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09.01.2017

13:56 Uhr

Tatort-Kommissar

Dietz-Werner Steck ist tot

Abschied vom „schwäbischen Columbo“: Dietz-Werner Steck ist tot. Der frühere Darsteller des „Tatort“-Kommissars Bienzle starb an Silvester nach langer schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren.

Dietz-Werner Steck als Hauptkommissar Ernst Bienzle bei Dreharbeiten zum Stuttgarter Tatort. Steck war von 1991 bis 2007 als Tatort-Kommissar im Fernsehen zu sehen. Jetzt starb er im Alter von 80 Jahren. dpa

Dietz-Werner Steck

Dietz-Werner Steck als Hauptkommissar Ernst Bienzle bei Dreharbeiten zum Stuttgarter Tatort. Steck war von 1991 bis 2007 als Tatort-Kommissar im Fernsehen zu sehen. Jetzt starb er im Alter von 80 Jahren.

StuttgartDer frühere „Tatort“-Kommissar, der Schauspieler Dietz-Werner Steck, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Als langjähriger Ermittler Ernst Bienzle war der Schwabe Millionen Zuschauern bekannt. Am 31. Dezember starb Steck in Stuttgart, wie seine Ehefrau Hanna Steck der Deutschen Presse-Agentur am Montag sagte. Zuvor hatten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet. „Wir haben einen großartigen Schauspieler und ein schwäbisches Original verloren“, sagte SWR-Intendant Peter Boudgoust am Montag.

Steck wurde zwischen 1991 und 2007 als „Schwäbischer Columbo“ in 25 Fällen des Stuttgarter „Tatorts“ bekannt. Mit Trenchcoat und Schlapphut ermittelte Ernst Bienzle stets nach dem Prinzip: Gucken, verstehen, verhaften, wie der Südwestrundfunk es einmal formulierte.

SWR-Intendant Boudgoust würdigte Steck als Botschafter für den Südwesten. „Niemand konnte einen „Bruddler“ besser spielen als er.“ Für den Südwestrundfunk (SWR) stand Steck zuletzt in dem Film „Die Kirche bleibt im Dorf“ vor der Kamera. Aber auch auf Theaterbühnen war er jahrzehntelang zu sehen.

Fakten zum Tatort

Der Vorspann

30 Sekunden mit spannender, hastiger Ohrwurmmusik, zwei Augen in Nahaufnahme, das rechte im Fadenkreuz, ein Mann, der abwehrend die Arme hebt, rennende Beine auf nassem Asphalt und ein Fingerabdruck, dessen Linie den Flüchtenden einkreist. Übrigens: Für die Titelmelodie spielte Udo Lindenberg Schlagzeug.

Der erste Fall

Der erste „Tatort“ war „Taxi nach Leipzig“, der am 29. November 1970 ausgestrahlt wurde. Der Hamburger Hauptkommissar Paul Trimmel (Walter Richter) musste einen deutsch-deutschen Mordfall klären. Der 1000. Tatort heißt ebenfalls „Taxi nach Leipzig“.

Die erste Kommissarin

Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der Südwestfunk (SWF) 1978 Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) mit „Der Mann auf dem Hochsitz“ ins Rennen. Bis 1980 gab es drei Folgen mit ihr.

Am längsten dabei

Dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin ist Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die seit 27 Jahren (erster Fall: 29. Oktober 1989) in Ludwigshafen Verbrecher jagt. Bisher gab es 64 Fälle, in den meisten war Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) dabei.

Drehtage

In den siebziger Jahren wurde ein Tatort in fünf bis sechs Wochen gedreht. Heute sind es nur noch etwa vier.

Giftschrank

Einige wenige „Tatort“-Folgen dürfen nicht wiederholt werden. Sie haben senderintern einen Sperrvermerk. Die Gründe sind verschieden. So spielen bei „Wem Ehre gebührt“ verletzte religiöse Gefühle eine Rolle, bei „Krokodilwächter“ die große Brutalität im Film.

Der missglückte „Tatort“

Zu den Tiefpunkten der „Tatort“-Reihe zählen Kritiker die Fälle des Berliner Kommissars Ernst Roiter (Winfried Glatzeder, 1996-1998). Aus Kostengründen hatten die Folgen eine billig wirkende Optik. Zudem warf man den Filmen vor, zu sexistisch, brutal oder zu wirr zu sein. Die Quoten waren trotzdem passabel.

Die meisten Zuschauer

„Rot - rot - tot“ sahen am Neujahrstag 1978 mehr als 26 Millionen Menschen. Das entspricht einer Quote von 65 Prozent. In heutiger Zeit wäre das undenkbar.

Die meisten Toten

Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellte einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. In dem stark von Quentin Tarantino inspirierten Film zählten die Experten vom „Tatort-Fundus“ 51 Leichen – die meisten starben im Kugelhagel.

Die beliebtesten Ermittler

Die Münsteraner Boerne und Thiel (Jan Josef Liefers und Axel Prahl) sind das erfolgreichste „Tatort“-Team. Ihre Top-Quote von 13,63 Millionen Zuschauern erreichte kein anderes aktuelles Ermittler-Duo.

Zahl der Ermittler

Aktuell wird in 21 Städten ermittelt. In Hamburg sind sogar zwei Teams unterwegs. Es gibt sowohl Einzelgänger als auch größere Ermittlergruppen.

Besuch von Bond

Ex-Bond-Mime Roger Moore hatte einen Kurzauftritt in einer Bremer „Tatort“-Folge. Darin gab er Kommissar Stedefreund ein Autogramm.

Twitter-Tatort

Mehr als 9000 Tweets werden im Durchschnitt jeden Sonntagabend mit dem Hashtag #tatort verschickt. Bei der blutigen Ausgabe „Im Schmerz geboren“ waren es mehr als 20.000.

Mit ihrem Mann habe sie viel Glück gehabt und viele schöne Dinge erlebt, sagte Ehefrau Hanna Steck zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr. Solche Erinnerungen könnten stark machen. „Sie lassen einen besser ertragen, was man heute durchleiden muss.“ Über den Gesundheitszustand ihres Mannes redete sie zuletzt nicht. Steck lebte in einem Pflegeheim.

Als „Tatort“-Ermittler kokettierte er fast ein bisschen damit, ein südwestdeutscher Brummbär zu sein. Seine Serien-Nachfolger „Lannert und Bootz“ (Richy Müller/Felix Klare) hätten „keinen Lokalkolorit“ mehr, kritisierte Steck einmal. Viele „Tatort“-Fans hätten den Abschied des charakterstarken Kommissars bedauert, der wegen seiner Art und seines Trenchcoats häufig mit dem amerikanischen Kult-Ermittler „Columbo“ (Peter Falk) verglichen wurde.

Steck wurde in Waiblingen geboren, seine Schauspielausbildung machte er an der Staatlichen Hochschule in Stuttgart. Von 1962 bis 1996 war er Ensemblemitglied beim Staatstheater Stuttgart, 2002 erhielt er die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. „Dietz-Werner Steck hat das Schwäbische im besten Sinne verkörpert“, sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), „mal grantig, mal schlitzohrig, aber immer liebenswürdig.“

Von

dpa

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