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10.04.2016

14:28 Uhr

Tatort am Sonntag

Unberechenbarer Mörder bedrängt Kommissarin

Tatort-Kommissarin Janneke wird in ihrem dritten Fall mit Wucht von ihrer Vergangenheit eingeholt. Die Seiteneinsteigerin gerät an ihre Grenzen. Das neue Ermittler-Duo steht somit schon wieder vor eine Zerreißprobe.

Das Ermittlerduo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) ermitteln in Frankfurt. dpa

Frankfurter Tatort

Das Ermittlerduo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) ermitteln in Frankfurt.

Frankfurt/ MainEin verurteilter Mörder kommt nach fast 20 Jahren Gefängnis frei und sucht Kontakt zu Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich). Die neue Frankfurter „Tatort“-Ermittlerin war als Polizeipsychologin für das Gutachten verantwortlich, das Alexander Nolte die lebenslange Haftstrafe einbrachte. Janneke hält den „Dämon“ nach wie vor für hoch gefährlich, entzieht sich seinen bedrängenden Annäherungsversuchen aber nur halbherzig. Sie gerät in einen Strudel aus Abscheu, furchtbaren Ahnungen, Ohnmacht und Hysterie. „Die Geschichte vom bösen Friederich“ heißt der „Tatort“ des Hessischen Rundfunks, den das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt.

Laut, schrill und aggressiv beginnt der dritte „Tatort“ der neuen Frankfurter Ermittler Janneke und Paul Brix (Wolfram Koch): Der böse Nolte tobt in seiner Wohnung und erinnert an den Anfang der Bilderbuch-Geschichte des Frankfurter Psychiaters Heinrich Hoffmann (1809-1894) aus dem „Struwwelpeter“: „Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich!“ beginnt darin „die Geschichte vom bösen Friedrich“.

Powerfrauen - bekannte Kommissarinnen im Tatort

Mehr Frauenpower

Für die neue Auflage aus der sächsischen Landeshauptstadt geht erstmals ein rein weibliches Ermittlerduo an den Start. Aber schon lange gehören Kommissarinnen zur Krimireihe. Eine Auswahl.

Lena Odenthal

Odenthal ermittelt seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Ludwigshafen. Damit ist die „Tatort“-Kommissarin, gespielt von Ulrike Folkerts, nach Angaben des Südwestrundfunks eine der ersten weiblichen Ermittler - und heute die Dienstälteste.

Charlotte Lindholm

Lindholm ermittelt seit 2002 als etwas unterkühlte LKA-Beamtin in Hannover. Gespielt wird sie von Maria Furtwängler, die zuletzt mit der Episode „Spielverderber“ rund 10,55 Millionen Zuschauer anlockte.

Klara Blum

Blum gehörte im Jahr 2002 in Konstanz zur neuen „Tatort“-Verweiblichung. Gespielt wird sie von Eva Mattes. Jetzt das Aus für den Bodensee-„Tatort“, 2016 gibt es nur noch zwei Krimis.

Bibi Fellner

Fellner unterstützt als Adele Neuhauser seit 2011 ihren Kollegen Moritz Eisner alias Harald Krassnitzer im Wiener „Tatort“.

Inga Lürsen

Lürsen ist seit 1997 als Hauptkommissarin in Bremen im Dienst. Gespielt wird die ruppige Ermittlerin von Sabine Postel. „Harte Schale, weicher Kern“, beschreibt die ARD ihre Rolle.

Kira Dorn

Dorn alias Nora Tschirner ist seit 2013 an Bord des „Tatorts“. In Weimar spielt sie an der Seite von Christian Ulmen als Lessing. Der dritte Weimar-„Tatort“ wird am 24. April im Ersten ausgestrahlt.

Karin Gorniak und Henni Sieland

Gorniak und Sieland, gespielt von Karin Hanczewski und Alwara Höfels, sind ab März 2016 das junge, weibliche „Tatort“-Team des MDR. Nur für den ersten Fall steht auch Jella Haase („Fack Ju Göhte“) als Polizeianwärterin vor der Kamera.

Der Zuschauer ahnt bald: Dem manipulativen-teuflischen Charakter Noltes ist nur schwer zu entkommen. Das gilt vor allem für die Psychologin Helene Kaufmann (Ursina Lardi). Ihr Gutachten hat die Resozialisation des eloquenten, charmanten und zugleich abstoßenden Mörders ermöglicht. Sie betreut ihn auch bei seinen scheinbar vorbildlichen Versuchen in den Alltag zurückzukehren.

