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12.03.2016

11:37 Uhr

Tatort „Kleine Prinzen“

Tote Mädchen und arabische Diplomaten

Die Schweizer Kommissare scheitern in ihrem neuesten Fall an den Tücken der Immunität einer arabischen Königsfamilie. Es geht um ein totes Mädchen, um Trauer, die Suche nach Gerechtigkeit und sehr viele Klischees.

Fabienne Hadorn als Corinna Haas (v.l.), Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger in einer Szene des Tatorts „Kleine Prinzen“. dpa

In den Wirren der Diplomatie

Fabienne Hadorn als Corinna Haas (v.l.), Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger in einer Szene des Tatorts „Kleine Prinzen“.

GenfZu Beginn ist eigentlich alles ganz einfach: Ein übermüdeter Lkw-Fahrer überfährt ein Mädchen und lässt es blutüberströmt sterbend auf der dunklen Landstraße zurück. Der Vater der Schülerin sinnt auf Rache. Doch nichts ist so, wie es zunächst scheint. Im zehnten Schweizer „Tatort“ mit dem Titel „Kleine Prinzen“ führen die Ermittlungen in die Welt reicher, verzogener Jugendlicher. Die Kommissare haben vor allem mit diplomatischen Verstimmungen mit einer arabischen Königsfamilie zu kämpfen.

Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) erkennen schnell, dass es sich bei dem Tod der Jugendlichen um keinen einfachen Unfall handeln kann. Kurz vor ihrem Tod hatte die hübsche Schülerin Ava Fleury (Ella Rumpf) noch Sex gehabt. Ihr Kleid trug sie verkehrt. Jemand hatte sie mit einem Schlag auf den Kopf getötet und auf der Straße deponiert. Die Nachforschungen bringen die Ermittler in ein Eliteinternat in der Nähe von Luzern, in dem die Schüler dem strengen Regiment mit legalen wie illegalen Wegen entfliehen. Wilde Partys, Drogen und Affären mit Lehrern sind keine Seltenheit.

Der trauernde Vater Laurant Fleury (Luc Feit) kämpft unterdessen mit seinem Verlust. Vor Jahren wurde er zum Witwer und hatte schon lange keinen Zugang mehr zu seiner Tochter. Nachdem der Workaholic nun alles verloren hat, lässt er seine Wut am Lkw-Fahrer (Fritz Loosli) aus. Erst nachdem er erfährt, dass der wahre Mörder noch nicht gefasst ist, lässt er von ihm ab.

Nach und nach schließt sich das Puzzle um den letzten verhängnisvollen Abend von Ava: Mit ihrer besten Freundin hat sie gestritten, mit ihrem Ex-Freund gab es eine handfeste Auseinandersetzung bei einer Feier. Verhängnisvoll wurde aber erst die Beziehung mit dem Bruder eines Emirs, der als Minister in Luzern zu Besuch ist und diplomatische Immunität genießt.

In ständig wiederkehrenden Rückblenden zeigt sich Ava vor der Kamera des Bruders verführerisch im Bikini. Sobald der junge Minister (Nadim Jarrar) ins Bild kommt, trübt sich ihre Stimmung. Was ist zwischen ihnen vorgefallen? War es ein Mord aus Eifersucht oder passte das aufreizende Mädchen mit dem großem Selbstbewusstsein nicht in die Welt einer arabischen Königsfamilie?

Der junge Minister setzt jedenfalls alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um seinen Bruder aus dem Visier der Ermittler zu bringen. Einmal zeigte er sich sehr erbost, ein Treffen mit FIFA-Funktionären abbrechen zu müssen, um ihn vom Polizeirevier abzuholen.

Powerfrauen - bekannte Kommissarinnen im Tatort

Mehr Frauenpower

Für die neue Auflage aus der sächsischen Landeshauptstadt geht erstmals ein rein weibliches Ermittlerduo an den Start. Aber schon lange gehören Kommissarinnen zur Krimireihe. Eine Auswahl.

Lena Odenthal

Odenthal ermittelt seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Ludwigshafen. Damit ist die „Tatort“-Kommissarin, gespielt von Ulrike Folkerts, nach Angaben des Südwestrundfunks eine der ersten weiblichen Ermittler - und heute die Dienstälteste.

Charlotte Lindholm

Lindholm ermittelt seit 2002 als etwas unterkühlte LKA-Beamtin in Hannover. Gespielt wird sie von Maria Furtwängler, die zuletzt mit der Episode „Spielverderber“ rund 10,55 Millionen Zuschauer anlockte.

Klara Blum

Blum gehörte im Jahr 2002 in Konstanz zur neuen „Tatort“-Verweiblichung. Gespielt wird sie von Eva Mattes. Jetzt das Aus für den Bodensee-„Tatort“, 2016 gibt es nur noch zwei Krimis.

Bibi Fellner

Fellner unterstützt als Adele Neuhauser seit 2011 ihren Kollegen Moritz Eisner alias Harald Krassnitzer im Wiener „Tatort“.

Inga Lürsen

Lürsen ist seit 1997 als Hauptkommissarin in Bremen im Dienst. Gespielt wird die ruppige Ermittlerin von Sabine Postel. „Harte Schale, weicher Kern“, beschreibt die ARD ihre Rolle.

Kira Dorn

Dorn alias Nora Tschirner ist seit 2013 an Bord des „Tatorts“. In Weimar spielt sie an der Seite von Christian Ulmen als Lessing. Der dritte Weimar-„Tatort“ wird am 24. April im Ersten ausgestrahlt.

