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19.01.2015

12:24 Uhr

Tatort-Kritik

„Au weia, das tut weh!“

VonRoman Tyborski

Engagiert aber dennoch gescheitert: Der Ludwigshafener Tatort ist bei der Twitter-Gemeinde gar nicht gut angekommen. Überfrachtete Story, kaum Spannung dafür aber viel Verwirrung. Die Kritik im Netz.

Ulrike Folkerts als „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal gibt in einer Filmszene in „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ einem Pferde den Gnadenschuss. dpa

Ulrike Folkerts als „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal gibt in einer Filmszene in „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ einem Pferde den Gnadenschuss.

DüsseldorfEine Kriminalbeamtin, die ihrem Burnout zu entfliehen versucht. Ein Täter, der mit einer Depression zu kämpfen hat. Und nebenbei ein Toter und viele tote Pferde. Der gestrige Ludwigshafener Tatort war thematisch gut aufgestellt, doch wirklich gut angekommen ist er nicht.

Auf Twitter hielt sich die Begeisterung der Tatort-Fangemeinde über die Folge „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ arg in Grenzen. „Warum werden großartige Filme wie Betty Anne Waters mitten in der Nacht gezeigt? Wohl kaum weil der Tatort besser ist ...“, ätzte ein Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst.

Mit seiner Kritik war der Mann nicht alleine. Einem anderen fehlte es bei Ulrike Folkerts (alias Lena Odenthal) 61. Tatort-Fall einfach an Spannung: „Die Dramaturgie des Films soll übrigens bei 'Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands' geklaut sein.“

Das Ludwigshafener Ermittlertrio konnte gestern in der Tat seine Zuschauer nur schwer in den Bann ziehen. Zu hölzern wirkten teilweise die Dialoge, zu überfrachtet war die Story. Bei Spiegel Kultur fragte man sich nach einer halben Stunde wegen was nun ermittelt wurde. „Was war jetzt eigentlich mit diesem toten Menschen? Ermittelt da auch jemand?“, ließ das Nachrichtenmagazin seine Leser auf Twitter wissen.

Mitten in dieses Verwirrspiel wurde Lena Odenthal hineingeworfen. Die an Burnout erkrankte Ermittlerin laboriert ihre Krankheit in einem Reha-Camp, als sie von einem Streifenpolizisten in den Fall hineingezogen wird. Die Begegnung zwischen dem Polizisten und der Ermittlerin stand bezeichnend für die unbeholfene Inszenierung des Ludwigshafener Tatorts.

Odenthal spricht mit ihrem Therapeuten über ihr Leiden, während im Hintergrund eine Truppe Senioren in Trainingsanzügen zu Vogelgezwitscher und bei Sonnenschein staksige Tai-Chi-Bewegungen vollführt, die im Zusammenspiel mit dem ernsthaften Therapeuten-Gespräch einfach nur urkomisch wirken.

Durch diese sich in Zeitluppe bewegende Truppe stampft der Polizist mit einem gehetzten „Mooorgen“ hindurch und fragt nach der Ermittlerin. Auf Odenthals Verwunderung, wie der Polizist sie gefunden habe, kommt die lapidare Antwort: „Wir sind hier auf dem Land, da redet man.“

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