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18.03.2014

14:05 Uhr

Tefaf Teil 3

Flirt der Epochen

VonSabine Spindler

Museen und Sammler gehen in Maastricht auf Einkaufstour. Viele Händler bieten auf der Messe Antiquitäten zusammen mit Werken des 20. Jahrhunderts an. Neu zu entdecken ist die Kunst der Eskimos.

Auf dem Tefaf-Stand der Kunstkammer Georg Laue: venezianisches Glasensemble aus dem 16./17. Jahrhundert. Kunstkammer Georg Laue

Auf dem Tefaf-Stand der Kunstkammer Georg Laue: venezianisches Glasensemble aus dem 16./17. Jahrhundert.

MaastrichtVerkäufe im Millionenbereich sind auf einer Messe wie der "Tefaf Maastricht" die Aushängeschilder. Dort, wo Kuratoren der großen Museen und finanzstarke Sammler aus Übersee und ganz Europa auf die potentesten Kunsthändler treffen, muss der Rubel rollen. Nur so kann die Tefaf signalisieren, dass der Markt für Altmeister und hochwertige Antiquitäten weiterhin Zugkraft besitzt. Zwei Millionen Euro hatte die Weiss Gallery aus London für die nur von einem zarten durchsichtigen Schleier ummantelte, nackte Lucretia von Lucas Cranach dem Jüngeren veranschlagt. Bereits in den ersten Tagen klebte hier ein roter Punkt. Bei den Asiatika Spezialisten Rossi & Rossi erwarb ein Sammler aus den USA eine buddhistische Bronze aus der Mongolei des 17./ 18. Jahrhundert. Auf ihrem Preisschild stand 1,5 Millionen US-Dollar.

Besuch von zahlreichen Museen registrierte auch die Kunstkammer Georg Laue. Der Münchner Händler hat diesmal eine außergewöhnliche Schau von 41 venezianischen Gläsern zusammengestellt. Die Auswahl, die auch Stücke der sogenannten Facon de Venise aus dem 16./17. Jahrhundert beinhaltet, liegt im Preisbereich zwischen 5.000 bis 150.000 Euro. Zehn Jahre hat er die die dünnwandigen, zarten Gläser mit den typischen feinen weißen, eingeschmolzenen Fäden zusammengetragen, darunter auch einen großen Teller mit feinmaschigem Netzdekor, der für ca. 50.000 Euro in die Sammlung des Art Museum Minneapolis geht.

Schwarz gerahmte Erinnerung an die Vergänglichkeit (um 1700). Kostenpunkt: 220.000 Euro bei Porfirius Kunstkammer aus Belgien. Porfirius Kunstkammer

Schwarz gerahmte Erinnerung an die Vergänglichkeit (um 1700). Kostenpunkt: 220.000 Euro bei Porfirius Kunstkammer aus Belgien.

Das eingelegte 3-Millionen Schaf

Wer über die Messe mit ihren 265 Kunst- und Antiquitätenhändlern flaniert, wird feststellen, dass sich das 20. Jahrhundert nicht nur in der Sektion der Moderne Terrain erobert hat. Bei dem Londoner Graphik- und Zeichnungshändler Emanuel von Baeyer etwa findet man neben der raren und ungemein selbstbezogenen Zeichnung „Hand des Künstlers“ des damals 80-jährigen Henry Moore (1981, 35.000 Euro) Martin Schongauers ergreifende Radierung „Kreuzigung“ aus dem 15. Jahrhundert (130.000 Euro). Den Flirt mit dem 20. Jahrhundert praktiziert auch die Galerie Tanakaya aus Paris. Sie konfrontiert klassische japanische Farbholzschnitte von Utagaya Hiroshige aus dem frühen 19. Jahrhundert mit einer Schönheiten Galerie von Hashiguchi Goyo aus dem frühen 20. Jahrhundert. Goyo hatte um 1900 den Japandruck verfeinert und revolutioniert, aber nur wenige Werke hinterlassen. Gut ein Drittel der Suite war Montagabend verkauft. Sie kosten um die 20.000 Euro.

Man weiß nicht, ob man es eine neue Art des Kundenfangs nennen soll oder ob es der Materialknappheit zugeschrieben werden muss: Selbst die Tomasso-Brothers pfeifen diesmal auf das Epochenschema. Sie sind bekannt für ihre exquisiten Skulpturen aus Renaissance und Barock. Aber diesmal konkurriert hier ein Quartett naturalistisch gestalteter Pferdeskulpturen des Spaniers Juan Chaés aus dem späten 18. Jahrhundert (380.000 Euro) mit einem 3-Millionen-Euro-Schaf aus dem Studio von Damien Hirst, das mit goldenen Hörnern ausgestattet wurde.

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