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06.04.2015

09:03 Uhr

Tatort „Frohe Ostern, Falke“

Böse Osterhasen und jede Menge Ballerei

VonMarcel Reich

Wer sich Ostern auf einen besinnlichen Feiertags-„Tatort“ freut, sollte den Fernseher lieber auslassen. Alle anderen sehen Wotan Wilke Möhring im wohl spannendsten Tatorte seit langem. Seine Gegner: Böse Osterhasen.

Wotan Wilke Möhring versucht im neuen ARD-„Tatort“ als Kommissar Thorsten Falke mit seiner Kollegin Petra Schmidt-Schaller als Kommissarin Katharina Lorenz eine Geiselnahme möglichst unblutig zu beenden. dpa

Neue Tatort mit Wotan Wilke Möhring

Wotan Wilke Möhring versucht im neuen ARD-„Tatort“ als Kommissar Thorsten Falke mit seiner Kollegin Petra Schmidt-Schaller als Kommissarin Katharina Lorenz eine Geiselnahme möglichst unblutig zu beenden.

Im Tatort-Universum wird Hamburg immer mehr zum heißesten Brennpunkt der Republik: Nachdem Til Schweiger als Nick Tschiller die Hansestadt bei seinen beiden bisherigen Einsätzen bereits großflächig in Schutt und Asche gelegt hat, liefert nun auch Wotan Wilke Möhring alias Thorsten Falke einen bleihaltigen Oster-Tatort ab. Die Entwarnung gibt es jedoch vorab: Im Gegensatz zu den Schweiger-Tatorten bleibt in „Frohe Ostern, Falke“ sogar alles glaubhaft – so halb zumindest.

Traditionell soll in der „Tatort“-Reihe ein gesellschaftlicher Auftrag erfüllt werden, in dem aktuelle politische oder soziale Gegebenheiten und/oder Missstände behandelt werden. Während Kommissar Borowski sich also letzte Woche noch mit den Unwägbarkeiten des sozialen Brennpunkts Kiel-Gaarden auseinandersetzen musste, scheint das große Oberthema im neuen Tatort zunächst die Flüchtlingssituation in Deutschland zu sein: 80 gut betuchte Gäste treffen sich an Ostern zu einer Charity-Gala, um Geld für Flüchtlinge zu sammeln – und sich dafür ordentlich feiern zu lassen.

Auch Falke-Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ist unter den Gästen, da sie einen Freund begleitet. So wird Lorenz Zeugin und Opfer eines echten Horrortrips. Denn die Aktivisten-Gruppe „Bad Easter Bunnies“ hat sich ausgerechnet diese Veranstaltung ausgesucht, um ein Zeichen gegen die Scheinheiligkeit der Spender zu setzen. In Osterhasenverkleidung rücken sie diesmal jedoch nicht wie üblich mit Farbbeuteln, sondern mit echten Waffen an. „Auch dieses Jahr werden wir nicht eure Eier färben, sondern euch“, grölen sie. „Rot wie Blut“ soll es werden.

Eigentlich wollen die „Bunnies“ den reichen Pfeffersäcken nur einen ordentlichen Schrecken einjagen und den vermeintlichen Gutmenschen den Spiegel vorhalten. Doch der neue „Chef-Osterhase“ Frank hat andere Pläne: Schnell wird aus dem Spaß ernst, es gibt das erste Todesopfer. Als einzige kann Lorenz ihr Handy durch einen Trick behalten und Kollege Falke über die folgende Geiselnahme informieren. Der muss nun alles versuchen, um seine Kollegin und die anderen Geiseln zu retten.

„Ich wollte einen unterhaltsamen Film machen, der nebenbei noch ein interessantes Thema verkauft, ohne so draufzudrücken“, erklärt Regisseur Thomas Stiller, der schon mehrere Krimis für die ARD-Reihe inszenierte und für den Oster-„Tatort“ auch das Drehbuch schrieb. Seine Aussage kann man so unterschreiben. Das Thema Flüchtlingshilfe ist nur in den ersten 20 Minuten ein Deckmantel für eine ansonsten auf Spannung und Action ausgelegte Handlung. Das ist im übrigen überhaupt nicht negativ: Stiller entwickelt so einen der spannendsten „Tatorte“ seit langem, es gibt kaum einen Moment zum Durchschnaufen. Denn das zunächst scheinbar völlig zufällig ausgewählte Todesopfer entpuppt sich schnell als eigentliches Ziel der ganzen Operation.

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