Aber auch Seiteneinsteigerin Janneke muss sich als Polizeipsychologin sehr intensiv mit dem unberechenbaren Mann auseinander gesetzt haben, der seine depressive Freundin in der Badewanne ertränkte. Nach seinem Auftauchen kümmert sich die Kommissarin zunächst jedenfalls wenig um den aktuellen Fall, den rätselhaften Mord an einem Obdachlosen im Bahnhofsviertel. Auf die zähen Ermittlungen - es gibt kaum Hinweise auf die Tat und auch kein Motiv - reagiert Janneke mit dunklen Ahnungen.

Ging es im zweiten Fall des Frankfurter Ermittler-Duos um die zwielichtige Vergangenheit von Kommissar Brix und die Frage, ob Janneke ihrem neuen Partner trauen kann, so ist es diesmal eher umgekehrt. Wie sind Jannekes geheimnisvolle Alleingänge zu verstehen? Lag sie mit ihrem Gutachten über Nolte richtig, das diesem unter anderem eine narzistische Persönlichkeitsstörung bescheinigte? Oder hat sie sich in etwas verrannt und ihre fachliche Beurteilung ist „einseitig“, wie nicht nur ihr Chef Henning Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) glaubt.

Dem Wiener Burgtheater-Schauspieler Nicholas Ofczarek gelingt ein eindrucksvolles Psychogramm des von Gewaltfantasien besessenen, mitunter Gott spielenden Mörders. Broich kann als Kommissarin Janneke im psychischen Ausnahmezustand - unter Regie der mehrfach mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Hermine Huntgeburth - auch mehr von ihrer Schauspielkunst zeigen als in den ersten beiden Fällen. Koch tritt dagegen diesmal eher in den Hintergrund.

Dennoch beginnt das erste „Tatort“-Drehbuch von Volker Einrauch schleppend, richtig spannend wird es erst im letzten Drittel. Die Geschichte strotzt von unlogischen und unrealistischen Wendungen. Dazu kommen haufenweise Klischees: über das Verhältnis von Therapeutinnen zu ihren Klienten beispielsweise, über die zur Schau gestellte Bindungsunfähigkeit sämtlicher Hauptfiguren und die vorgeblichen Resozialisationsversuche eines Mörders.„Ich würde mich gerne verlieben.

Alles über den „Tatort“

Das ist der „Tatort“

Der „Tatort“ ist eine Fernseh-Krimireihe, die von der ARD, dem ORF und dem SRF produziert wird. Der 1970 erstmals gesendete Tatort ist die am längsten laufende und beliebteste Krimireihe im deutschen Sprachraum.

Sendezeit

Die Hauptsendezeit ist jeweils sonntags um 20:15 Uhr im Ersten, ORF 2 und SRF 1. Darüber hinaus laufen jedoch oftmals Wiederholungen auf den Dritten Kanälen.

Laufzeit

Eine „Tatort“-Folge dauert jeweils 90 Minuten.

So viele Episoden gab es

Bis zum 22. April 2016 wurden 983 „Tatort“-Episoden ausgestrahlt.

Entstehung

Die Idee zur Reihe stammt von Gunther Witte, der im Auftrag von Günter Rohrbach für den WDR eine neue Krimiserie entwickeln sollte, als Nachfolgerin der Stahlnetz-Krimis der ARD und als Antwort auf die Konkurrenz im Unterhaltungsbereich durch die ZDF-Krimiserie „Der Kommissar“. Die Anregung lieferte eine ältere Rundfunkserie des RIAS mit dem Titel „Es geschah in Berlin“.

Die häufigsten Handlungsorte

Zu den häufigsten Tatort-Schauplätzen zählen München (u. a. Veigl, Batic/Leitmayr), Hamburg (u. a. Stoever), Berlin (u. a. Ritter/Stark), Frankfurt (u. a. Brinkmann), Köln (Ballauf/Schenk), Leipzig (u. a. Ehrlicher/Kain, Saalfeld/Keppler), Ludwigshafen (Odenthal/Kopper), Münster (Thiel/Boerne) und die Ruhrgebietsstädte Essen (Haferkamp) und Duisburg (Schimanski/Thanner).

Produktion

Die ca. 35 neuen Tatort-Folgen pro Jahr (siehe auch unten) werden zum Teil im eigenen Produktionsbetrieb der einzelnen Rundfunkanstalten erstellt. Zum größeren Teil erfolgt die Produktion als Auftragsproduktion durch Filmproduktionsgesellschaften für die Rundfunkanstalten, oft sind dies deren eigene Tochtergesellschaften.

Von

dpa

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