren“, sagt Schauspieler Christian Ulmen. An seiner Rolle des Kommissars Lessing gefällt dem 40-Jährigen besonders, dass „er so eine bezaubernde Frau hat“. Diese trägt - modisch unbeeindruckt - zumeist einen khakigrünen Parka. „Ich habe Nora Tschirner äußerst selten so erotisch wahrgenommen, wie in diesem „Tatort““, gesteht Ulmen.

Wie bereits bei den ersten beiden Folgen „Die fette Hoppe“ und „Der Irre Iwan“ stammt das Drehbuch zu „Der treue Roy“ von den Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger. Die Idee für ihren dritten Weimar-„Tatort“ - zu dem Gregor Schnitzler die Regie führte - hatten sie laut Pressemappe, als sie sich in Weimar verfuhren. Plötzlich standen sie zwischen Plattenbauten, wo ein Wohnwagen mit rotem Neonherz im Fenster parkte. „Ganz in der Nähe wurde gegrillt. Da hatten wir eigentlich schon alles beisammen“, sagt Clausen.

Powerfrauen - bekannte Kommissarinnen im Tatort

Mehr Frauenpower

Für die neue Auflage aus der sächsischen Landeshauptstadt geht erstmals ein rein weibliches Ermittlerduo an den Start. Aber schon lange gehören Kommissarinnen zur Krimireihe. Eine Auswahl.

Lena Odenthal

Odenthal ermittelt seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Ludwigshafen. Damit ist die „Tatort“-Kommissarin, gespielt von Ulrike Folkerts, nach Angaben des Südwestrundfunks eine der ersten weiblichen Ermittler - und heute die Dienstälteste.

Charlotte Lindholm

Lindholm ermittelt seit 2002 als etwas unterkühlte LKA-Beamtin in Hannover. Gespielt wird sie von Maria Furtwängler, die zuletzt mit der Episode „Spielverderber“ rund 10,55 Millionen Zuschauer anlockte.

Klara Blum

Blum gehörte im Jahr 2002 in Konstanz zur neuen „Tatort“-Verweiblichung. Gespielt wird sie von Eva Mattes. Jetzt das Aus für den Bodensee-„Tatort“, 2016 gibt es nur noch zwei Krimis.

Bibi Fellner

Fellner unterstützt als Adele Neuhauser seit 2011 ihren Kollegen Moritz Eisner alias Harald Krassnitzer im Wiener „Tatort“.

Inga Lürsen

Lürsen ist seit 1997 als Hauptkommissarin in Bremen im Dienst. Gespielt wird die ruppige Ermittlerin von Sabine Postel. „Harte Schale, weicher Kern“, beschreibt die ARD ihre Rolle.

Kira Dorn

Dorn alias Nora Tschirner ist seit 2013 an Bord des „Tatorts“. In Weimar spielt sie an der Seite von Christian Ulmen als Lessing. Der dritte Weimar-„Tatort“ wird am 24. April im Ersten ausgestrahlt.

Karin Gorniak und Henni Sieland

Gorniak und Sieland, gespielt von Karin Hanczewski und Alwara Höfels, sind ab März 2016 das junge, weibliche „Tatort“-Team des MDR. Nur für den ersten Fall steht auch Jella Haase („Fack Ju Göhte“) als Polizeianwärterin vor der Kamera.

Die Autoren scheren sich nicht um Klischees, sie spielen mit ihnen. Die komisch-witzigen Dialoge („Den Schuh mit deinem Bein muss ich mir anziehen bis ins Grab.“) strotzen vor Kalauern („Wer sitzt denn da im Schrank? Frank. Krank!“). Kommissar Lessing - die Klassikstadt lässt grüßen - zitiert Goethe, und auch der kleine thüringische Ort Lederhose wird heiter aufs Korn genommen. Manch eingefleischtem „Tatort“-Fan könnte das alles zuviel abverlangen. Erfrischend jedoch ist, dass der Film nicht wie manch anderer Krimi in psychologischem Tiefgang erstickt.

Ursprünglich war der „Weimar“-Tatort als einmaliges Feiertags-Event gedacht. Nach dem Ende des Erfurter-„Tatorts“ avancierte er zum einzigen Thüringen-„Tatort“, der nun erstmals auch einen normalen Sonntagssendeplatz hat

Wie lange Tschirner und Ulmen gemeinsam als Kommissare vor der Kamera stehen, lassen sie bislang offen: „Wir schauen von Jahr zu Jahr“, sagt Ulmen. „Bis jetzt ist Nora von „Tatort“ zu „Tatort“ ein Stückchen reifer geworden, wenn sich das hält, machen wir weiter.“

2016 und 2017 werden nach Angaben des MDR je zwei „Tatorte“ in der thüringischen Stadt produziert. „Der Tatort ist jetzt in Weimar zu Hause“, sagte MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Der vierte Fall des Ermittlerduos, der voraussichtlich wohl im nächsten Jahr ins Fernsehen kommt, wurde Ende März abgedreht.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×