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22.03.2013

14:15 Uhr

Tefaf

Die Maastricht-Kriterien des Kunstmarkts

VonOlga Kronsteiner

Keine andere Kunstmesse der Welt ist so sehr ein Synonym für Qualität wie die The European Fine Art Fair (Tefaf). In Maastricht nehmen mehr als 170 Juroren die präsentierte Kunst mehrfach unter die Lupe.

Josef Hoffmann: Paar dreiteiliger Glasschränke von 1914 im Jahr 2005. Galerie bei der Albertina, Wien

Josef Hoffmann: Paar dreiteiliger Glasschränke von 1914 im Jahr 2005.

MaastrichtIn Maastricht ist sie stets die erste vor Ort und hat ausnahmslos das letzte Wort: die Jury. Und doch unterscheidet sich das für The European Fine Art Fair (Tefaf, noch bis 24.3.2013)  aktive Expertengremium und sein Prozedere wesentlich von dem anderer Messeevents. An den zwei Jurytagen vor der Eröffnung ist beispielsweise die Anwesenheit der Aussteller explizit unerwünscht, da ist der Veranstalter unerbittlich. Das Notebook wurde am Stand vergessen? Pech.

Nur jenen Kunsthändler, die aufgrund von Spezialkenntnissen auch als Juroren fungieren, gewährt der Sicherheitsdienst Einlass. Mehr als 170 Mitglieder aus 26 Fachgebieten umfasst das Team derzeit, wobei der Anteil an Unabhängigen (Museums- u. Fachkuratoren) mit 90 Prozent höher ausfällt als anderswo.

Um das Entlarven von Fälschungen geht es dabei kaum, vielmehr um die Sicherung eines bestimmten Qualitätslevels. Knochenarbeit sei das, wie Jurymitglieder bestätigen, nicht nur, weil manche Inspektion gymnastisches Talent oder Rückenlage erfordern. Die Beanstandungen selbst hätten hauptsächlich mit Zuschreibungsfragen oder „Verrestaurierungen“ zu tun. Dann muss vom Aussteller die Beschriftung geändert werden oder das Kunstwerk trifft das harte Urteil „Ausjuriert“ und wandert bis zum Ende der Messe in ein versperrtes Depot.

Neue Beine sind verpönt

Für maximal drei „verbannte Objekte“ können Betroffene Einspruch erheben und das nur schriftlich. Mit welchen Argumenten oder wie oft Kunstwerke auf diese Weise aus der Verbannung geholt werden, darüber herrscht Stillschweigen. Die Bestimmungen, so wird die Tefaf nicht müde zu betonen, mögen nach außen hin rigoros wirken, hätten im Laufe der Jahre jedoch Standards gesetzt, die auf diesem Niveau international den Vergleich suchen würden.

Am Beispiel der Richtlinien für historisches Mobiliar erklärt: Weder bei einem Tisch, noch bei Stühlen dürfen fehlende Beine ergänzt werden. Einerlei, ob sie ehemals zum Inventar eines Kaisers von China oder einer der Mätressen Ludwig XIV. gehörten. Darüber, sagt man, würde mit den Ausstellern nicht diskutiert.

Minimale Eingriffe von Restauratoren

Restaurierungen, steht im Messekatalog geschrieben, seien ebenso nur punktuell zugelassen wie partielle Nach-Vergoldungen. Furnier dürfe wiederum nur minimal ergänzt werden, soweit die Theorie, die jedoch in der Praxis eine Frage der Interpretation zu sein scheint, wie ein aktueller Fall in der Sektion Antiquitäten zeigt.

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