Karin Gorniak und Henni Sieland

Gorniak und Sieland, gespielt von Karin Hanczewski und Alwara Höfels, sind ab März 2016 das junge, weibliche „Tatort“-Team des MDR. Nur für den ersten Fall steht auch Jella Haase („Fack Ju Göhte“) als Polizeianwärterin vor der Kamera.

Die Unantastbarkeit der Königsfamilie setzt Flückiger stark zu und bindet ihm die Hände. Der Kommissar gerät aufgrund seiner Methoden zusehends in einen Konflikt mit seinem Arbeitgeber. Letztendlich wird den Ermittlern der Fall sogar entzogen. Der Leibwächter des Emirs legt schließlich ein Geständnis ab, er gilt aber nur als Bauernopfer.

Doch Flückiger, der seit langer Zeit das erste Mal wieder verliebt ist, gibt nicht auf und will den vermeintlichen Mörder aus der Prinzenfamilie mit einer unerlaubten DNA-Analyse überführen. Dabei ist ihm Avas Vater behilflich, nachdem er in der eigenen Abteilung keine Verbündeten mehr hat.

Siegt am Ende die Gerechtigkeit im Schweizer „Tatort“, der mit etwas zu vielen Klischees spielt, um die Spannung 90 Minuten lang aufrecht zu erhalten? Kommen die Brüder ungeschoren davon oder nimmt der Vater der ermordeten Ava die Sache doch selbst in die Hand?

Tatort-Geschichte im kleinen Überblick

„Taxi nach Leipzig“

29.11.1970: Erster Krimi der Reihe: „Taxi nach Leipzig“ mit Walter Richter als Hamburger Kommissar Paul Trimmel. Ausgangslage: In der DDR wird an einem Autobahnrastplatz bei Leipzig die Leiche eines Jungen gefunden, der Schuhe aus der Bundesrepublik trug.

„Reifezeugnis“

27.3.1977: „Reifezeugnis“ von Wolfgang Petersen, der legendäre „Tatort“ schlechthin. Der Kieler Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) hat es mit dem Mord an einem Gymnasium und dem Verhältnis zwischen einer Schülerin (Nastassja Kinski) und einem Lehrer (Christian Quadflieg) zu tun.

Erste Kommissarin

29.1.1978: Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der SWF Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) ins Rennen. Auftakt: „Der Mann auf dem Hochsitz“. Bis 1980 gibt es drei Folgen.

Erster Schimanski-Tatort

28.6.1981: Erster Schimanski-„Tatort“ - Titel: „Duisburg-Ruhrort“. „Schimmi“, also Horst Schimanski (Götz George) wird Kult. Zwei Fälle kommen auch ins Kino: „Zahn um Zahn“ (1985) und „Zabou“ (1987).

Erster Odenthal-Tatort

29.10.1989: Start für Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen. Sie ist noch heute im Einsatz und damit die dienstälteste Ermittlerin der Reihe.

Deutsch-deutsche Koproduktion

28.10.1990: Der Krimi „Unter Brüdern“ ist eine deutsch-deutsche Koproduktion von DFF und ARD aus den Krimireihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“, unter anderem mit Götz George und Eberhard Feik.

Kindesmissbrauchs-Tatort

26.11.1995: Zum 25. Jubiläum läuft der Münchner Krimi „Frau Bu lacht“ in der Regie von Dominik Graf - viele Kritiker halten diesen Kindesmissbrauch-Thriller für einen der besten „Tatorte“ überhaupt.

Erster Tatort aus Münster

20.10.2002: Der Münster-„Tatort“ startet. Das Team mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gilt fortan als das mit Abstand beliebteste.

Satanismus-Krimi

04.4.2004: Im Bremer Satanismus-Krimi „Abschaum“ mit Sabine Postel und Oliver Mommsen werden 14 Todesopfer gezählt - die viertmeisten Toten in einem „Tatort“.

Proteste der alevitischen Gemeinde

23.12.2007: Der Fall „Wem Ehre gebührt“ mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in Hannover löst wegen seiner Verknüpfung von Inzest und der islamischen Glaubensrichtung der Aleviten rund um seine Erstausstrahlung Proteste der alevitischen Gemeinde aus.

Matthias Schweighöfer im Tatort

03.1.2010: „Tatort“ Nummer 751 mit dem Titel „Weil sie böse sind“ mit den Frankfurter Ermittlern Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) glänzt mit einem bitterbösen Adelsspross, gespielt von Matthias Schweighöfer.

Wiener Tatort

05.2.2012: In der Wiener Folge „Kein Entkommen“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser werden 15 Todesopfer gezählt - die drittmeisten Toten in einem „Tatort“.

Erster Schweiger-Tatort

10.3.2013: Erster „Tatort“ mit Til Schweiger. Mit dem Krimi „Willkommen in Hamburg“ setzt der Kinostar neue Maßstäbe in Sachen Action und Produktionskosten. Ein Jahr später (9.3.2014) hat der Fall „Kopfgeld“ mit 19 Leichen die zweitmeisten Toten eines „Tatorts“.

Abschied von „Franziska“ erst nach 22 Uhr

05.1.2014: Im Fall „Franziska“ stirbt die langjährige Kölner Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) bei einer Geiselnahme im Gefängnis. Die Erstausstrahlung des Gruselkrimis ist aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gelegt worden.

Tukur mit den meisten Toten

12.10.2014: Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellt einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. Experten vom „Tatort-Fundus“ zählen 51 Leichen.

Der 1000. Tatort

Voraussichtlich Ende 2016 kommt dann der 1000. „Tatort“.

Von

dpa

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