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18.03.2014

10:33 Uhr

Tefaf Teil 2

Je erotischer, desto teurer

VonChristiane Fricke

Das Angebot der Tefaf bedient den Geschmack eines weiten Publikums. Viele attraktive Werke sind bereits in den ersten Tagen der Messe verkauft. Sammler sollten sich bei Ihrer Kaufentscheidung dennoch Zeit nehmen. Auf die Sorgfalt des Kunsthändlers ist nicht immer Verlass.

Blick in den schön gestalteten Stand von Thomas Salis auf der Tefaf 2014. Thomas Salis Art & Design

Blick in den schön gestalteten Stand von Thomas Salis auf der Tefaf 2014.

MaastrichtIhren Beinamen als die Königin aller Kunstmessen hat die "Tefaf Maastricht" bislang zu Recht getragen. Inzwischen hinterlässt jedoch der weltweite Konkurrenzdruck, zu dem auch die großen internationalen Auktionshäuser beitragen, seine Spuren. Der Nachschub an möglichst marktfrischen, musealen und höchsten Ansprüchen genügenden Kunstwerken ist nach Jahren des Booms endlich. In die Bresche springt ein ungeheuer breites Angebot, aus dem sich Sammler und Liebhaber manche Rosine picken können. Bis zum 23. März 2014 haben sie dazu Gelegenheit, genug Zeit, um zu vergleichen und kritisch zu prüfen.

Mit Blumen umgarnen

In der Sektion Moderne dürften die großen farbigen Zeichnungen von Egon Schiele einige Beachtung finden. In der Spitze kosten die bei Richard Nagy Ltd angebotenen Blätter wie das kokette blonde Girl in Unterwäsche 1,3 Millionen Euro. Mehr kostet nur das in seiner Würde beeindruckende Porträt der Schwester Schieles (1,4 Millionen Euro). Normalerweise gilt: Je erotischer das Motiv, desto teurer. Reine Zeichnungen liegen zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Vorne am Stand spielt ein beeindruckendes Bildnis von Christian Schad den Blickfänger. Es soll 1,9 Millionen Euro kosten. Das markante Selbstbildnis von Ludwig Meidner, eine Gouache entstanden 1920, ist schon verkauft.

Piet Mondrian, der Meister des streng geometrischen De Stijl-Stils, umgarnt das Publikum mit frühen Blumenbildern. Bei Nagy ist es ein eher konventionelles kleines Chrysanthemenbild von 1909 (2,5 Millionen Euro) während bei Thomas Salis eine weiß blühende Feuerlilie ihren Blütenschweif über einen lebendig gepinselten blauen Malgrund neigt. Kostenpunkt für das viel größere, ebenfalls 1909 datierte Format: 1,55 Millionen Euro. Für ungefähr eine halbe Million Euro wurde ein aus einer US-Sammlung stammender, extrem querformatiger Édouard Vuillard in frischen hellen Farben mit viel Gelb verkauft.

Die Kunst des Zweifelns

Umfangreich ist das Angebot an Arbeiten von Jean Dubuffet. Einen kleinen, crèmeweißen Kopf, den der Künstler 1945/46 in haute pâte-Technik, einem reliefartig pastosen Farbauftrag auf die Leinwand malte, hat Applicat-Prazan (1,8 Millionen Euro). Auf dem Stand von Thomas Gibson Fine Art gibt es eine originelle, kleine Gouache mit drei Gestalten: „Vu de Paris avec quatre arbres et trois personnages (Place de l'Estrapade)" (1943) für 230.000 Dollar.

Einen minimalistischen in Schwarzweiß gehaltenen Vogel im Käfig von Max Ernst bietet die Galerie Berès für 450.000 Euro an. Doch aufgepasst: Das kleine, auf Gips gemalte Querformat aus dem Jahre 1923/24 soll laut Katalogangaben von dem (bereits verstorbenen) Günter Metken ins Werkverzeichnis aufgenommen werden. Im Übrigen begegnen an diversen anderen Stellen auf dieser Messe kleine, qualitativ nicht immer überzeugende Gemälde von Max Ernst. Meist sind sie etwas versteckt im Innern der Kojen zu finden.

Im Übrigen kann man nur hoffen, dass Sammlern wie Händlern die Fähigkeit zum Zweifeln angesichts der weltweit vorhandenen Liquidität nicht abhanden kommt. Jeder zehnte Teilnehmer einer internationalen Sammlerstudie der Axa Art Versicherung AG besitzt eine Sammlung im Wert von über 1 Million Dollar. Und 65 Prozent aller Befragten geht beim Erwerb nicht systematisch vor, sondern kauft, was ihm gefällt.

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